Professor Julius Heinicke forscht und lehrt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.  Foto: die hoffotografen
Professor Julius Heinicke forscht und lehrt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Foto: die hoffotografen

Hildesheim ist ein Zentrum für kulturpolitische Forschung in Deutschland:
Die UNESCO hat die Hildesheimer Forschung mit einem UNESCO-Lehrstuhl
„Cultural Policy for the Arts in Development“ ausgezeichnet. Seit 2020
forscht und lehrt Professour Julius Heinicke an der Universität
Hildesheim, der UNESCO-Chair wurde erfolgreich um weitere vier Jahre
verlängert, im Auswärtigen Amt in Berlin erfolgte die Staffelübergabe von
Professor Wolfgang Schneider an Professor Julius Heinicke. Das
Hildesheimer Forschungsteam untersucht: Welche Rolle spielen die Künste
und Kultur in gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen? Die Künste
können Sphären zur Aushandlung und Versöhnung schaffen, sagt Heinicke.

Die UNESCO hat das Konzept des UNESCO Chairs in Cultural Policy for the
Arts in Development (UNESCO-Lehrstuhl für die Künste in
Entwicklungsprozessen) (https://www.uni-hildesheim.de/unescochair/) für
weitere vier Jahre positiv evaluiert. Prof. Dr. Julius Heinicke wurde als
neuer Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls bestätigt. Am Freitag, 19. Juni 2020,
fand die symbolische Staffelübergabe von Prof. Dr. Wolfgang Schneider an
seinen Nachfolger Prof. Dr. Julius Heinicke auf Einladung der
Staatsministerin für internationale Kulturpolitik Michelle Müntefering im
Auswärtigen Amt statt.

„Die Arbeit des Hildesheimer UNESCO Chairs begeistert mich seit Langem“,
erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria
Böhmer. „Wolfgang Schneider hat uns in den vergangenen Jahren gezeigt,
welche Rolle die Kultur in gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen
spielt und wie sie dadurch Wandel befördert“, so Böhmer weiter. „Am
Lehrstuhl werden Kunstfreiheit und Menschenrechte nicht nur diskutiert. In
Hildesheim wird gelehrt, wie wir Tag für Tag für sie einstehen können.
Dafür möchte ich Professor Schneider ganz herzlich danken und freue mich
darauf, die inspirierende Zusammenarbeit der letzten Jahre jetzt mit
Professor Heinicke fortsetzen zu können.“

In der nun folgenden Phase setzen Prof. Dr. Julius Heinicke und der
Geschäftsführer Dr. Daniel Gad samt Team auf die Fortführung und
Etablierung erfolgreicher Kooperationsprogramme mit Künstler*innen
weltweit wie die „Arts Rights Justice“-Sommerakademie,
Forschungskooperationen mit internationalen Organisationen, so zum
Beispiel „Kultur und Konflikt“ mit der GIZ in Mali oder dem
internationalen Netzwerk der UNESCO Chairs zur Forschung im Bereich
Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.

In Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche und globaler
Wandlungsprozesse, welche die international agierenden Künstler*innen und
kulturpolitische  Akteur*innen maßgeblich beeinträchtigen und
herausfordern, versteht sich der Chair in Zukunft verstärkt als
unabhängige Forschungsinstitution, welche kulturpolitische Diskurse unter
einem kritischen und postkolonialen Fokus voranbringt. Das Team strebt
wissenschaftliche Kooperationen und Begleitstudien mit Projekten,
Initiativen und Programmen kulturpolitischer Akteur*innen und Stakeholdern
wie etwa der Deutschen UNESCO-Kommission, dem Goethe-Institut, dem ifa,
der GIZ, dem BMZ und dem Auswärtigen Amt sowie ausgewählten Partner*innen
insbesondere in der arabischen Region und auf dem afrikanischen Kontinent
an.

