Wie hat der britische militaristische Kolonialismus versucht, die
Enteignungen in Afrika in viktorianischer Zeit zu rechtfertigen? Im
diesjährigen Schöne-Vortrag am Institut für Kunstwissenschaft und
Historische Urbanistik der TU Berlin überdenkt Professor Dan Hicks vom
Pitt Rivers Museum der Universität Oxford die Logik der britischen
imperialen Ideologie groß angelegter militärischer Angriffe, Entweihungen,
Enteignungen und Morde, der sogenannten "Strafexpeditionen". Um diese zu
entschuldigen beziehungsweise zu rechtfertigen, wurden geringfügige
Verstöße, zum Beispiel ein Vertragsbruch oder Sklaverei, vorgeschoben.

Das Institut für Kunstgeschichte und Historische Urbanistik und die
Richard-Schöne-Gesellschaft für Museumsgeschichte e.V. laden herzlich ein
zum Vortrag

White Projection
mit Prof. Dr. Dan Hicks,
Fachgebiet Contemporary Archaeology, University of Oxford (GB)
Kurator für World Archaeology am Pitt Rivers Museum, Oxford

Zeit: Montag, 23. November 2020, 19 Uhr
Ort: Online-Vortrag mit Anmeldung: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>
(Die Zugangsdaten werden nach der Registrierung versandt. Die Zahl der
Zuhörer*innen ist begrenzt)

In seinem Vortrag legt Dan Hicks dar, dass diese Mixtur von Positionen, in
denen die Brutalität, die Gewalt und der Bildersturm britischer
Marineangriffe, die den Opfern dieser Angriffe zugeschrieben wurden, Teil
einer umfassenderen Pathologie des britischen Kolonialismus und deren
"wissenschaftlich" untermauerter Rassenideologie war.

Der Vortrag zeichnet die Aus- und Nachwirkungen dieses kolonialen
Instruments auch im 20. und 21. Jahrhundert nach und denkt darüber nach,
wie Wahrheit, Erinnerung und Versöhnung entstehen können, um moderne
Weltkulturmuseen für das 21. Jahrhundert fit zu machen. Museen, in denen
nichts gestohlen wird.

The Restitution of Knowledge - gemeinsames Forschungsprojekt Oxford/Berlin

Kürzlich startete an der TU Berlin und am Pitt Rivers Museum das
gemeinsame Projekt "The Restitution of Knowledge" zur Herkunftsgeschichte
europäischer Kulturschätze. Neben Dan Hicks auf britischer Seite wird das
Projekt an der TU Berlin von Prof. Dr. Bénédicte Savoy, Fachgebiet
Kunstgeschichte der Moderne geleitet. Gefördert wird das Projekt mit
700.000 Euro in einem neuartigen transnationalen Programm zur
Forschungsfinanzierung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und
dem britischen Arts and Humanities Research Council (AHRC).

Die Medieninformation der TU Berlin dazu finden sie unter:
<https://www.tu.berlin/go10749/>

Zur Person: Dan Hicks

Professor Dr. Dan Hicks leitet das Fachgebiet Contemporary Archaeology an
der Fakultät für Archäologie der University of Oxford (GB) und ist Fellow
am St. Cross College. Der Archäologe ist zudem Kurator für World
Archaeology am Pitt Rivers Museum der Universität Oxford. 2017 erhielt er
die Royal Anthropological Institute's Rivers Memorial Medal, eine der
höchsten Auszeichnungen in Anthropologie und Archäologie. In seiner
Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit der Herkunft von Kultur und
Material. In Großbritannien ist er maßgeblicher Initiator der Debatte um
Raubkunst aus der Geschichte des Britischen Empire. In seinem jüngsten
Buch "The Brutish Museums. The Benin Bronzes, Colonial Violence and
Cultural Resitution" beschreibt er den Raub der berühmten Benin Bronzen
während einer britischen Marineoperation 1897. Es handelt sich um eine
Sammlung von Tausenden von Messingplaketten und -skulpturen sowie
Elfenbeinschnitzereien, die die Geschichte des königlichen Hofes der Obas
von Benin City, Nigeria, darstellen und die in der Privatsammlung Königin
Victorias, im Britischen Museum und in zahllosen Privatsammlungen
landeten.