Professor Lerchl an einer der inaktiv geschalteten Helmholtz-Spulen.  Richard Lerchl
Professor Lerchl an einer der inaktiv geschalteten Helmholtz-Spulen. Richard Lerchl

Elektroautos sollen Energie nicht nur möglichst unproblematisch aufnehmen,
sondern bei Bedarf auch wieder abgeben und ins Stromnetz einspeisen können
– das ist die Vision des Forschungsprojektes „FeedbacCar“. Die Jacobs
University Bremen mit Dr. Alexander Lerchl, Professor für Biologie und
Ethik in Naturwissenschaften und Technik, ist Teil des
Forschungskonsortiums. Der Wissenschaftler überprüft die möglichen
biologischen Auswirkungen der Technologie, die auf einem induktiven
Ladesystem beruht.

Je mehr Elektroautos zugelassen werden, desto größer ist die
Speicherkapazität der in ihnen verbauten Batterien. Was wenn sie genutzt
werden könnte, um Leistungsschwankungen der erneuerbaren Energien und
Stromspitzen abzufangen? Ein induktives Ladesystem soll dies ermöglichen.
Dabei wird die Energie nicht per Stromkabel übertragen, sondern sie wird
erzeugt mithilfe von Empfangs- und Senderspulen, die im Boden und am
Fahrzeug angebracht sind. Eine App zeigt dem Fahrer die richtige Position
des Autos an. Der Energiefluss der Spulen funktioniert in beide
Richtungen. Das Fahrzeug kann Energie aufnehmen, aber auch dem Stromnetz
zur Verfügung stellen.

Die Forschung über die biologischen Wirkungen dieser Technologie ist
wissenschaftliches Neuland, sie sind bislang kaum untersucht worden. Bei
der Energieübertragung entsteht ein Magnetfeld. Anders als etwa bei einem
Laserstrahl ist dies nicht klar begrenzt, es streut und nimmt mit der
Entfernung von den Spulen stark ab.

„Unsere Aufgabe ist es, die biologischen Effekte dieser Magnetfelder zu
untersuchen“, sagt Lerchl. Er kann dabei auf große Helmholtz-Spulen
zurückgreifen, die ein Magnetfeld mit einer Stärke von 360 Mikrotesla bei
20 kHz bzw. 85 kHz erzeugen. Zum Vergleich: Für Hochspannungsleitungen
beträgt der Grenzwert für die magnetische Flussdichte 100 Mikrotesla.
„Dank dieser Ausstattung sind wir Vorreiter in der Erforschung
niederfrequenter elektrischer und magnetischer Felder“, sagt Lerchl.
Derzeit untersucht seine Forschergruppe die Auswirkungen der Magnetfelder
auf verschiedene Pflanzen, Insekten und Einzeller.

FeedbacCar (Future Electric Energy Distribution by Aggregated Clusters and
Cars with Automated Response) wird finanziert vom Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Projektpartner sind die
Zollner Elektronik AG, die Audi AG, IFAK – Institut für Automation und
Kommunikation e.V. sowie Energie2Market GmbH. In einem Flottenversuch mit
mehreren Fahrzeugen werden derzeit Erfahrungen gesammelt, ob die Fahrzeuge
sich als Energiespeicher eignen. Das Projekt ist bis Ende Juni 2020
befristet.

Über die Jacobs University Bremen:

In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für
verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten
Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen,
forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen
Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University
Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet,
erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und
internationalen Hochschulrankings. Ihre mehr als 1.500 Studierenden
stammen aus mehr als 120 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium
nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder aus dem Rahmenprogramm für
Forschung und Innovation der Europäischen Union ebenso gefördert wie von
global führenden Unternehmen.
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