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Wie Zwillingsstudien neue Erkenntnisse über Einfluss von Long-COVID auf das Altern liefern – Vortrag von Claire Steves

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In der öffentlichen Debatte wird das Thema Long-COVID derzeit vor allem im
Zusammenhang mit Menschen unter 60 Jahren diskutiert. Doch auch viele
ältere Menschen leiden unter den Langzeitfolgen, wie Geriater im
klinischen Alltag erleben. Das wirft viele wichtige Forschungsfragen auf,
zum Beispiel: Wie wirkt sich die Langzeiterkrankung auf den
Alterungsprozess der über 60-Jährigen aus? Welche Mechanismen liegen
diesem Prozess zugrunde? Wie kann die Immunantwort bei älteren,
gebrechlichen Menschen gestärkt werden? Was lässt sich daraus für den
Umgang mit anderen Infektionskrankheiten lernen?

Dr. Claire Steves, Clinical Senior Lecturer am King's College London und
Consultant Geriatrician am Guys and St Thomas's NHS Foundation Trust,
sucht nach Antworten auf diese Fragen, indem sie Zwillinge im größten
Zwillingsregister Großbritanniens untersucht. In ihrem mit Spannung
erwarteten Hauptvortrag auf dem Online-Jahreskongress 2021 der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie (DGG) vom 2. bis 4. September 2021 wird sie die
ersten Ergebnisse dieser potenziell wegweisenden Forschung vorstellen.

Laut Steves ist die Zwillingsforschung als Methodik aus verschiedenen
Gründen besonders gut geeignet: „Wenn man Zwillinge untersucht, kann man
sehr genau bestimmen, was genetisch bedingt ist, und was nicht. Wegen der
viel kleineren Studienpopulation ist es auch viel einfacher, bestimmte
Effekte der Epigenetik zu erkennen.“ Seit über zehn Jahren arbeitet Steves
als stellvertretende Direktorin (Clinical) für TwinsUK, das größte
Zwillingsregister in Großbritannien. Vor der Corona-Pandemie interessierte
sie sich besonders für die Rolle des Darmmikrobioms als Faktor zur
Erklärung unterschiedlicher Alterungsverläufe bei Zwillingen. Von den rund
14.000 Registrierungen im TwinsUK-Register sind noch etwa 7.000 Personen
aktiv. „Für mich als Geriaterin ist besonders interessant, dass das
Durchschnittsalter im Register seit einigen Jahren bei etwa 63 Jahren
liegt – es ist also eine perfekte Kohorte für die Untersuchung der
Beziehung zwischen Long-COVID und Alterungsprozessen", sagt Steves.

Corona-erkrankte Zwillinge könnten wichtige Hinweise auf Alterungsprozesse
liefern

Um diesen Zusammenhang zu erforschen, war ursprünglich eine App exklusiv
für die Zwillinge geplant. Als Teil der Corona-Bekämpfung wurde diese App
seit dem Frühjahr 2020 auf die Gesamtbevölkerung ausgeweitet – rund 4,5
Millionen Menschen in Großbritannien nahmen an einer App-basierten
Symptomstudie teil. Einige der Erkenntnisse aus dieser Megastudie haben
sich direkt auf die COVID-19-Richtlinien in Großbritannien ausgewirkt: Zum
Beispiel, dass ältere Patienten mit Delir zeitnah untersucht werden.
„Gleichzeitig können wir über die App aber auch zwillingsspezifische
Untersuchungen durchführen. Wenn zum Beispiel ein Zwilling COVID-19 hat
und der andere nicht, können wir in einem weiteren Schritt ihre Alterungs-
Biomarker auf die Frage hin analysieren: Beschleunigt COVID-19 den
Alterungsprozess?", sagt Steves. Erste Ergebnisse zu dieser und anderen
zukunftsweisenden Fragen wird sie in ihrem Keynote-Vortrag vorstellen.

Über Dr. Claire Steves

Steves ist Reader am King's College London, stellvertretende Direktorin
von TwinsUK, dem größten Zwillingsregister Großbritanniens, und
praktizierende Fachärztin für Geriatrie am Guys and St Thomas's NHS
Foundation Trust. Seit Kurzem ist sie Forschungsleiterin der COVID Symptom
Study (ZOE) App, die Symptome, Ergebnisse und Impfstofffortschritt bei
COVID-19 zusammen mit den 4,6 Millionen Teilnehmern untersucht. Sie hat
die klinischen Inhalte zusammen mit ZOE Global und Tim Spector entworfen
und leitet das Forschungsteam für die App seit deren Start am 24. März
2020. Ihre Arbeit mit der App hat die Besonderheiten älterer Menschen
hervorgehoben, sowohl in Bezug auf Schwere und Dauer der Erkrankung, als
auch in Bezug auf Änderungen des Lebensstils nach dem Lockdown sowie der
Infektion nach der Impfung. Darüber hinaus ist sie jetzt mit TwinsUK Co-
Forschungsleiterin einer nationalen Kernstudie zu Gesundheit und
Wohlbefinden in Großbritannien und leitet die Forschung zu Long- COVID in
zwölf Längsschnittkohorten mit 60.000 Teilnehmern. Vor COVID forschte
Steves an den Wechselwirkungen zwischen körperlicher und geistiger
Gesundheit im Alter, insbesondere in Bezug auf Mikrobiome im Körper. Sie
schloss 1997 ihr Studium an der Cambridge University mit Auszeichnung ab,
erwarb im Jahr 2000 ihren medizinischen Abschluss an der Barts and London
School of Medicine and Dentistry und arbeitete viele Jahre als
Krankenhausärztin, bevor sie sich 2014 verstärkt der Forschung zuwandte.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Süden Londons.

Termin: 03.09.21, 16:45 Uhr
Referent: Dr. Claire Steves, London
COVID in the older population - new insights from symptom tracking and
twins
Moderation: Prof. Jürgen M. Bauer, Heidelberg