Mobile Raumluftfilter für Schulen – sinnvoll oder zu teuer?
Seit dem Sommer 2020 sind sie im Gespräch: mobile Raumluftfilter, die
einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Infektionsrisikos mit dem
SARS-CoV-2-Virus leisten. Trotzdem sind die Geräte bisher nicht
flächendeckend angeschafft worden. Als Grund werden vornehmlich zu hohe
Kosten angegeben. Anna Rohlfing-Bastian, Professorin für Rechnungswesen an
der Goethe-Universität Frankfurt, hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Gunther
Glenk von der Universität Mannheim berechnet, wie hoch die Kosten für die
Anschaffung und den Betrieb der Geräte sind und ein Online-Tool
entwickelt, mit dem Schulen die kosteneffiziente Ausstattung von Räumen
berechnen können (www.airfiltercalculator.com).
Optimierung der Lebenszykluskosten und Verringerung der Aerosolbelastung
Aerosole gelten als einer der Hauptübertragungswege für das SASR-
CoV-2-Virus. Mobile Raumluftfilter sollen diese virenbeladenen Partikel
aus der Luft filtern und damit das Infektionsrisiko deutlich verringern.
Neben den Kosten für die Anschaffung der Geräte entstehen laufende Kosten
für Wartung, Filterwechsel und Strom. Mit einem Lebenszykluskostenkonzept
werden sämtliche Kosten erfasst, die über die Nutzungsdauer eines
Raumluftfilters anfallen, und ins Verhältnis zur notwendigen
Filterleistung gesetzt, um unterschiedliche Geräte miteinander vergleichen
zu können.
In der Grundschule: Kosten von unter 50,-€ pro Person pro Jahr
In einer Grundschule mit einem Klassenraum von 66,66m2 Grundfläche und 3m
Raumhöhe, 21 Schüler*innen und 1 Lehrer*in sowie 5 Schulstunden täglich
über 4 Schuljahre hinweg liegen die Kosten für die notwendige
Filterausstattung bei knapp 50,-€ pro Person und Jahr. Dabei wird eine
empfohlene Lärmbelastung von 40db für ruhiges Arbeiten durch die mobilen
Raumluftfilter nicht überschritten.
Raumluftfilter senken auch langfristig Gesundheitsrisiken
Es stellt sich die Frage, ob in Anbetracht der sinkenden Inzidenzzahlen
und der voranschreitenden Impfungen die Anschaffung mobiler Raumluftfilter
überhaupt noch sinnvoll ist. Zwar sind erste Impfstoffe für Kinder ab 12
Jahren zugelassen, eine flächendeckende Impfung ist jedoch angesichts der
Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht zu erwarten. Für
Kinder unter 12 Jahren gibt es aktuell keinen zugelassenen Impfstoff.
Mobile Raumluftfilter sind zudem nicht nur bei SARS-CoV-2 effektiv,
sondern auch bei Grippeviren, Schadstoffen und Pollen. Die Anschaffung
mobiler Raumluftfilter in Schulen kann daher wesentlich dazu beitragen,
die Corona-Inzidenzen in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen
nicht nur nach den Sommerferien niedrig zu halten, sondern auch
langfristig die durch Schadstoffe entstehenden Gesundheitsrisiken für
Schüler*innen und Lehrer*innen zu reduzieren.
Frau Professorin Rohlfing-Bastian ist eine von über 170 VHB experts des
Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund
2.800 Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für
wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen
Bereichen der BWL und darüber hinaus.
