KIT: Klimafester Baum
Baumwurzeln werden von feuchten Bodenbereichen angelockt, ein Phänomen,
das als Hydrotropismus bekannt ist. Oberflächliches Bewässern führt
deshalb dazu, dass Wurzeln nahe der Oberfläche bleiben, statt in die Tiefe
zu wachsen. Biomechaniker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
haben mit der Methode der Splittzylinder ein leicht anzuwendendes
Verfahren entwickelt, mit dem die Baumwurzeln in tiefere, feuchtere
Bodenschichten gelockt werden. Damit sollen die Bäume widerstandsfähiger
gegen Folgen des Klimawandels werden.
Baumwurzeln werden von feuchten Bodenbereichen angelockt, ein Phänomen,
das als Hydrotropismus bekannt ist. Oberflächliches Bewässern führt
deshalb dazu, dass Wurzeln nahe der Oberfläche bleiben, statt in die Tiefe
zu wachsen. Biomechaniker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
haben mit der Methode der Splittzylinder ein leicht anzuwendendes
Verfahren entwickelt, mit dem die Baumwurzeln in tiefere, feuchtere
Bodenschichten gelockt werden. Damit sollen die Bäume widerstandsfähiger
gegen Folgen des Klimawandels werden.
Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_202
Stadt- und Parkbäume, aber auch Bäume auf den Grundstücken privater
Hausbesitzer leiden durch den Klimawandel und die damit bei uns
einhergehenden geringeren Niederschläge immer stärker unter Trockenstress.
Pflanzenwurzeln wachsen durch sogenannten Hydrotropismus normalerweise in
Richtung höherer Bodenfeuchte. „Regelmäßiges oberflächliches Bewässern
führt dazu, dass die Wurzeln Richtung Oberfläche gezogen werden, statt in
die Tiefe, wo sie mehr Feuchtigkeit finden“, erläutert Professor Claus
Mattheck von der Abteilung Biomechanik am Institut für Angewandte
Materialwissenschaften des KIT. „Wir müssen den Wurzeln also einen Anreiz
bieten, nach unten zu wachsen.“ Modernere Bewässerungsmethoden bringen
bereits mit vertikal eingesetzten Rohren Wasser in tiefere Bodenschichten,
locken Wurzeln somit nach unten, wo die Erde nicht so schnell austrocknet.
Mit Splitt gegen Trockenheit
Mit der nun am KIT entwickelten Methode der Splittzylinder könnten sich
Straßenbäume in der Stadt, Bestandsbäume in Parks oder im heimischen
Garten mit einem einfachen Verfahren besser gegen Trockenheit wappnen.
Grundlage dafür ist eine Mischung aus grobem Splitt und Terra preta, einem
ursprünglich aus dem Amazonasgebiet kommenden fruchtbaren schwarzen Boden.
Diese Mischung soll möglichst tief in die Erde eingebracht werden, etwa
durch Bohren eines 20 bis 30 Zentimeter breiten Lochs.
„Wir gehen davon aus, dass die Wurzeln der Bäume von der gut
durchlüfteten, durch Verkehrsschwingungen kaum verdichtbaren und mit Terra
preta angereicherten Splittsäule angelockt werden und diese zunehmend
durchwurzeln“, beschreibt Mattheck das Ziel des Verfahrens. Experimente
mit Maispflanzen bestätigen diese Hypothese. Untersuchungen an Bäumen
laufen an mehreren Standorten.
Die Idee, hier Terra preta als Dünger zu verwenden, stammt von Siegfried
Fink, Professor für Forstbotanik an der Universität Freiburg, der am
Amazonas forschte.
Nun sind tiefere Bodenschichten zumeist etwas feuchter und ziehen die
Wurzeln somit an. „Wenn im unteren Ende des Splittzylinders die
Wurzeldichte zu hoch wird, ist zu erwarten, dass die Wurzeln sich in
dieser tiefen und feuchteren Bodenschicht auch außerhalb des vorgegebenen
Zylinders breitmachen. Eine dauerhafte Bewässerung ist dann nicht mehr
notwendig“, so Mattheck. In der größeren Tiefe finden die Wurzeln auch bei
Dürre mehr Wasser.
„Der Splittzylinder ist für die Bäume sozusagen Futterstelle und
Wurzeltauchstation in einem und damit Hilfe zur Selbsthilfe“, zeigt sich
der Wissenschaftler mit dem neuen Verfahren zufrieden. „Die Durchwurzelung
der Splittzylinder braucht aber etwas Zeit und damit der Baumfreund
Geduld.“ Lehmböden seien jedoch ungeeignet für diese Methode, weil sie bei
Starkregen voll Wasser laufen und die Wurzeln ersticken würden. (jh)
Die Methode wurde soeben in einem eBook veröffentlicht, eine
wissenschaftliche Publikation mit den wesentlichen Ergebnissen wurde von
der Fachzeitschrift Arboricultural Journal akzeptiert.
Originalpublikationen:
Claus Mattheck, Klaus Bethge, Karlheinz Weber, Iwiza Tesari: „Klimafester
Baum? Biomechanische Anpassung der Baumwurzel an den Trockenstress“. Auf
Anfrage.
C. Mattheck, S. Fink, K. Bethge, K. Weber, I. Tesari: A Strategy to Help
Trees Suffering from a Drought, Arboricultural Journal, in Druck.
Kontakt für diese Presseinformation:
Dr. Joachim Hoffmann, Pressereferent, Tel.: +49 721 608-41151, E-Mail:
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Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
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Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter:
https://www.kit.edu/kit/presse
