Unter Federführung von Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner von der OTH Regensburg entsteht der Wasserstoffatlas Deutschland.  Hermann Pentermann
Unter Federführung von Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner von der OTH Regensburg entsteht der Wasserstoffatlas Deutschland. Hermann Pentermann

Die interaktive Datenbank wird unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Michael
Sterner entwickelt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im
Rahmen der nationalen Wasserstoffstrategie gefördert. Sie soll das
Potenzial des Energieträgers der Zukunft aufzeigen.

Wasserstoff kann als Stromspeicher und Energieträger genutzt werden; eine
Möglichkeit, die Deutschland vorantreiben möchte, um die Pariser
Klimaschutzziele zu erreichen. Dazu hat die Bundesregierung eine nationale
Wasserstoffstrategie entwickelt, die flankiert wird von Projekten aus der
Grundlagenforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF). Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen
Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) leitet eines dieser Projekte, den
„Wasserstoffatlas Deutschland“. Dabei handelt es sich um eine WebApp mit
interaktiver Karte. Das dreijährige Projekt wird vom BMBF mit rund 700.000
Euro gefördert. Kooperationspartner sind der Verband Deutscher Maschinen-
und Anlagenbau e.V. (VDMA) und renommierte Grafikdesigner und
Webprogrammierer.

Vorbild für den Wasserstoffatlas ist unter anderem das COVID-19-Dashboard
des Robert-Koch-Instituts. Wie auf diesem sollen ständig aktuell der
Bestand aller Power-to-X-Anlagen sowie die Wertschöpfungsketten von grünem
Wasserstoff in den einzelnen Regionen abrufbar sein. Wasserstoff wird
gewonnen durch die Elektrolyse von Wasser in seine Bestandteile
Wasserstoff und Sauerstoff. Für diese Aufspaltung wird Ökostrom aus Wind-
und Solarenergie benötigt. Wird der Wasserstoff über verschiedene Prozesse
zu Wasserstoffderivaten wie Benzin, Diesel, Kerosin oder Ammoniak
weiterverarbeitet, nennt man diese Technologien Power-to-X (PtX), wobei
das X für Kraft- und Kunststoffe, Wärme, Gas oder chemische Rohstoffe
steht. Der Begriff bedeutet vereinfacht gesagt die Wandlung von Ökostrom
in Wasserstoff und dessen Folgeprodukte: „Elektronen zu Molekülen“. Die
Wortschöpfung wurde erstmalig von Prof. Sterner in einer Studie für die
Denkfabrik Agora Energiewende aus dem Jahr 2013 als Sammelbegriff aus
Power-to-Gas, Power-to-Liquid und Power-to-Chemicals eingeführt.

Die Bestandsanalyse des globalen PtX-Bestandes baut auf einer seit 2012
von der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher (FENES) an der
OTH Regensburg gepflegten Datenbank auf. Als Leiter der Forschungsstelle
sieht Prof. Michael Sterner enormes Nutzungspotenzial für den
Wasserstoffatlas Deutschland: „Der Wasserstoffatlas bietet Nutzer*innen
die Möglichkeit, Potenzial, Verbrauch, Kosten und Emissionsminderungen auf
regionaler Ebene einzuschätzen. Damit bekommen sie ein flächendeckendes
Instrument an die Hand, welches den Einstieg in konkrete technische
Planungen erleichtert.“ Mit einem entsprechenden Ausbau von PtX-Anlagen
könnte Wasserstoff zukünftig in vielen Bereichen eine tragende Rolle im
Klimaschutz spielen; beispielsweise für Prozesswärme in der Industrie, zur
Herstellung von Rohstoffen für die Chemie- und Stahlindustrie sowie zur
Gewinnung von synthetischen Kraftstoffen für Schiffe, Züge oder Flugzeuge.

Weitere Infos unter https://www.wasserstoffatlas.de/