Arzt Dr. Oliver Mick vom HNO-Zentrum Oldenburger Münsterland in Cloppenburg zeigt sich während einer OP mit dem neuen Face Shield hoch zufrieden.  Foto: HNO Zentrum Oldenburger Münsterland
Arzt Dr. Oliver Mick vom HNO-Zentrum Oldenburger Münsterland in Cloppenburg zeigt sich während einer OP mit dem neuen Face Shield hoch zufrieden. Foto: HNO Zentrum Oldenburger Münsterland

In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) geförderten Projekt der Universität Osnabrück und der
Fachhochschule Südwestfalen sollen Personen angesprochen und vernetzt
werden, die in ihrer Freizeit mithilfe von 3D-Druckern technische und
medizinische Materialien produzieren Deshalb fand vom 3. bis 5. Juli der
erste digitale Open Photonik Pro Make@thon statt. Als Sieger wurde dabei
die Idee eines Teilnehmers aus Nordrhein-Westfalen gekürt.

Das öffentliche Leben wird nach wie vor zu großen Teilen von der
COVID-19-Pandemie bestimmt. Während ein Mund- und Nasenschutz in vielen
Fällen als guter Schutz vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus dient,
sind für viele Berufsfelder weiterführende Maßnahmen vonnöten. Hierbei ist
zum Beispiel medizinisches Fachpersonal zu nennen, das auf das Tragen
sogenannter „Face-Shields“ angewiesen ist. Unter Face-Shields werden
Schilde verstanden, die mithilfe einer Kunststofffolie das Gesicht so
bedecken, dass ein guter Spuckschutz gegeben ist. Von vielen Personen, die
auf solche Face-Shields angewiesen sind, werden allerdings Tragekomfort
und Funktionalität bemängelt, besonders, wenn eine längere Nutzung des
Gesichtsschutzes notwendig ist.

Vor rund zwei Monaten wurde die Initiative „Maker vs. Virus“ gegründet.
Als „Maker“ bezeichnet man Tüftler, die in ihrer Freizeit pragmatische
Lösungen für zumeist technische Probleme entwickeln. Diese Maker finden
sich oft in so genannten Hubs zusammen, in denen auftretende Probleme
besprochen und Ideen weiterentwickelt werden. Der Hub „Maker vs. Virus“
vernetzt dabei Maker, die sich zum Ziel gesetzt haben, unter anderem
FaceShields zu produzieren, um diese kostenlos an Einrichtungen wie zum
Beispiel Krankenhäuser zu verteilen. Eine Besonderheit der Maker-Szene
ist, dass viele Ideen mithilfe von 3D-Druckern umgesetzt werden, die in
der Lage sind, filigrane Objekte aus Kunststoff selbst herzustellen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun in der
bereits bestehenden Initiative Open Photonik Pro, in deren Fokus die
Entwicklung von Open-Source Software/Hardware Lösungen für das
industrielle Umfeld steht, eine Erweiterung für die Bekämpfung der Corona-
Pandemie bereitgestellt. Damit sollen  Maker auf neuen Wegen miteinander
in Verbindung gebracht werden, um FaceShields und weitere dringend
benötigte medizinische Ausrüstung und medizinische Materialien (weiter) zu
entwickeln.

Ein kooperatives Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der
Universität Osnabrück (Prof. Dr. Mirco Imlau und Prof. Dr. Marco Beeken)
und der Fachhochschule Südwestfalen (Prof. Dr. Dirk Berben) hat sich
zusammengefunden, um Vernetzungsmöglichkeiten für diese Maker zu
realisieren und an der Entwicklung moderner und vor allem kostengünstiger
medizinischer Materialien zu arbeiten.
Bei diesem das bundesweit ersten digitalen Open Photonik Pro
Make@thonkonntendie Teilnehmenden einerseits einen Aufsatz für OP-
Stirnlampen, andererseits eine vollständig 3D-gedruckte OP-Stirnlampe mit
Face-Shield entwickelten.

Insgesamt acht Beiträge lagen der siebenköpfigen Jury am Ende zur
Begutachtung vor. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, da alle
Beiträge viele Vorzüge hatten und letztendlich nur Nuancen entschieden
haben. Als Sieger kürten wir die Idee von Kevin Würfel, bei der das Face-
Shield oberhalb der Stirnlampe angebracht wird und dem Operateur so die
größtmögliche Flexibilität verschafft. So können sogar OP-Brillen und
Lupenlampen ohne großen Aufwand in das System integriert werden“, so Prof.
Dr. Marco Beeken vom Institut Neuer Materialien, Kooperationspartner in
dem Projekt.

Bereits einen Tag nach dem Make@thon wurde das neue Face Shield im
Operationssaal getestet. Der praktizierende Arzt Dr. Oliver Mick vom HNO-
Zentrum Oldenburger Münsterland in Cloppenburg zeigte sich mit dem
Ergebnis hochzufrieden und möchte das Face Shield nun auch für kommende
Operationen verwenden.

Im Laufe eines Jahres sollen weitere Make@thons stattfinden, bei denen
medizinische Ausrüstung mithilfe von 3D-Druckern entwickelt und verbessert
werden soll, um in der Corona-Krise individuelle Lösungen für neue
Probleme zu finden. Der nächste Make@thon findet vom 23. bis 25. August
dieses Jahres statt.