Mehrheit der Deutschen für ein Pfand auf Smartphones forsa-Umfrage für DBU-Umweltmonitor Circular Economy
Eine deutliche Mehrheit der Deutschen befürwortet ein Pfand auf
Handys. So sollen defekte und alte Geräte zur Wiederverwertung wertvoller
Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt und Tantal sowie Silber, Gold und Nickel oder
Seltenerd-Metalle für eine Ressourcen-Kreislaufwirtschaft erhalten bleiben
– und nicht in Schubladen verstauben oder gar illegalerweise im Hausmüll
landen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts „forsa Politik- und Sozialforschung“ im
Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Laut der forsa-Erhebung
für den DBU-Umweltmonitor Circular Economy (CE) halten insgesamt 87
Prozent der Befragten ein solches Handy-Pfand für sinnvoll. Die komplette
Umfrage samt Ergebnisbericht und Grafiken findet sich hier:
https://www.dbu.de/@DBUcircono
„Elektroschrott wird deutschland- und weltweit zu einem massiven Problem“,
sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Der Wunsch der Deutschen laut
forsa-Umfrage sei daher auch als „Weckruf an die Gesetzgeber“ zu
verstehen. „Um den Raubbau der Ressourcen zu stoppen, brauchen wir Anreize
für die Wieder- und Weiterverwendung von Rohstoffen“, so Bonde. Bei der
forsa-Erhebung zwischen dem 25. Februar und 9. März 2021 wurden 1.009
Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Ergebnisse
können auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland
übertragen werden.
DBU-Generalsekretär Bonde: Die Menschen zum Mitmachen animieren
Laut Bonde sind Ideen gefragt, um Rohstoffe in Kreisläufen zu führen –
„und so nicht nur kostbare Ressourcen, sondern auch das Treibhausgas
Kohlendioxid einzusparen“. Damit eine solche Circular Economy überhaupt
funktionieren könne, müssten die Materialien aber erst einmal in einen
Wertstoffkreislauf gelangen. Technische Lösungen allein reichten nicht.
„Wir müssen die Menschen zum Mitmachen animieren“, so Bonde. Das
derzeitige Dilemma der Circular Economy offenbart die forsa-Erhebung genau
in diesem Aspekt: Befragt nach der Reparierbarkeit von Produkten wie
Haushaltsgeräten, Handys und Fernsehern, sagten 91 Prozent, Reparaturen
lohnten sich finanziell oft nicht, weil sie teuer seien. Neuanschaffung
lautet die Devise. Bonde: „Diese Ex- und Hopp-Mentalität ist ein
Teufelskreis; sie wird über kurz oder lang unseren Planeten ruinieren.“
Eine große Mehrheit der Befragten (84 Prozent) vertritt die Ansicht, die
Hersteller planten die Produkte so, dass diese kaum länger als die
gesetzliche Garantiezeit halten. Zudem, so 75 Prozent der Befragten, sei
es „zu aufwendig, einen geeigneten Anbieter für die Reparatur zu finden“.
Stark vom Produkt hängt die Bereitschaft zum Teilen (englisch Sharing) ab:
71 Prozent der Befragten können sich das bei Werkzeug vorstellen. Bei der
gemeinsamen Nutzung von Autos (45 Prozent), Fahrrädern und E-Scootern (42
Prozent) nimmt diese Neigung rapide ab. Nur wenige (9 Prozent) können sich
mit dem Sharing-Modell für Kleidung anfreunden. Für alle abgefragten
Produkte ist übrigens die Bereitschaft bei Frauen höher als bei Männern
und in den alten Bundesländern größer als in den neuen.
Vom nachhaltigen Produktdesign über Müllvermeidung bis zum Reparieren und
Recyceln
Circular Economy, betont Bonde, sei nicht nur klassische Mülltrennung oder
reines Recycling, sondern eine „umfassende Kreislaufwirtschaft“. Es gelte,
einzelne Prozessschritte im Lebenszyklus von Waren, Gütern und
Konsumprodukten unter die Lupe zu nehmen – „angefangen vom nachhaltigen
Produktdesign über Müllvermeidung bis hin zu Wiederverwertung und
Wiederverwendung, Reparieren und Recyceln sowie Teilen und Teilhaben.“
Bonde: „Die Circular Economy geht Hand in Hand mit einer Circular Society
– einer in zirkulären Dimensionen denkenden und handelnden Gesellschaft.“
Eine solche Transformation sei bereits im Gang.
Weltweit fast 54 Millionen Tonnen Elektroschrott im Jahr 2019
Das legt auch die forsa-Umfrage mit Blick auf Rohstoff-Steuer und
staatliche Förderung von Recyclingprodukten nahe: Eine deutliche Mehrheit
(94 Prozent) ist für mindestens eine dieser Optionen, wobei eine Steuer
als Einzelmaßnahme nur wenige (3 Prozent) unterstützen. Dazu Bonde: „Wir
müssen es schaffen, Wirtschaftswachstum von einem erhöhten
Rohstoffverbrauch zu entkoppeln.“ Wie dramatisch die Lage etwa beim
Elektroschrott ist, zeigt der „Globale E-Schrott-Monitor 2020“, eine
Bilanz über den weltweiten Elektromüll 2019 von Monitoren über Handys bis
zu Kühlschränken: fast 54 Millionen Tonnen – das Gewicht von 350
Kreuzfahrtschiffen wie „Queen Mary 2“. Pro Kopf und Jahr sind das global
etwa 7,3 Kilogramm, in Deutschland dagegen rund 10,3 Kilogramm. Bonde:
„Nur wenn künftige Generationen Wege zu einer Circular Economy ebnen,
bleibt der Planet lebenswert.“ Bei Handys dürfte sich solches Handeln
auszahlen: Rund 80 Prozent seiner Bestandteile sind wiederzuverwerten –
bei global weit mehr als einer Milliarde Mobiltelefonen, darunter etwa 25
Millionen Geräte in Deutschland, die jährlich verkauft werden. Und: Allein
hierzulande liegen laut Digitalverband Bitkom fast 200 Millionen
Mobiltelefone ungenutzt herum.
