Wie lange werden wir noch Schnee haben? Klima-Experte Dr. Thomas Sterr von der SRH Hochschule Heidelberg erklärt, warum wir schnellstmöglich handeln müssen. SRH Hochschule Heidelberg
Wie lange werden wir noch Schnee haben? Klima-Experte Dr. Thomas Sterr von der SRH Hochschule Heidelberg erklärt, warum wir schnellstmöglich handeln müssen. SRH Hochschule Heidelberg

Kurzinterview mit Dr. Thomas Sterr, Leiter des Studiengangs Climate Change
Management and Engineering an der SRH Hochschule Heidelberg

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung des Jahrhunderts und wird
uns weitaus länger beschäftigen als die Corona-Krise: Die Begrenzung auf
1,5 Grad Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit gilt als ganz
entscheidender Grenzwert, um die Zukunft zu retten. Um diese Ziele zu
erreichen, sind Fachkräfte gefordert, die nicht nur wissen, wie wir mit
dem Klimawandel umgehen können, sondern die ihn auch verstehen, um auf
Basis einer naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung in Verbindung mit
wirtschaftlich-soziologischem Hintergrundwissen gegensteuern zu können.
Zwölf Studierende lernen dies seit Oktober 2020 im dualen Studiengang
„Climate Change Management and Engineering“, der von Dr. Thomas Sterr
geleitet wird. Der Geograph und Volkswirt beschreibt, warum der
Klimawandel leider keine Pause macht.

Herr Dr. Sterr, was sind eigentlich die Voraussetzungen für einen Winter
mit Schnee?

Wichtigste Voraussetzung ist bei uns natürlich die Temperatur: Am Boden
müssen es maximal 0°C sein, damit der Schnee liegen bleibt. Dann bekommen
wir die großen weißen Flächen, die die einfallende Energie von der Sonne
gleich wieder genauso zurückschicken, wie sie reinkommt, also bleibt es
weiß und damit kalt. Wenn es stattdessen nun aber bei +1°C regnet, bleibt
diese große Fläche deutlich dunkler und nimmt einfallende Sonnenenergie
erst mal auf, so dass Wärmestrahlung entsteht. Die Folge: Es entsteht ein
zusätzlicher Wärmebeitrag, und die Wahrscheinlichkeit eines
Temperaturabfalls winterlicher Feuchtluft auf mindestens 0°C sinkt weiter.
Heller Schnee oder auch Eis vermindern also  langfristige Erwärmung, ein
Mehr an dunklen Flächen fördert sie aber.

Alle Welt redet von der Klimaerwärmung, nun versinkt Madrid im Schnee und
unsere Kinder freuen sich über die Rodelbahnen auf dem nächstgelegenen
Berg. Wie passt denn das zusammen?

Wissenschaftlich betrachtet geht es hier um Oszillationen und
Eintrittswahrscheinlichkeiten in einem "klimatischen" Kontext - und Klima-
Veränderungen kennzeichnen aus wissenschaftlicher Perspektive
gleichgerichtete Veränderungen im Rahmen eines über mindestens 30 Jahre
anhaltenden Trends. Die Ergebnisse globaler Trendanalysen sind hier
inzwischen sehr eindeutig, und sie decken sich mit Sicherheit auch mit
Ihrer eigenen Wahrnehmung: allein schon, wenn Sie unser winterliches
Regionalklima über Möglichkeiten zum Schlittenfahren oder zum Eislaufen
auf zugefrorenen Seen Revue passieren lassen, werden Sie zum Schluss
kommen, dass das im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte immer seltener
und kürzer der Fall war. Wenn es uns nicht schnellstens gelingt,
wesentlich wirksamer gegenzusteuern, wird sich ein entsprechender
Globaltrend auch mittel- und langfristig fortsetzen.