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Berliner Kiezbote liefert Pakete zur Wunschzeit: Aus Forschungsprojekt wird ein Start-up

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Unter der Leitung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW
Berlin) hat ein Forschungsteam neue Formen der Paketzustellung erfolgreich
erprobt.

Er kommt mit dem umweltfreundlichen Lastenrad, muss nicht in der zweiten
Reihe parken und liefert Pakete aller Versender und Lieferdienste zur
gewünschten Uhrzeit direkt an die Wohnungstür: der Berliner Kiezbote. Das
nach zwei Jahren endende Forschungsprojekt war so erfolgreich, dass es
jetzt als Start-up weitergeführt wird.

„Wir haben gesehen, dass die Idee funktioniert und konnten nachweisen,
dass Empfänger_innen mit dem Kiezboten viel zufriedener waren als zuvor“,
fasst der Logistikexperte und Projektleiter Prof. Dr. Stephan Seeck (HTW
Berlin) zusammen. Auch wirtschaftlich sei der Betrieb möglich,
vorausgesetzt, es gibt genügend zahlungsbereite Kundschaft.

Der Pilotversuch hatte im Juli 2020 in vier ausgewählten Postleitzahl-
Gebieten im Bezirk Charlottenburg begonnen und bei der Bevölkerung rasch
Zuspruch gefunden. Insgesamt über 200 Haushalte ließen sich registrieren.
Die Kiezboten sammelten deren Pakete in einem Mikro-Depot im Kiez und
stellten sie nach individueller Terminvereinbarung per App
umweltfreundlich mit dem Lastenrad zu.

Während der Service in der Pilotphase kostenlos war, muss die junge
Kiezbote GmbH nunmehr Gebühren verlangen. „Ab 100 Paketen am Tag schaffen
wir es, operativ wirtschaftlich zu werden“ sagt Daniel Quiter, angehender
Geschäftsführer des frisch gegründeten Unternehmens. Außerdem teste man
verschiedene Möglichkeiten, zusätzliche Services zu etablieren, z. B. die
Retourenabholung oder die Mitnahme und Entsorgung von Sperrmüll.
„Vielleicht bringen wir auch schon bald das Feierabendbier mit den Paketen
vorbei“, sagt Quiter. Gelingt es dem Team, ein erfolgreiches
Geschäftsmodell aufzubauen, dann ist für 2022 die Expansion in andere
Kieze und Städte geplant. Anfragen gibt es bereits.

Am Forschungsprojekt beteiligt waren neben den beiden Hochschulen HTW
Berlin und HWR Berlin auch mehrere Berliner Unternehmen: der Online-
Händler Zalando SE, das Radlogistikunternehmen Cycle Logistics CL GmbH und
die Logistikberatung 4flow AG. Während des Projekts kamen folgende Partner
mit dazu: Pickshare® (Software), citkar (Lastenrad), nebenan.de und die
Charlottenburger Baugenossenschaft. Der Berliner Senat hat das Projekt
über das Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF Berlin) gefördert.