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Ein Forschungsprojekt zur Produktion von Insekten und deren Verarbeitung
als zukünftige Futtermittel war Ende 2021 unter den Nominierten für den
Otto von Guericke-Preis der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller
Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. Sie vergibt den mit
10.000 Euro dotierten Preis seit 1997 an Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler für besondere Innovationsleistungen auf dem Gebiet der
vorwettbewerblichen Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF).

Mitte des 21. Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung auf knapp zehn
Milliarden Menschen ansteigen. Die Lebensmittelproduktion müsste sich dazu
um 70 Prozent erhöhen. Alternative Protein- und Fettträger für die
Fütterung von Nutztieren werden überlebenswichtig.

Ein Forschungsprojekt zur Produktion von Insekten und deren Verarbeitung
als zukünftige Futtermittel war Ende 2021 unter den Nominierten für den
Otto von Guericke-Preis der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller
Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. Sie vergibt den mit
10.000 Euro dotierten Preis seit 1997 an Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler für besondere Innovationsleistungen auf dem Gebiet der
vorwettbewerblichen Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF).

Insekten: Pellets für Schwein oder Huhn, Öle für die Kosmetik

„Um ausreichende Mengen an Insekten herstellen zu können, ist eine
weitgehende Automatisierung der Aufzucht notwendig“, erklärte Professor
Rainer Michael Benning von der Hochschule Bremerhaven. Benning forschte in
den vergangenen Jahren dazu gemeinsam mit Dr.-Ing. Verena Böschen vom
Forschungsinstitut Futtermitteltechnik der Internationalen
Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik e.V. (IFF) in Braunschweig,
Andreas Baur und Tobias Beck von der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg sowie Nina Kröncke, ebenfalls von der Hochschule
Bremerhaven. Das Team untersuchte im Rahmen eines IGF-Projekts, wie diese
Herausforderung gelöst werden kann. Die vorwettbewerbliche Industrielle
Gemeinschaftsforschung wird im Innovationsnetzwerk der AiF und ihrer 100
Mitglieder organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Die Forschenden entwickelten eine kleinmaßstäbliche Anlage zur Produktion
von Insekten, die den gesamten Weg der Aufzucht – vom Ei bis zur Larve –
sowie die Weiterverarbeitung der Insekten zu Futtermitteln umfasst und
optimiert. „Bei der Aufbereitung der Insekten haben wir uns an
handelsüblichen Industrieprozessen orientiert, z.B. für die Erzeugung von
Olivenöl über Seiherschneckenpressen. Das ist das sogenannte
Trockenverfahren“, beschrieb Böschen die Forschungsergebnisse. Kröncke
ergänzte: „Im Nassverfahren arbeitet man mit Zentrifugationstechnik. In
beiden Fällen entstehen am Ende ein Proteinmehl und ein Öl.“ „Aus dem
Proteinmehl stellen wir ein Futtermittel her: Pellets, die für die
Schweine- oder Geflügelernährung eingesetzt werden können“, so Baur und
Beck abschließend.

Neue Marktsegmente erschließen

Der Unternehmer und Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinartz GmbH &
Co. KG, Niklas Stadermann, lobte die Zusammenarbeit mit den
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und erklärte: „Dieses IGF-
Projekt hat uns, als Anlagen- und Verfahrenstechniker, die Möglichkeit
eröffnet, in neue Marktsegmente vorzustoßen. In Kooperation mit dem AiF-
Mitglied haben wir unsere Technologie in einem neuen Industriezweig zur
Entfettung von Insekten erproben und weiterentwickeln können.“
„Was Sie hier sehen, ist ein Paradebeispiel der Industriellen
Gemeinschaftsforschung. Verschiedene Player aus dem Bereich der Industrie,
kleine und mittlere Unternehmen, Maschinenbauunternehmen und
Futtermittelhersteller haben sich zusammengefunden und beim Thema
'Insektenaufzucht' erstmalig zusammengearbeitet. Erste Ergebnisse wurden
bereits in die Industrie transferiert“, fasste IFF-Geschäftsführer Rolf-
Michael Blume zusammen.

Darüber hinaus können Insekten oder deren Bestandteile auch in der
Produktion von Fleischersatz und Lebensmitteln oder bei der Herstellung
von Kosmetika und Pharmazeutika eingesetzt werden. Die Ergebnisse dieser
technologieoffenen Forschung kommen mittelständischen Unternehmen in
Deutschland aus allen Branchen zugute. Das ist weltweit einzigartig.

Einen vierminütigen Film zum Projekt finden Sie im Medienraum der AiF-
Website.
Eine kurze Vorstellung aller 2021 für den Otto von Guericke-Preis
nominierten IGF-Projekte gibt es ebenfalls auf der Website der AiF.

Ansprechpartner zum IGF-Projekt:
Dr.-Ing. Verena Böschen, Forschungsinstitut Futtermitteltechnik der IFF,
Braunschweig, E-Mail: v.boeschen(at)iff-braunschweig(.)de, Tel.: +49 5307
92 22-17
Rolf-Michael Blume, Geschäftsführer der Internationalen
Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik e.V. (IFF), E-Mail: rm.blume(at
)iff-braunschweig(.)de, Tel.: +49 5307 92 22-12

Über die AiF
Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von
Guericke“ e.V. ist das Forschungsnetzwerk für den deutschen Mittelstand.
Sie fördert Forschung, Transfer und Innovation. Als Dachverband von rund
100 gemeinnützigen Forschungsvereinigungen mit mehr als 50.000
eingebundenen Unternehmen und über 1.200 beteiligten
Forschungseinrichtungen leistet sie einen wichtigen Beitrag, die
Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu
stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein organisiert die Industrielle
Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF
F∙T∙K GmbH, ihre einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere
Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2020 setzte die AiF über
548 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein. Seit ihrer Gründung
im Jahr 1954 lenkte sie 13 Milliarden Euro öffentliche Fördermittel in
neue Entwicklungen und Innovationen und brachte 240.000 Forschungsprojekte
auf den Weg.