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Mehr Mut zum Training bei Herzinsuffizienz

Bayerns erste Herzinsuffizienzsportgruppe. Mit dem gezielten, kontrollierten und ärztlich überwachten Training hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) eine Lobby für ein betreutes Herzschwächetraining geschaffen.  Klaus Ebert  Klaus Ebert / DZHI
Bayerns erste Herzinsuffizienzsportgruppe. Mit dem gezielten, kontrollierten und ärztlich überwachten Training hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) eine Lobby für ein betreutes Herzschwächetraining geschaffen. Klaus Ebert Klaus Ebert / DZHI
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Bayerns erste Herzinsuffizienzsportgruppe. Mit dem gezielten, kontrollierten und ärztlich überwachten Training hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) eine Lobby für ein betreutes Herzschwächetraining geschaffen.  Klaus Ebert  Klaus Ebert / DZHI
Bayerns erste Herzinsuffizienzsportgruppe. Mit dem gezielten, kontrollierten und ärztlich überwachten Training hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) eine Lobby für ein betreutes Herzschwächetraining geschaffen. Klaus Ebert Klaus Ebert / DZHI

Viele Menschen, die ein schwaches Herz haben, trauen sich oft keinen Sport
zu. Die Corona-Pandemie hat ihr übriges getan und den Bewegungsspielraum
der Herzkranken und Herzinsuffizienzpatienten weiter eingeschränkt. Sie
haben in den vergangenen Monaten sichtlich abgebaut. Umso wichtiger ist
die neue Beobachtungsstudie des DZHI: Sie hat gezeigt, dass ein ärztlich
überwachtes körperliches Training für Patienten mit Herzinsuffizienz
machbar und sicher ist und sowohl die Lebensqualität als auch den
Schweregrad der Herzschwäche verbessern kann. Ein Weckruf für die
Patienten aber auch für Ärzte, Trainer und Vereine!

„Sport mit schwachem Herzen? Unmöglich!“ Das denken viele Betroffene, aber
auch Trainer. Die Angst vor einem kardiovaskulären Ereignis während des
Trainings ist auf allen Seiten zu groß. Doch eine Pilotstudie des
Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) hat gezeigt, dass
ein ärztlich überwachtes körperliches Training für Patienten mit
Herzinsuffizienz durchaus machbar und sicher ist. Es kann sowohl die
Lebensqualität als auch den Schweregrad der Herzschwäche verbessern. Die
Pilotstudie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Clinical Research in
Cardiology veröffentlicht.

„Wir hoffen, dass wir mit unserem erfolgreichen Übungsexperiment die
Entwicklung weiterer risikoadaptierter Trainingsprogramme für Patienten
mit Herzinsuffizienz erleichtern“, kommentiert Prof. Dr. Stefan Störk,
Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie am DZHI. Schließlich hat
bereits im Herbst 2019 die Deutsche Gesellschaft für Prävention und
Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V. (DGPR) gemeinsam mit
der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ein Positionspapier zu
Herzinsuffizienzsportgruppen herausgebracht. Seit 2020 können diese durch
die Einführung einer neuen Positionsnummer mit einem höheren
Vergütungssatz abgerechnet werden.

Studie ist ein Weckruf
„Doch dann kam Corona!“, fügt die Erstautorin der Studie, Prof. Dr.
Gülmisal Güder, hinzu. „Leider sind viele Herzkranke und
Herzinsuffizienzpatienten während der Pandemie zuhause geblieben und haben
sichtlich abgebaut“, berichtet die Kardiologin aus der Medizinischen
Klinik und Poliklinik I am Uniklinikum Würzburg. Daher sieht sie diese
Studie als eine Art Weckruf. „Werdet wieder aktiv! Trainiert Eure Kraft
und Kondition! Und seid ruhig etwas mutiger!“

Lobby für betreutes Herzinsuffizienztraining
Die Pilotstudie hat gezeigt, dass die Studienteilnehmer, zwölf
Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpleistung des Herzens
(Ejektionsfraktion <45%, NYHA Klasse II/III), das wöchentliche Training in
der Sporthalle der DJK Würzburg sehr gut absolvieren konnten und es
während der Trainingseinheiten keine Herz-Kreislauf-Zwischenfälle gab.
„Wir waren sehr vorsichtig. Das Training hätte sogar noch etwas intensiver
ausfallen können“, bemerkt Gülmisal Güder rückblickend.