Einen Schwerpunkt bilden die Einbindung und der Austausch mit
Studierenden, Doktorand*innen und Wissenschaftler*innen weltweit. So
werden im internationalen Bachelor-Plus-Studiengang in Hildesheim, in
Kooperationen mit einem pan-arabischen Masterstudiengang in Marokko und
der DAAD Graduate School „Performing Sustainability“ und in weiteren
internationalen Promotionsprogrammen Diskurse und Debatten um
Postkolonialismus, Antirassismus, Nachhaltigkeit, Kulturelle Diversität
und Kunstfreiheit kritisch reflektiert und vorangebracht.

Der Kulturwissenschaftler Julius Heinicke (Kurzinfo zur Person: www.uni-
hildesheim.de/fb2/institute/kulturpolitik/profil/team/heinicke/) wurde zum
1. März 2020 auf die Professur für Kulturpolitik der Universität
Hildesheim berufen. Er studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin
Kultur- und Theaterwissenschaften und promovierte dort über Theater und
Politik in Zimbabwe. Bevor er eine Professur für angewandte
Kulturwissenschaften an der Hochschule Coburg antrat, forschte er am
Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin. Seit 2017
leitet er das Forschungsprojekt „Schnittstellen zwischen Hochkultur und
kultureller Bildung” (www.schnittstellen-kultur-bildung.de).

Seine Habilitationsschrift „Sorge um das Offene: Verhandlungen von
Vielfalt mit und im Theater”
(www.theaterderzeit.de/buch/sorge_um_das_offene/) wurde 2019 im Verlag
Theater der Zeit veröffentlicht.

Seit vielen Jahren kooperiert Julius Heinicke in Kunst- und
Forschungsprojekten mit Kolleg*innen im südlichen Afrika, vor allem in
Südafrika und Zimbabwe. In beiden Ländern werden Kunst- und
Kulturpraktiken eingesetzt, um sich den gesellschaftlichen
Herausforderungen aufgrund politischer Umbrüche und Neuanfänge zu stellen.
Heinicke spricht hier bewusst nicht von Krisen, denn diese sind allseits
bekannt. Vielmehr hat er innovative Techniken und Fragestellungen
beobachten können, durch deren Perspektive einige Wirkungsweisen
hierzulande erst reflektierbar werden.

Die Bedeutung der sozialen Felder für die Künste, die politische Kraft von
Kulturarbeit auch in Krisenzeiten, die Rolle der Kunst in der Schaffung
von Sphären zur Aushandlung und Versöhnung sind Themen, die Julius
Heinicke beschäftigen. Dabei will er verstärkt auch der Frage nachgehen,
welche kulturpolitischen Narrative und Strategien im internationalen
Kontext noch ungehört sind, aber wertvolle Hinweise geben. Immer mehr
Autor*innen und Künstler*innen mit neuen Blickwinkeln kommen zu Wort –
hier gibt es noch viel zu wenig wahrgenommene Stimmen und Fragestellungen,
die Heinicke in seiner Forschung aufgreifen möchte.

Vor dem Hintergrund der „UNESCO Convention on the Protection and the
Promotion of the Diversity of Cultural Expressions“ aus dem Jahre 2005 hat
der Hildesheimer Lehrstuhl die Aufgabe, nicht nur in verschiedenen
lokalen, regionalen und internationalen Gesellschaften Debatten zu
initiieren, welche kulturellen Ausdrucksweisen „geschützt“ und welche
„gefördert“ werden sollten, was je nach Region und Anliegen ganz
unterschiedlich sein kann. Vielmehr sollen diese vielfältigen Debatten
zusammengebracht, der Austausch gefördert und die so entstehenden Diskurs-
und Handlungsräume wissenschaftlich analysiert und ausgewertet werden.
Innovative und zeitgemäße Formen des Wissens, Debattierens, Forschens und
Reflektierens sollen gemeinsam mit den Partner*innen erarbeitet werden.