Bessere Tests und schnellere Entwicklung von Impfstoffen: Mikrofluidik ist die Schlüsseltechnologie gegen Pandemiem
Das COMPAMED Innovationsforum widmete sich in diesem Jahr mit
internationaler Beteiligung dem Themenkomplex „Mikrofluidik für mobile
Diagnostik und Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten“ und stellte
vor, wie mikrofluidische Verfahren helfen können, beispielsweise die
brandaktuellen Herausforderungen einer weltweiten Pandemie in Zukunft
besser und schneller lösen zu können.
Das digitale Forum brachte mehr als 120 Interessierte und Vortragende im
Rahmen eines Webinars und späteren Networkings miteinander in den Dialog.
Die Coronapandemie zeigt aktuell, wie wichtig Hightech-Innovationen sind,
um schnell und effektiv Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Die
Entwicklung der neuen Impfstoffe, die nun im Kampf gegen COVID-19 zur
Verfügung stehen, konnte auch aufgrund dieser innovativen Verfahren im
Rekordtempo umgesetzt werden.
Dr. Holger Becker von microfluidic ChipShop erläuterte einführend, dass
Mikrofluidik ebenfalls eine entscheidende Rolle bei aktuell besonders
gefragten molekularbiologischen Testmethoden wie PCR-, Antigen- und
Antikörpertests spielt und das Potenzial bietet hier entscheidende
Zeitvorteile bei der Entwicklungsgeschwindigkeit bieten kann.
Mikrofluidische Elemente und Strukturen bieten enorme Vorteile bei der
Fertigung von Diagnostik-Produkten
Luis Fernández vom spanischen Unternehmen microLIQUID ist Spezialist für
kundenspezifische mikrofluidische Elemente und betonte, dass diese
Bauteile viele Vorteile bei Entwicklungsprozessen bieten, denn sie sind
günstig, eignen sich für hohen Durchsatz und hohe Automatisierbarkeit und
bieten verbesserte Sensitivität.
Dr. Alexios Paul Tzannis, von IMT Masken und Teilungen aus der Schweiz
erläuterte Herausforderungen und Möglichkeiten von funktionalen
Oberflächen, z.B. für Biosensoren in mikrofluidischen Flusszellen zur
Diagnostik. Besonders vielversprechend ist die Kombination aus Glas und
einer komplexen Struktur auf oder in dem Glas kombiniert mit neuen
Methoden, die es erlaubt, neue Verbrauchsmaterialien für Diagnostik und
Life Sciences herzustellen sowie eine skalierbare Volumenanfertigung zu
realisieren.
Jacques Pechdimaljian vom französischen Unternehmen Fluigent ergänzte,
dass es einen großen Markt für mikrofluidische Produkte gibt: von der
Life-Science-Forschung über klinische Forschung im Bereich Human- und
Tiermedizin bis zur industriellen Forschung, insbesondere für Point-of-
Care und Point-of-use Anwendungen, wie z.B. Schnelltests.
John Watson vom britischen Pumpenhersteller TTP Ventus erläuterte, wie
Anwender die richtige Pumpe für ein kompaktes und mobiles POC-
Diagnosesystem auswählen sollten. Die besonders kompakte Scheibenpumpe des
Unternehmens eignet sich beispielsweise für den Einsatz in mobilen PCR-
Diagnosegeräten, dem „Goldstandard“ der Diagnostik.
Schlüsseltechnologien ermöglichen beschleunigte Entwicklung und optimierte
Verteilung von Vakzinen
Wie lässt sich das aktuelle Problem der mangelnden Impfstoffverfügbarkeit
lösen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass bald erste „Auffrischungen“
notwendig werden? Christoph Wessendorf von memetis und Florian Siemenroth
von Bartels Mikrotechnik arbeiten gemeinsam an Lösungen zur
Miniaturisierung der aktiven Flusskontrolle, um höhere Sensitivität und
hohe Spezifität bei Testmessungen, beispielsweise des Antikörperstatus, zu
ermöglichen. Mikrofluidik könnte so dabei helfen, individuell
festzustellen, wann eine Folgeimpfung nötig ist, um die knappen MRNA-
Impfstoffe möglichst effizient zu verteilen.
Dr. Gina Greco vom Schweizer Sensorhersteller Sensirion erläuterte die
Rolle von innovativen Sensoren, die im Zusammenspiel mit Mikrofluidik, die
Schlüsseltechnologie bieten, die es ermöglicht, Impfstoffe und andere
Medikamente innerhalb eines Jahres zu entwickeln. Indem ein
Durchflusssensor beispielsweise Luftbläschen im System detektiert, wird
ein stabilisierter und pulsationsfreier Fluss garantiert. Eine
kontinuierliche Optimierung von Laborequipment bietet daher enormes
Potenzial für schnelle und zuverlässige Testergebnisse in der Medikamenten
und Impfstoffentwicklung.
Die Veranstaltungsreihe COMPAMED Innovationsforum wird organisiert vom
IVAM Fachverband für Mikrotechnik und der Messe Düsseldorf und
thematisiert einmal im Jahr aktuelle medizintechnische Herausforderungen.
Der Dialog zwischen Fachleuten beleuchtet Innovationen und gibt einen
Ausblick auf Trendthemen der COMPAMED, die jährlich im Herbst in
Düsseldorf stattfindet.
