Außenminister Heiko Maas, Bundesumweltministerin Svenja Schulze,
Klimaforscher Johan Rockström, Klimaaktivistin Luisa Neubauer sowie
weitere Expertinnen und Experten aus Politik und Wissenschaft informieren
heute in Berlin über den kommenden Klimagipfel.

In zweieinhalb Wochen beginnt die nächste UN-Klimakonferenz (COP 25) in
der spanischen Hauptstadt Madrid unter der Präsidentschaft Chiles. Heute
diskutieren Expertinnen und Experten aus Politik und Wissenschaft im
Auswärtigen Amt über die anstehenden Verhandlungen. Die Erwartungen an die
Klimapolitik sind nach einem Jahr der Klima-Proteste hoch.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz steht neben den letzten
Detailregeln für die Umsetzung des Übereinkommens von Paris die Frage, wie
die Klimaschutz-Anstrengungen der Länder erhöht werden können. Das Motto
der COP 25 „Es Tiempo de Actuar“ – auf Deutsch „Zeit zu Handeln“ –
bestimmt auch das Briefing in Berlin.

Bisher reichen die 2015 vorgelegten nationalen Ziele nicht aus, um die
Erderwärmung auf unter zwei oder gar 1,5 Grad Celsius zu halten. Alles
andere aber wäre viel zu riskant, wie Professor Johan Rockström, Direktor
des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in seinem Vortrag zeigt.
Wiederholte Hitzewellen in Europa, Überflutungen in Südindien, das
Schmelzen von Eismassen weltweit und der daraus resultierende
Meeresspiegelanstieg sowie rasante Veränderungen in allen Winkeln der Welt
rechtfertigten es aus Sicht der Wissenschaft, von einem planetaren
Notstand zu sprechen. Deshalb führe kein Weg daran vorbei, die weltweiten
Emissionen innerhalb der nächsten zehn Jahre zu halbieren. Stellvertretend
für die jüngere Generation, die im Falle eines Versagens der
internationalen Klimapolitik die Folgen tragen müsste, fordert auch Luisa
Neubauer, endlich konkret zu werden und zu handeln.

Die drei Sonderberichte des Weltklimarats (International Panel on Climate
Change, IPCC) zu 1,5 Grad Erwärmung, Klimawandel und Landsysteme sowie
Ozean und Kryosphäre, die in den vergangenen zwölf Monaten erschienen
sind, spiegeln ebenfalls die Dringlichkeit wider, den Kurswechsel zu
schaffen. Professor Hans-Otto Pörtner, Ko-Vorsitzender der IPCC-
Arbeitsgruppe II, stellt sie beim Berliner Briefing vor. Marie-Luise Beck,
Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums, reflektiert im
Anschluss, wie wissenschaftsbasierte Klimakommunikation helfen kann, um
vom Wissen zum Handeln zu kommen.

Schließlich geht es um die Veränderungsbereitschaft der Wirtschaft.
Professor Gernot Klepper, Koordinator des Klimadialogs des BMBF und
Vorstandsmitglied des Deutschen Klima-Konsortiums, zeigt, wie weit viele
Unternehmen schon sind. In der anschließenden Expertenrunde wird
diskutiert, was die Wirtschaft von der Politik braucht, um Nachhaltigkeit
mit Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.

Rund 450 Besucherinnen und Besucher aus dem Diplomatischen Corps, der
Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft tauschen sich bei der
gemeinsamen Veranstaltung des Auswärtigen Amts, des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und des Wissenschaftsverbands
Deutsches Klima-Konsortium aus.

STATEMENTS DER EXPERTINNEN UND EXPERTEN

Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen:
„Europa muss führen, denn nur dann werden auch Länder wie China und Indien
Kurs halten. Das bedeutet: Die EU muss ihre Klimaziele für 2030 nächstes
Jahr nachschärfen und ehrgeiziger formulieren. Der European Green Deal
darf keine leere Floskel bleiben!“

Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare
Sicherheit:
„Auf der Weltklimakonferenz in Madrid werden die letzten Detailregeln für
die Umsetzung des Pariser Abkommens verhandelt. Es wird darum gehen,
weltweit ein verlässliches Anrechnungssystem für Emissions-Zertifikate zu
etablieren. Ich setze mich ein für ein System ohne Schlupflöcher und ohne
Doppelzählungen, denn nur so können auch Marktmechanismen den globalen
Klimaschutz wirklich voranbringen. Zugleich geht es um die Zukunft der
nationalen Klimaschutzbeiträge. Im Laufe des nächsten Jahres müssen alle
Staaten überarbeitete Klimaziele vorlegen. Das ist dringend nötig, damit
die Weltgemeinschaft die Klimakrise noch abwenden kann. Vor allem die
großen Volkswirtschaften müssen mit mehr Mut vorangehen – auch die
Europäische Union. Das muss international gut vorbereitet sein. Auch dafür
wollen wir die Konferenz in Madrid nutzen.“

Prof. Dr. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung:
„Wir können unser Klima stabilisieren, wenn wir schnell handeln – aber
viele Regierungen der Welt sind nicht auf Kurs. Das ‚Klimapaket‘ der
Bundesregierung braucht dringend politische Maßnahmen, die zu einer
starken und raschen Senkung unseres Ausstoßes von Treibhausgasen führen.
Die Wissenschaft zeigt sehr deutlich: Wenn wir den gegenwärtigen Pfad
weiter beschreiten, dann führt dieser zu größeren Klimaschäden – und
wahrscheinlich zu gefährlichen Rückkopplungsschleifen und Dominoeffekten
im Erdsystem. Es geht hier nicht um den Schutz der Umwelt; es geht um den
Schutz der Menschen.“

Marie-Luise Beck, Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums:
„Während der Klimakonferenzen ist die Aufmerksamkeit für den Klimawandel
besonders groß – genauso aber auch die Gefahr, dass sich viele Menschen
ohnmächtig fühlen und Verzicht fürchten. Das zeigt die Forschung und
Reflexion zur Klimakommunikation, mit der wir uns als Wissenschaftsverband
intensiv beschäftigen. Deshalb sollten wir in den kommenden Wochen auch
über die Chancen einer klimafreundlichen Welt sowie die bereits
existierenden Lösungen sprechen. Zum Beispiel sind die Kosten für
Fotovoltaik in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent gesunken, Strom
wird heute so technisch am kostengünstigsten produziert.“