Zum Hauptinhalt springen

Drogenkonsumräume in Bayern gefordert

Pin It

Landshuter Professor*innen veröffentlichen gemeinsame Stellungnahme mit
der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe und
Suchtprävention

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland eine aktive Debatte über die
Bereitstellung von sogenannten Drogenkonsumräumen geführt. Diese haben den
Zweck, mitgebrachte Drogen im geschützten Rahmen und unter Aufsicht zu
konsumieren, um Komplikationen und Todesfälle zu vermeiden. Erst vor
kurzem erteilte die bayerische Staatsregierung diesem Konzept eine erneute
Absage. Eine Genehmigung von Drogenkonsumräumen wird es in Bayern vorerst
nicht geben.

Prof. Dr. Katrin Liel und Prof. Dr. Matthias Laub haben gemeinsam mit der
Deutschen Gesellschafft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe und
Suchtprävention (DG-SAS) eine Stellungnahme zu diesem Thema
veröffentlicht. Zahlreiche Professor*innen haben diese Stellungnahme
mitunterzeichnet. Darin drücken die Wissenschaftler*innen unter anderem
ihr Bedauern über die erneute Absage der Staatsregierung aus. Liel ist an
der Hochschule Landshut Professorin für Soziale Arbeit und Gesundheit
sowie Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen Sozialer Arbeit. Sie lehrt
und forscht zu gesundheitsbezogene Themen in der Sozialen Arbeit
insbesondere der Gesundheitsförderung und Prävention sowie in der
Suchthilfe. Liel ist außerdem aktives Mitglied in der DG-SAS. Ihr
Landshuter Kollege Matthias Laub ist Professor für die Wissenschaft
Soziale Arbeit und Sozialarbeitsforschung. Er lehrt und forscht zur
Inklusion und Partizipation der Menschen mit einer psychischen und/oder
Suchterkrankung.

In ihrer Stellungnahme thematisieren Liel und Laub unter anderem die
Problematik, dass die meisten Drogentode in Privatwohnungen passieren,
ohne große Interventionsmöglichkeiten für Fachkräfte. Auch können so keine
ausreichenden hygienischen Konsumbedingungen eingehalten werden. Die
bereits bestehenden Hilfsangebote wie z.B. die Substitutionsprogramme,
Drogenkontaktläden, Diamorphinvergabe oder das bayerische Naloxon-
Modellprojekt tragen laut Liel und Laub nicht dazu bei, den
Drogenkonsumvorgang selbst medizinisch zu begleiten und auf Drogennotfälle
zu reagieren.

Zusammen mit der DG-SAS und ihren Kolleg*innen von der Fakultät Soziale
Arbeit appellieren die beiden Landshuter Professor*innen an die
Staatsregierung, ihre bisherige Haltung zu der Einrichtung von
Drogenkonsumräumen auf Grundlage wissenschaftlicher und
menschenrechtlicher Forderungen zu revidieren und durch eine entsprechende
Länderverordnung den Weg frei zu machen für Einrichtungen in den Städten
München und Nürnberg. Aus Sicht der Sozialen Arbeit in der
niedrigschwelligen Drogenhilfe sei die neuerliche Absage weder fachlich
noch ethisch nachvollziehbar und nicht im Sinne einer evidenzbasierten
Maßnahme zur Verhinderung zahlreicher Drogentodesfälle.

Die ganze Stellungnahme im Wortlaut ist unter www.dg-
sas.de/de/stellungnahmen zu finden.