Ein Jahr lang haben die Männer und Frauen zwischen 49 und 64 Jahren unter
ärztlicher Aufsicht und nach Anleitung von speziell ausgebildeten
Übungsleitern ihre Ausdauer, Kraft und Koordination trainiert. Vor jedem
Training wurden die Basiswerte wie Bluthochdruck und Puls gemessen und
somit die Trainingstauglichkeit geprüft. „Ein dekompensierter Patient ist
natürlich nicht belastbar und sollte nicht am Training teilnehmen“, legt
der niedergelassene Kardiologe Dr. Christian Rost dar. Der Vizepräsident
des Bayerischen Sportärzteverbandes hat die Herzinsuffizienzsportgruppe
mitgegründet und betreut. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, seine
Patienten zum Training zu motivieren, sie zu unterstützen und
entsprechende Ressourcen zu schaffen, damit die Sporttherapie in ganz
Deutschland auch für Herzinsuffizienzpatienten zugänglich ist.“

Es gibt bereits rund 6.000 Herzsportgruppen in Deutschland, in denen
120.000 Herzkranke Rehabilitationssport betreiben. Patienten mit einer
schweren Herzinsuffizienz wurden von diesem Training jedoch mitunter
ausgeschlossen. Die Patienten seien zu wenig belastbar, ihre Betreuung sei
zu intensiv.

Leistungsfähigkeit und Lebensqualität maßgeblich verbessert
Mit der klinischen Studie „HIP-in Würzburg“ hat das DZHI das Gegenteil
bewiesen. Eine Sportgruppe für herzinsuffiziente Patienten ist durchaus
machbar und sicher. Bei jedem Training war ein Arzt zugegen, so wie es
auch bei jeder anderen Herzsportgruppe vorgeschrieben ist. Während des
Trainings trug jeder Teilnehmer einen Aktivitäts-Tracker mit integrierter
Pulsuhr. Vor Studienbeginn sowie nach vier, acht und zwölf Monaten wurden
die Teilnehmer im DZHI umfassend untersucht. Neben einem Herzultraschall,
Herz-Lungen-Belastungstest und 6-Minuten-Gehttest gab es einen Fragebogen
zur Lebensqualität. Die Ergebnisse wurden in Kooperation mit dem Institut
für Sportwissenschaft der Universität Würzburg ausgewertet. Sie
unterstreichen einmal mal mehr den Erfolg der Sporttherapie: Nach einem
Jahr halbierte sich der Biomarker für Herzinsuffizienz, der so genannte
NT-proBNP-Wert. Die Auswurffraktion erhöhte sich von durchschnittlich 36
Prozent auf 41 Prozent. Die Leistungsfähigkeit und Aktivität im Alltag
wurden maßgeblich verbessert und somit auch die Lebensqualität.

„Wir sind so begeistert von unseren Ergebnissen, dass wir in einer
Folgestudie Patienten aktivieren möchten, die derzeit noch weniger
belastbar sind und sich ausschließlich in der NYAH-Klasse III befinden“,
berichtet Gülmisal Güder. Interessenten können sich schon jetzt gern in
unserer Herzinsuffizienz-Ambulanz anmelden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., 0931 201
46300).

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gülmisal Güder, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Prof. Dr. Stefan Störk, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Publikation: Gülmisal Güder, Joana Wilkesmann, Nina Scholz, Robert
Leppich, Peter Düking, Billy Sperlich, Christian Rost, Stefan Frantz,
Caroline Morbach, Floran Sahiti, Ulrich Stefenelli, Margret Breunig &
Stefan Störk. Establishing a cardiac training group for patients with
heart failure: the “HIP-in-Würzburg” study. Clin Res Cardiol (2021).
https://doi.org/10.1007/s00392-021-01892-1