Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann besucht den Wasserstoff Campus Salzgitter.  Jonas Stolzmann  Robert Bosch Elektronik GmbH
Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann besucht den Wasserstoff Campus Salzgitter. Jonas Stolzmann Robert Bosch Elektronik GmbH

Der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und
Digitalisierung, Dr. Bernd Althusmann, besuchte am 4. Mai zusammen mit dem
Peiner Landtagsabgeordneten Christoph Plett (CDU) und Salzgitters
Oberbürgermeister Frank Klingebiel den Wasserstoff Campus auf dem Gelände
der Robert Bosch Elektronik GmbH in Salzgitter. Prof. Dr.-Ing. Christoph
Herrmann, Institutsleiter des Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik IST, stellte den Besuchern das interdisziplinäre
Vorhaben von Forschung und Wirtschaft zur Nutzung grünen Wasserstoffes
vor.

»Der Standort Wasserstoff Campus Salzgitter bietet mit seiner Kombination
aus Großindustrie und Wissenschaft ideale Voraussetzungen für den Einstieg
in die Wasserstoffwirtschaft. Hier wird ein Teil der Salzgitterhilfe gut
genutzt, um einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft
in Niedersachsen zu leisten und die Unternehmen vor Ort fit zu machen für
dieses bedeutende Zukunftsthema«, sagte der niedersächsische
Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann bei seinem Besuch.

Der Minister erhielt Einblick in zwei der bereits gestarteten und vom Land
geförderten Projekte, das Projekt »Fabriktransformation zur
Dekarbonisierung von Fabriken« und das Projekt »Speicherung von
Wasserstoff in Stahltanks«. Das dritte vorgestellte Projekt zur
Konzeptionierung einer grünen Wasserstoffversorgung für die Region
Salzgitter startet diesen Monat. Der Wasserstoff Campus Salzgitter ist ein
Verbundprojekt von kommunalen Akteuren, Forschung und Wirtschaft, um die
wirtschaftlich tragfähige Versorgung und Verwendung von Wasserstoff in der
Industrie zu erforschen und zu erproben. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel,
Wasserstofftechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der
Erzeugung bis zur Nutzung unter Berücksichtigung ökonomischer und
ökologischer Aspekte zu realisieren und als Ausbildungsplattform für Fach-
und Führungskräfte zu etablieren.

Astrid Paus in Vertretung der Landesbeauftragten Dr. Ulrike Witt und
Oberbürgermeister Klingebiel begrüßten die Gäste. »Der Wasserstoff Campus
Salzgitter treibt die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft in
Salzgitter voran. Unternehmen, Wissenschaft und Kommune arbeiten hier
vorbildhaft zusammen. Nun kommt es darauf an, mit diesem Impuls die
regionale Vernetzung weiter voranzutreiben. Unsere Region hat das Zeug zu
einer national bedeutsamen Wasserstoffregion«, so Astrid Paus.

Und Oberbürgermeister Frank Klingebiel ergänzt: »Unser Wasserstoff Campus
ist ein Leuchtturmprojekt für den industriellen Aufbruch in ein
klimaschonendes Zeitalter. Gemeinsam wollen wir unsere Stadt und unsere
Region zum Vorreiter in Sachen Wasserstofftechnologie entwickeln und damit
Vorbildfunktion übernehmen.«  Das Fraunhofer IST ist der wissenschaftliche
Partner im Campus und begleitet alle Teilprojekte. Durch seinen starken
Hintergrund bezüglich der ganzheitlichen Gestaltung von
Produktionssystemen erarbeitet das IST gemeinsam mit der Industrie einen
Fahrplan für die Dekarbonisierung von Fabriken unter Nutzung von
Wasserstofftechnologien.

Zur Realisierung verschiedener Projektbestandteile und Bündelung der
Aktivitäten entsteht auf dem Bosch-Gelände an der John-F.-Kennedy-Straße
in Salzgitter ein Wasserstoff Campus mit Laboren und Büros. Gastgeber
Michael Gensicke, Geschäftsführer der Robert Bosch Elektronik GmbH, und
Rainer Krause, Geschäftsführer des regionalen Energieversorgers WEVG
Salzgitter GmbH & Co. KG, präsentierten dem Minister das Vorhaben
Fabriktransformation zur Dekarbonisierung der Wertschöpfung mit H2. In
Kooperation mit dem Fraunhofer IST entsteht eine Pilotfabrik mit realer
Wasserstoffinfrastruktur. Im Zuge dessen werden Simulationsmodelle in
einem realen Umfeld validiert, praktische Erfahrungen zum Aufbau und
Betrieb einer Wasserstoffinfrastruktur gesammelt und tragfähige Geschäfts-
und Betriebsmodelle entwickelt. »Derzeit installieren wir Festoxid-
Brennstoffzellen (SOFC) als Teil unserer Energieversorgung und planen, sie
zeitnah in Betrieb zu nehmen. Auch der Anschluss an das Fernwärmenetz der
WEVG wird aktuell realisiert. In naher Zukunft werden wir zusätzlich eine
Photovoltaikanlage errichten. Wir nehmen immer mehr Tempo auf«, so Michael
Gensicke, Geschäftsführer der Robert Bosch Elektronik GmbH.

