Mit Biointelligenz zu einem smarten Wandel
Vorträge zur Biologischen Transformation in der Württembergischen
Landesbibliothek
Die Württembergische Landesbibliothek (WLB), die Fraunhofer-Institute IPA,
IGB und UMSICHT sowie das Kompetenzzentrum Biointelligenz Stuttgart
starten die gemeinsame Vortragsreihe zum Themenfeld Biointelligenz am 13.
Juli 2021. Über ein Jahr lang können Interessierte an 17 Veranstaltungen
zu Aspekten der Biologischen Transformation in der WLB teilnehmen. Die
Vorträge beginnen an verschiedenen Wochentagen jeweils um 18 Uhr.
Kaum klingt hierzulande Corona ab, leben wir wieder auf Kosten der Umwelt
und zukünftiger Generationen. Seit dem Erdüberlastungstag in Deutschland
am 5. Mai verbrauchen wir wieder mehr Ressourcen als unsere Erde
regenerieren kann. Weiter gehen Klimawandel und Artensterben. Wir
zerstören unsere Lebensgrundlagen und reagieren mit Konzepten wie der
Energiewende nicht entschieden genug.
Ressourcenverbrauch und Wohlstand in Einklang zu bringen, bleibt die
entscheidende Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Mit heutigen
Produktionsweisen können die materiellen Bedürfnisse zukünftiger
Generationen nicht gerecht befriedigt werden. »Die Digitale Transformation
der Produktion, die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bereits weit
fortgeschritten ist, reicht nicht aus, um die essenziellen
Herausforderungen der Gesellschaft zu meistern. Simultan zur Digitalen
Transformation bahnt sich mit der Biologischen Transformation eine neue
Revolution an. Sie ist mindestens von ebenso hoher, wenn nicht höherer
Bedeutung als Industrie 4.0«, erklärt der Leiter des Fraunhofer-Instituts
für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Professor Thomas
Bauernhansl.
Soft-, Hard- und Bioware – die Bausteine für eine Neuorientierung der
industriellen Wertschöpfung
Eine nachhaltige Wertschöpfung ohne Wohlstandsverluste erfordert
Produktionsweisen nach dem Vorbild der Natur mit den Technologien von
morgen: etwa Roboter, deren Steuerungsmodule ihre Energie über
Photosynthese selbst erzeugen, oder biointelligent entwickelte Viren, die
bei der personalisierten Tumortherapie eingesetzt werden, oder Mikroalgen,
die mit einer selbstlernenden biointelligenten Steuerung individualisierte
antioxidative Lebensmittelzutaten herstellen – die Biologische
Transformation soll es möglich machen.
Zu dieser Neuorientierung der industriellen Wertschöpfung gehört
wesentlich, dass wir zunehmend Materialien, Strukturen, Prozesse und
Organismen der belebten Natur in der Technik nutzen. Eine solche
systematische Anwendung von Wissen über biologische Prozesse führt dazu,
dass Produktions-, Informations- und Biotechnologie immer mehr
verschmelzen. »Dies wird künftige Produkte, Herstellungsprozesse und
unsere Lebensweise tiefgreifend verändern. Die Biologische Transformation
gipfelt in sogenannten biointelligenten Systemen und den dafür notwendigen
Technologien. Ihr Potenzial reicht von disruptiven Innovationen über die
Modernisierung der deutschen Unternehmens- und Bildungskultur bis hin zu
einer nachhaltigen Wirtschaftsweise«, ergänzt der Leiter des Fraunhofer-
Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Dr. Markus
Wolperdinger.
Gesellschaftlicher Diskurs in der Württembergischen Landesbibliothek
Nahezu alle industriellen und gesellschaftlichen Bereiche werden von der
Etablierung einer biointelligenten Wertschöpfung massiv beeinflusst
werden. Voraussetzung für das Gelingen der Biologischen Transformation ist
der Diskurs in Politik und Gesellschaft. Um diesen notwendigen Diskurs zu
führen, öffnet Dr. Rupert Schaab, Direktor der Württembergischen
Landesbibliothek, den Neubau der Württembergischen Landesbibliothek in der
Kulturmeile Stuttgarts und lädt dazu ein, »die Landesbibliothek als Podium
und Schauraum für die Wissenschaften zu nutzen, um die Stadtgesellschaft
besser auf den Beitrag der Wissenschaften zur Bewältigung menschlicher und
gesellschaftlicher Herausforderungen aufmerksam zu machen«.
