DDG rät zum Tag des Sonnenschutzes am 21. Juni: Eher mehr als weniger
Eincremen, Haltbarkeit und Alter der Cremes beachten

Sonnenschutzcremes können Stoffe enthalten, die sich mit zunehmender
Alterung des Produktes zu möglicherweise krebserregenden Stoffen
zersetzen. Die Konsequenz daraus ist nach Meinung der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft (DDG), dass die Hersteller dieser Produkte
die Auswahl der verwendeten UV-Filter kritisch überprüfen und die
Formulierungen ggf. ändern sollten.

Das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs kann durch einen umfassenden
Sonnenschutz mit Eincremen und Expositionsprophylaxe (Tageszeiten mit
hoher UV-Strahlung meiden, Schatten aufsuchen, Sonnenschirme nutzen,
Kleidung und Kopfbedeckungen tragen) reduziert werden. Verbraucher*innen
sollten daher weiterhin die Haut mit Sonnencreme schützen, aber nur
frische Cremes verwenden.

Seit einigen Monaten beunruhigen Nachrichten über die möglicherweise
schädliche Wirkung gealterter Sonnencremes die Bevölkerung. Handelsübliche
Sonnencremes haben als Wirkmechanismus entweder anorganische, mineralische
Substanzen wie etwa Zinkoxid oder Titanoxid oder aber sie arbeiten mit
organischen UV-Filtern. Beide Filterarten sind wirksam und halten UV-
Strahlung davon ab, die Haut zu schädigen. Den mineralischen Filtern sind
kleinste Partikel beigemischt, die UV-Strahlung reflektieren. Die
organischen Filter nehmen die UV-Strahlen auf und wandeln sie in Wärme und
Fluoreszenzlicht um.

Sobald ein Sonnenschutzprodukt hergestellt worden ist, altert es. Dass
dies ein Problem darstellen kann, zeigte die Untersuchung einer
Forschergruppe um C. A. Downs, die im März in der Zeitschrift Chemical
Research in Toxicology veröffentlicht wurde. Die Chemiker*innen
untersuchten 17 Sonnenschutzprodukte unter der Fragestellung, wie hoch der
Benzophenon-Gehalt ist. Bei 16 der getesteten Produkte fanden die
Forscher*innen deutlich erhöhte Benzophenon-Konzentrationen. Da man
annimmt, dass der Stoff krebserregende und auf das Hormonsystem wirkende
Eigenschaften („endokriner Disruptor“) besitzt, darf er als UV-Filter in
der Europäischen Union nur unter Beachtung eines Grenzwertes eingesetzt
werden.

Problematisch kann die Verwendung des UV-Filters Octocrylen in
Sonnenschutzprodukten sein, da dieses sich zu Benzophenon zersetzt.
„Bislang galt der Einsatz von Octocrylen als unbedenklich, sofern bei
Patienten keine Photoallergie gegen Ketotifen (ein Antiallergikum)
bestand. Diese Forschungen zeigen jedoch, dass der Einsatz zu überdenken
ist, da das Vorhandensein von Benzophenon nicht ausgeschlossen werden
kann“, erklärt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für
Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die
Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).
„Die Überwachungsbehörden sind aufgefordert zu überprüfen, ob in
Deutschland verkaufte Octocrylen-haltige Sonnenschutzmittel bedenkliche
Konzentrationen von Benzophenon enthalten.“

Bei längerer Lagerung kann sich Octocrylen zu Benzophenon zersetzen. Aus
Sicht der europäischen Kosmetikkommission darf Benzophenon in
Sonnenschutzmitteln allenfalls in Spuren vorhanden sein. Dem eher
hypothetischen Risiko von Benzophenon steht aber ein echtes und durch
Studien belegtes Risiko gegenüber, durch zu viel UV-Strahlung an Hautkrebs
zu erkranken.

„Die Schlagzeilen zu ‚krebserregenden Stoffen in Sonnencremes‘ dürfen
nicht dazu führen, dass das Eincremen reduziert oder gar darauf verzichtet
wird. Das wäre fatal“, ergänzt Professor Dr. med. Julia Welzel, Direktorin
der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum
Augsburg, Medizincampus Süd und Generalsekretärin der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft (DDG).
Die UV-Strahlung der Sonne ist eines der Hauptrisiken für die Entstehung
von Hautkrebs und ein bekanntes, starkes Karzinogen. Ein effektiver
Sonnenschutz durch Expositionsprophylaxe, also angemessene Kleidung, das
Aufsuchen von schattigen Bereichen, das Nutzen von Sonnenschirmen oder
-segeln und das Eincremen, bleiben unverzichtbar. Die Dermatologinnen und
Dermatologen vermuten, dass letzteres eher noch intensiver betrieben
werden sollte.

Aus dermatologischer Sicht ist es nur scheinbar ein Dilemma: Der Schutz
vor Hautkrebs überwiegt die Gefahr, dass möglicherweise schädigende
Substanzen durch die Haut eindringen. „Die neuen Erkenntnisse werden
allerdings auch nicht verharmlost. Als dermatologische Fachgesellschaft
sind wir an die Hersteller diese Produkte mit der Bitte herangetreten, die
möglicherweise von Octocrylen ausgehende gesundheitliche Gefährdung zu
untersuchen und Alternativen zu prüfen“, betont Professor Dr. med. Michael
Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Philipps-
Universität Marburg und am Universitätsklinikum Marburg (UKGM) und
Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Das Fazit der Dermatolog*innen der DDG lautet: Zum Schutz vor Sonnenbrand
und zur Risikoreduzierung von Hautkrebs sollten immer frische
Sonnenschutzprodukte verwenden werden und Verbraucher*innen sollten sich
eher mehr eincremen als weniger.


Literatur:
Downs C A, DiNardo, JC, Stien D, Rodrigues AMS, Lebaron P: Benzophenone
Accumulates over Time from the Degradation of Octocrylene in Commercial
Sunscreen Products. Chem. Res. Toxicol. 7. März 2021. DOI:
10.1021/acs.chemrestox.0c00461

Tipps:
- Sonnencremes sind der beste Schutz vor UV-bedingtem Hautkrebs!
- Haltbarkeitsdatum der Sonnencreme beachten.
- Inhaltsstoffe prüfen: Wenn der Stoff ‚Octocrylene‘ in der INCI-
Inhaltsliste bei einer älteren Creme genannt ist, könnte diese Benzophenon
enthalten und sollte in diesem Fall nicht mehr verwendet werden.
- Die Tageszeiten mit der höchsten UV-Strahlung (zwischen 11 und 15 Uhr)
meiden.
- Auf Expositionsprophylaxe achten: Sonnenschirme/Sonnensegel verwenden,
Kopfbedeckungen tragen, schattige Orte bevorzugen, leichte (ggf.
langärmelige) Kleidung tragen.

Informationen zum Aktionstag: https://www.sonnenschutz-sonnenklar.info/