Zu den Voraussetzungen, um Wasserstoff in der Praxis einzusetzen, gehören
Transport und Lagerung. Wasserstofftanks aus Stahl sind günstig
herzustellen und außerdem recyclingfähig; die Werkstoffkosten sind
vergleichsweise niedrig und die Fertigungsverfahren sehr wirtschaftlich.
Der Einsatz höchstfester Stähle für Typ-I-Tanks wird bisher durch die
sogenannte Wasserstoffversprödung limitiert. »Gemeinsam mit dem Fraunhofer
IST möchten wir eine Barriere für die Stahloberfläche entwickeln, die die
Wasserstoffversprödung verhindert. Das Vorhaben verspricht ein hohes
Potenzial, die verwendeten Stahlfestigkeiten zu erhöhen und dadurch
Gewicht, Kosten und CO2-Emmissionen noch weiter zu reduzieren«, so Dr.
Benedikt Ritterbach, Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Forschung
GmbH.

Wie eine wirtschaftlich tragfähige Versorgung mit grünem Wasserstoff in
Salzgitter Wirklichkeit werden kann? Der Wasserstoff Campus will diese
Frage beantworten. Dazu startet im Mai 2021 eine Studie unter Leitung von
MAN Energy Solutions und Fraunhofer IST. Lokale Erzeugung, Transport aus
den Küstenregionen und der Import von Wasserstoff werden darin technisch
und ökonomisch verglichen sowie ein relevanter Abnehmermarkt identifiziert
und entwickelt, zum Beispiel im Schienenverkehr oder in der
Stahlerzeugung.

Dr. Dirk Rosenau-Tornow, Geschäftsführer des Konzernbetriebsrates der
Volkswagen AG, sagt: »Wir als Konzernbetriebsrat freuen uns, dass über
unsere Konzernmarke MAN Energy Solutions die ambitionierten Pläne des
Wasserstoff Campus Salzgitter unterstützt werden. Denn grüner Wasserstoff
hat das Potenzial, die industrielle Stahlherstellung zu dekarbonisieren
und somit auch den CO2-Fußabdruck in der Produktionskette der
Automobilherstellung nachhaltig zu reduzieren.«

Prof. Dr.-Ing. Christoph Herrmann, Institutsleiter des Fraunhofer IST
betont das Potenzial der Region für die Wasserstoffforschung: »Im
Wasserstoff Campus Salzgitter bündeln die Partner aus Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik ihre Kompetenzen, um die industrielle
Wasserstoffnutzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu
demonstrieren und marktfähige Lösungen für eine Dekarbonisierung zu
entwickeln. Das Fraunhofer IST bringt seine Expertise in der angewandten
Forschung zu Wasserstofftechnologien ein. Gemeinsam wollen wir die
Entwicklungspfade für nachhaltige Nutzungskonzepte von grünem Wasserstoff
in Produktion und Mobilität realisieren. Wir sehen Salzgitter als
Leuchtturmregion zur industriellen, nachhaltigen Erzeugung und Nutzung von
Wasserstoff.«

Im Bild v.l.n.r. Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH
Dr.-Ing Benedikt Ritterbach, stellv. Leiterin des Amts für regionale
Landesentwicklung Braunschweig Astrid Paus, Geschäftsführer WEVG
Salzgitter GmbH & Co. KG Rainer Krause, SPD-Landtagsabgeordnete Dunja
Kreiser, Institutsleiter des Fraunhofer IST Prof. Dr.-Ing. Christoph
Herrmann, Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann, Geschäftsführer der
Robert Bosch Elektronik GmbH Salzgitter Michael Gensicke, CDU-
Landtagsabgeordneter Christoph Plett, SPD-Landtagsabgeordneter Stefan
Klein, Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel.