Jaan Kross (1920-2007) wird vielerorts als „ein in die estnische Republik
hineingeborener“ Schriftsteller bezeichnet. Als er nach Verhaftungen und
Verbannung in Sibirien wieder nach Estland zurückgekehrt war, begann er
Mitte der 1950er Jahre mit dem Schreiben von Gedichten.

Ab 1970 wandte er sich ganz der Prosa zu, „ein Genre, in dem er es zur
Meisterschaft gebracht und das ihm internationalen Ruhm eingebracht
hat...“ (Cornelius Hasselblatt 2006, 684). In seinen Romanen stehen
Protagonisten über mehrere Jahrhunderte hinweg fast ausschließlich
zwischen dem Deutschtum und dem Estentum, stets im Problemkreis „Macht,
Loyalität, Wahrheit“ (Hasselblatt 2006, 689).

In der Lesung mit Dorothee M. Goeze werden einige seiner Romane
vorgestellt; gelesen wird hauptsächlich aus dem Roman: „Wikmans Zöglinge“
(estnisch 1998, deutsch 2017).