KI warnt: Haltung invasiver Apfelschnecken ist verboten
Die häufig für Aquarien und Teiche angeschafften Tiere schaden der
Biodiversität und gefährden im Süden Europas sogar Ernten.
(Braunschweig) Sie fressen Algen und sind schön anzusehen: Apfelschnecken
sind bei Aquarienfreunden beliebt. Doch sowohl der Handel mit ihnen als
auch das Halten und Vermehren von Tieren der Gattung Pomacea sind laut
Pflanzengesundheitsverordnung (EU 2016/2031) europaweit verboten. Aus
gutem Grund: „Die invasiven Schnecken verursachen massive Schäden an
vielen Pflanzenarten, die meist im Wasser oder an feuchten Standorten
stehen. Das betrifft auch Grundnahrungsmittel wie Reis“, sagt Dr. Gritta
Schrader vom Julius Kühn-Institut (JKI).
Pomacea-Arten können Habitate wie Feuchtgebiete, flache Seen, Flussdeltas
sowie die Randbereiche tieferer Seen und Flüsse besiedeln. In diesen
Ökosystemen können sie neben beträchtlichen ökonomischen Schäden durch
Ernteverluste – Apfelschnecken fressen an allen oberirdischen
Pflanzenteilen – die Biodiversität stark beeinflussen, indem sie heimische
Arten verdrängen. Ohne natürliche Feinde vermehren sich die Schnecken bei
günstigen Bedingungen schnell und beeinträchtigen dadurch die
Wasserqualität. Der verringerte Bewuchs der Gewässer steigert die Gefahr
von Erosion. Derzeit ist zu erwarten, dass die Tiere sich lediglich in
Südeuropa und auf dem Balkan ansiedeln können. Sollten die Temperaturen im
Zuge des Klimawandels aber weiter steigen, ist auch eine Ausbreitung in
Mitteleuropa möglich.
Apfelschnecken stammen aus Südamerika und wurden nach Nord-Amerika, Asien
und schließlich auch in spanische Reisanbaugebiete in Katalonien (2009)
verschleppt. Weitere Funde gab es 2017 in der Schweiz und 2018 in
Frankreich. Seit 2019 sind Apfelschnecken als Unionsquarantäneschädling
eingestuft. Das bedeutet, dass sie in der EU nicht einheimisch sind,
großen Schaden verursachen können und deswegen amtlich bekämpft werden
müssen. Die Schnecken können durch den florierenden illegalen Handel, aber
auch unbemerkt an Pflanzen wie Wassersalat (Pistia spp.) und Hornkraut
(Ceratophyllum demersum) sowie an Gesteinen haftend in Aquarien und Teiche
gelangen. „Besitzer von Aquarien und Teichen sollten daher genau
hinschauen, welche Schneckenarten in und an ihren Gewässern zu finden
sind. Selbst wenn eine dauerhafte Ansiedlung in Deutschland noch
unwahrscheinlich ist, können jetzt im Sommer durchaus Apfelschnecken aus
ausgeleerten Aquarien in Teichen und anderen Gewässern auftauchen“, so
Schrader.
Was tun?
Der Verdacht auf einen Fund von Apfelschnecken ist dem
Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes zu melden.
Ansprechpartner und weitere Informationen sind auf dem Wissensportal
Pflanzengesundheit des JKI zu finden: https://pflanzengesundheit.jul
kuehn.de/
Biologie der Apfelschnecken
Apfelschnecken können sich bei Temperaturen ab 18 Grad Celsius vermehren.
Sie legen ihre auffällig pinkfarbenen Eigelege an Pflanzen oder anderen
Flächen oberhalb des Wasserspiegels ab. Sie benötigen rund 600 Millimeter
Jahresniederschlag und eine Jahresmitteltemperatur von mindestens zehn
Grad Celsius. Aufgrund der niedrigen Temperaturen im Winter können
Apfelschnecken in Deutschland derzeit nicht überleben. Durch den
Klimawandel könnte sich dies allerdings ändern. In den Jahren 2018, 2019
und 2020 war die Durchschnittstemperatur in Deutschland für die Schnecken
bereits ausreichend warm. Da Pomacea-Arten nicht ins Freie gelangen
dürfen, sollten Besitzer von Aquarien vor allem beim Wasserwechsel
Vorsicht walten lassen.
Um ein Verwechseln der Apfelschnecken mit den sehr ähnlich aussehenden und
in Europa heimischen Süßwasserschnecken (Viviparus spp.) zu vermeiden,
werden Funde der Pomacea-Arten mit molekularbiologischen Methoden
untersucht.
