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Positionspapier: DBFZ-Expert*innen sehen keine Vorteile für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse

DBFZ-Experten sehen keine energiewirtschaftlichen Vorteile für eine Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse  © Photo-Rabe / Pixabay
DBFZ-Experten sehen keine energiewirtschaftlichen Vorteile für eine Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse © Photo-Rabe / Pixabay
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DBFZ-Experten sehen keine energiewirtschaftlichen Vorteile für eine Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse  © Photo-Rabe / Pixabay
DBFZ-Experten sehen keine energiewirtschaftlichen Vorteile für eine Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse © Photo-Rabe / Pixabay

Mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen suchen Betreibende von
Kohlekraftwerken nach neuen Geschäftsmodellen. Hierbei ist insbesondere
die Nutzung von Biomasse im Gespräch. In einem nun veröffentlichten
Positionspapier des DBFZ wird die mögliche Biomassenutzung in
Kohlekraftwerken im Hinblick auf den energiewirtschaftlichen Nutzen, die
Verfügbarkeit geeigneter Biomassepotenziale und Nachhaltigkeitswirkungen
beleuchtet. Fazit der Expert*innen: Nicht zuletzt aufgrund von Risiken für
Klima und Biodiversität sollte auf eine staatliche Förderung für die
Umrüstung von Kohlekraftwerken verzichtet werden.

Mit einem Anteil von über 50 % an der erneuerbaren Energieerzeugung trägt
Bioenergie maßgeblich zur Energiewende bei. Dieser Beitrag wird sich im
Zuge des Ausbaus anderer erneuerbarer Energien zukünftig verstärkt auf das
Schließen von Lücken im Energiesystem beschränken. Im Strom- und
Wärmebereich bedeutet dies vor allem eine flexible Energiebereitstellung
durch Biomasse. Mit dem Kohleausstieg gewinnt diese Rolle an Bedeutung, da
der Anteil volatiler erneuerbarer Energien an der Strom-und
Wärmebereitstellung mit der Abschaltung von Kohlekraftwerken steigt.
Darüber hinaus wird zunehmend diskutiert, ob Kohlekraftwerke mit Biomasse
emissionsarm weiterbetrieben werden sollen. Als Vorbilder dienen hier
Länder wie Großbritannien und Dänemark, in denen mehrere ehemalige
Kohlekraftwerke bereits auf die Verbrennung von Biomasse umgerüstet
wurden.

In Ihrem jetzt veröffentlichten Positionspapier „Umrüstung von
Kohlekraftwerken auf Biomasse“ weisen die Wissenschaftler*innen des DBFZ
darauf hin, dass die energetische Nutzung von Biomasse vergleichsweise
kostenintensiv und potenzialseitig begrenzt ist sowie nur unter Wahrung
strikter Nachhaltigkeitskriterien erfolgen sollte. Vor diesem Hintergrund
verweisen die Expert*innen des DBFZ darauf, dass keine hinreichenden
Belege für energiewirtschaftliche Vorteile von auf Biomasse umgerüsteten
Kohlekraftwerken vorliegen. Darüber hinaus wird betont, dass sich
nachhaltige nationale Biomassepotenziale weitgehend in Nutzung befinden,
weshalb eine zusätzliche Nachfrage durch Kohlekraftwerke voraussichtlich
zu steigenden Importen und/oder inländischen Nutzungskonkurrenzen führen
würde. Eine stark steigende Nachfrage nach Forstbiomasse würde außerdem
das Erreichen bestehender Klima- und Biodiversitätsziele gefährden, so die
Wissenschaftler*innen. Sollte eine Umrüstung dennoch staatlich gefördert
werden, muss diese an strenge Kriterien gekoppelt werden, um ökonomische
und ökologische Risiken zu minimieren. „Zur Gewährleistung einer
effizienten Biomassenutzung sollte insbesondere eine effektive
Wärmenutzung und ein flexibler Betrieb vorausgesetzt werden. Zusätzlich
sollten Vorkehrungen getroffen werden, um die energetische Nutzung
stofflich verwertbarer Biomasse zu begrenzen und bei Überschreitung
ökonomisch und ökologisch kritischer Schwellenwerte anzupassen“, so der
Mitverfasser des Positionspapers, Dr. Harry Schindler vom DBFZ.

Smart Bioenergy – Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und
unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen
Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren
Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität
zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen
der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert
und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für
Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam
mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit
des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer
energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender
Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die
herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem
Sektor dauerhaft abgesichert werden – www.dbfz.de.