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Science Bench: Wissenschaft goes Fußgängerzone

Bereits 2020 hieß es einmal Science Bench in Deggendorf. Damals zum Thema Künstliche Intelligenz.  Dr. Jörg Kunz  Kunz@THD
Bereits 2020 hieß es einmal Science Bench in Deggendorf. Damals zum Thema Künstliche Intelligenz. Dr. Jörg Kunz Kunz@THD
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Bereits 2020 hieß es einmal Science Bench in Deggendorf. Damals zum Thema Künstliche Intelligenz.  Dr. Jörg Kunz  Kunz@THD
Bereits 2020 hieß es einmal Science Bench in Deggendorf. Damals zum Thema Künstliche Intelligenz. Dr. Jörg Kunz Kunz@THD

Kein Thema wird emotionaler diskutiert als der Klimawandel. So stimmen
zwar knapp 90 Prozent der Deutschen einer stärkeren Nutzung grüner
Energien grundsätzlich zu, kritisch wird es aber, wenn dies vor der
eigenen Haustür geschehen soll. Ein Bruch, den Politik und Wissenschaft
unbedingt auflösen müssen.

Der Ostbayerische Hochschulverbund TRIO versucht es in der ersten
Juliwoche mit einer ungewöhnlichen Aktion. Fünf Wissenschaftler werden
sich in fünf Städten auf die Bank setzen. Auf die »Science Bench«. So in
Amberg, Deggendorf, Landshut, Passau und Regensburg. Mitten in der City.
Alle, die möchten, dürfen sich dazusetzen und ein wenig mit den Forschern
plaudern. Über Windräder und Smart Grid. Über Elektromobilität und
ländliche Entwicklung. Über Digitalisierung und Gesundheitsversorgung.
Über Ideen und Sorgen im engeren oder weiteren Zusammenhang mit der
Energiewende. Prof. Dr. Tomas Sauer, Wissenschaftlicher Leiter des
Hochschulverbunds, sagt: "Mit TRIO wollen wir einerseits den Austausch
zwischen den ostbayerischen Hochschulen und der Wirtschaft intensivieren,
wir wollen aber vor allem auch den Kontakt zu den Menschen in unserer
Region suchen und verständlich machen, was an den Universitäten und
Hochschulen passiert. Genau das ist das Ziel der Aktion Science Bench.
Hier können sich Forschende und interessierte Bürgerinnen und Bürger ganz
ungezwungen begegnen und diskutieren."

Klimawandel, das ist natürlich nur vordergründig ein reines Ökothema. Denn
die vielfältigen Lösungsansätze, um unseren CO2-Fußabdruck möglichst
schnell und nachhaltig zu minimieren, reichen in alle Lebensbereiche. Und
sie werden vor niemandem halt machen. „Unseren Forscherinnen und Forschern
ist daran gelegen, dass die Menschen verstehen, welche Möglichkeiten es
gibt, wo wir stehen, wie die Dinge zusammenhängen und vor allem auch, was
dies alles für sie bedeutet“, sagt Dr. Jörg Kunz, verantwortlich für die
Wissenschaftskommunikation an der Technischen Hochschule Deggendorf und
Koordinator der TRIO-Science Bench Aktion. Deshalb gehe man in die Stadt.
Um sich auf Augenhöhe auszutauschen. „Wie wünschen uns einen Dialog“, so
Kunz weiter, „wir wollen keine Vorlesung am Markplatz, sondern auch das
aufnehmen, was die Leute bewegt und welche Ideen sie selbst für eine
bessere Welt haben.“

Die Science Bench ist ein Kommunikationsformat, das auf eine Idee Prof.
Katja Becker, der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft,
zurückgeht. Der Charme dieser Art von Wissenschaftskommunikation besteht
in der persönlichen Nähe, die zwischen den Menschen auf der Straße und
Forschenden geschaffen wird. Freilich erreicht man so nur eine Hand voll
Leute. Aber es sind dafür andere als die, die beispielsweise einen Tag der
offenen Tür oder eine Lange Nacht der Wissenschaften besuchen. Man spricht
von »Passiven Unterstützern«, die solche Angebote der Hochschulen und
Universitäten in der Regel nicht nutzen, ohne jedoch negativ gegenüber der
Wissenschaft eingestellt zu sein. „Man schätzt, dass etwa die Hälfte der
Menschen zu dieser Gruppe gehört“, berichtet Kunz. Die Wissenschaft habe
erkannt, dass es viel mehr Integration und Teilhabe der Bevölkerung
braucht. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt
deshalb im Wissenschaftsjahr 2022 partizipative
Wissenschaftskommunikationsprojekte in den Mittelpunkt. Unter dem Motto
»Nachgefragt!«  Kunz freut sich über diese Entwicklung: „Mit der Science
Bench sind wir in Ostbayern quasi schon einen Schritt voraus gegangen.
Aber das Schöne ist, da kommt noch mehr.“