Von der Bionik über die Bioökonomie bis zur Biointelligenz: die Vorträge
decken viele Aspekte der Biologischen Transformation ab
Diese Einladung nehmen Referentinnen und Referenten vom Fraunhofer IPA,
vom Fraunhofer IGB sowie vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits-
und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen gerne an. Hinzu kommen
Vortragende von der Universität Stuttgart, der Universität für Bodenkultur
Wien, vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) in
Reutlingen sowie von der Firma Trumpf.
Zu Beginn der Vortragsreihe führen drei grundlegende Vorträge in
wesentliche Aspekte der Biologischen Transformation ein. Den Auftakt macht
am 13. Juli Professor Bauernhansl, Fraunhofer IPA, der in seinem Vortrag
Biointelligenz als eine neue Perspektive für nachhaltige Wertschöpfung
aufzeigt. Die Biologie findet Einzug in die Wertschöpfung. Biointelligente
Produktionssysteme bieten die Chance zur Steigerung der Innovationsund
Wettbewerbsfähigkeit sowie der Nachhaltigkeit. Die Technologien
existieren, entscheidend ist die transdisziplinäre Forschung und
Entwicklung!
Ein Forschungsschwerpunkt des Fraunhofer IGB sind biointelligente
Lösungsansätze für die Herstellung nachhaltiger Produkte aus
nachwachsenden Rohstoffen, Reststoffen und CO2. Über die Möglichkeiten der
Bioökonomie für einen Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise
referiert Institutsleiter Wolperdinger am 20. Juli auch als Sprecher des
Strategischen Forschungsfelds Bioökonomie der Fraunhofer-Gesellschaft und
stellvertretender Vorsitzender im nationalen Bioökonomierat der
Bundesregierung sowie Co-Vorsitzender des Beirats »Nachhaltige
Bioökonomie« des Landes Baden-Württemberg.
In seinem einführenden Vortrag »Was wir aus der Natur lernen können« am
29. Juli beleuchtet Professor Oliver Schwarz die Rolle und Relevanz der
Bionik (Akronym aus Biologie und Technik) für die Biologische
Transformation. Der Wissenschaftler zeigt, wie das Wissen aus der Natur,
das die Biologie als beschreibende Wissenschaft gewinnt, etwas bewirken
kann: Die drei »B« Bionik, Biotechnologie und Bioökonomie transferieren
das Wissen aus der Biologie und bringen es in einen wirtschaftlich
anwendbaren Kontext.
Die meisten nachfolgenden Referentinnen und Referenten decken dann
verschiedene Aspekte und Handlungsfelder der Biointelligenz ab. So stellt
NMI-Direktorin Professorin Katja Schenke-Layland neue Ansätze für die
Personalisierte Medizin vor (13. September 2021) und Ivica Kolaric, Leiter
der Abteilung Funktionale Materialien am Fraunhofer IPA, spricht über den
künstlichen Muskel (23. September 2021). Über intelligente Wege zur
Wassernutzung referieren Lukas Kriem und Bryan Lotz vom Fraunhofer IGB (9.
November 2021). Johannes Full von der Abteilung Nachhaltige Produktion und
Qualität am Fraunhofer IPA stellt Bio-Wasserstoff aus Rest- und
Abfallstoffen vor (7. Dezember 2021). Mit intelligentem biobasiertem
Wohnen beschäftigt sich Junior-Professorin Hanaa Dahy von der Universität
Stuttgart am 26. April 2022.
Die Vortragsreihe Biointelligenz findet je nach Pandemielage im Präsenz-,
Hybrid- oder Online-Format statt. Der Eintritt ist frei. Alle Termine und
Informationen zur Anmeldung unter: www.wlb-stuttgart.de
Auf einen Blick
Was? – Biointelligenz – Vortragsreihe 2021/2022
Wann? – 13. Juli 2021 bis 22. Juni 2022, jeweils ab 18 Uhr
Wo? – Württembergische Landesbibliothek Stuttgart
Termine und Anmeldung: www.wlb-stuttgart.de
Link zum digitalen Saal: https://wlbstuttgart.my.webex.
stuttgart
Weitere Infos und Programm: https://www.wlb-stuttgart.de/d
wlb/kulturprogramm/veranstaltu
