FAU leitet Verbundprojekt über gesundheitsfördernde Interaktion von Mensch
und Künstlicher Intelligenz

Wie muss ein intelligentes Assistenzsystem gestaltet sein, damit möglichst
viele Menschen es für die alltägliche Verbesserung ihrer Gesundheit
nutzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Verbundprojekts „Erweiterte
Gesundheitsintelligenz für persönliche Verhaltensstrategien im Alltag“
(Eghi), das jetzt unter Leitung der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg (FAU) gestartet ist. Das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) fördert das Projekt im Rahmen des Förderschwerpunkts
„Adaptive Technologien für die Gesellschaft – Intelligentes Zusammenwirken
von Mensch und Künstlicher Intelligenz“ mit rund 1,8 Millionen Euro für
eine Laufzeit von drei Jahren.

„Obwohl das Interesse und Engagement für die eigene Gesundheit in der
Bevölkerung insgesamt steigt, ist es für die Einzelnen oft schwer,
entsprechende Maßnahmen im Alltag umzusetzen“, beschreibt der Koordinator
des Verbundprojekts Prof. Dr. Oliver Amft. Er ist Lehrstuhlinhaber für
Digital Health an der FAU und betont: „Bestehende Angebote werden oft nur
von Personen genutzt, die ohnehin ein gutes Gesundheitsverhalten zeigen.
Bei dieser Gruppe sind sogenannte Wearables wie Fitness-Armbänder und
Smartwatches schon sehr beliebt.“

Lernendes Assistenzsystem

In dem neuen Projekt will die FAU – zusammen mit dem Deutschen
Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, der Universität Duisburg-
Essen, BODYMED und der Interactive Wear AG – ein lernendes Assistenzsystem
entwickeln, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert und Menschen bei
einem gesunden Alltagsverhalten unterstützt. „Wir setzen auf
personalisierte, situative Verhaltensempfehlungen, die einen direkten
Bezug zu relevanten Erlebnissen der Menschen haben und leicht umzusetzen
sind“, erklärt Professor Amft. „Ganz egal ob es um die individuelle
Reduktion von Gesundheitsrisiken geht oder um mehr Bewegung im Alltag
allgemein.“

Als Beispiel skizziert der Forscher folgendes Szenario: „Eine Nutzerin
fährt mit der Straßenbahn zu einem Termin. Das intelligente
Assistenzsystem Eghi merkt während der Fahrt, dass das Wetter schön ist
und noch ausreichend Zeit bis zum Termin verbleibt. Es hat auch häufiger
beobachtet, dass die Nutzerin bei schönem Wetter einen Spaziergang macht.
Also fragt Eghi die Nutzerin, ob sie eine Station früher aussteigen und
laufen möchte, um ein wenig in Bewegung zu bekommen.“ Während eine solche
Empfehlung in dieser Situation für einen Menschen ganz selbstverständlich
ist, muss eine Künstliche Intelligenz das erst modellieren. „Das ist ein
anspruchsvolles Problem, das wir in diesem Projekt angehen wollen“, sagt
der Projektkoordinator. „Die Verfahren, um personalisierte, situative
Interaktion und Handlungsanstöße zu erzeugen, existieren heute noch
nicht.“ Darüber hinaus fehlen bisher auch KI-Methoden, die Nutzerinnen und
Nutzer aktiv und verständlich in Entscheidungsprozesse einbinden und – als
erweiterte Intelligenz – die Ausbildung von persönlichen
Verhaltensstrategien unterstützen.

Multidisziplinärer Forschungsansatz

Ziel des Eghi-Projekts ist es, das Konzept der erweiterten Intelligenz auf
die Unterstützung von gesundem Alltagsverhalten zu übertragen und
insbesondere die Ausbildung von persönlichen Verhaltensstrategien zu
unterstützen. Dafür setzt das Projektteam auf einen multidisziplinären
Forschungsansatz und verknüpft Methoden der Künstlichen Intelligenz mit
Methoden der Verhaltensmodellierung und Konzepten zur Mensch-Technik-
Interaktion. Im ersten Schritt schaffen die Forschenden durch die
sensorgestützte Beobachtung der Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer und
ihrer Verhaltensmuster eine Art gemeinsamen Erfahrungsschatz und eine
gemeinsame Kommunikationsebene zwischen Mensch und KI. Danach verdichten
sie mit Hilfe von KI die Nutzerdaten so, dass personalisierte
Handlungsempfehlungen abgeleitet und ausgesprochen werden können. „Weil
diese Empfehlungen einen Bezug zu relevanten Erlebnissen haben, sind sie
für den Menschen leicht umsetzbar und verständlich“, ist sich der
Projektleiter sicher. In einer eingespielten Mensch-KI-Beziehung kann eine
kurze Vibration des Smartphones oder ein optisches Symbol auf einem
Armband zum Beispiel an die Vorbereitung eines gesunden Abendessens
erinnern. „Die Hinweise sollen den Menschen neue Möglichkeiten eröffnen,
um gesundheitsbewusst zu handeln. Wir entwickeln eine intelligente
Assistenz für gesunde Ernährung, Bewegung im Alltag oder Unterstützung im
Alter – keine Kontrolle“, betont Prof. Dr. Oliver Amft.

Zum Projekt Eghi: https://www.eghi-projekt.de/

Link zum Lehrstuhl: https://www.cdh.med.fau.de