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30 Jahre Satelliten an der TU Berlin

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Am 17. Juli 2021 jährt sich der Start des ersten Satelliten der TU Berlin
zum dreißigsten Mal. Nach TUBSAT-A wurden noch 26 weitere künstliche
Erdtrabanten ins All geschossen. Der jüngste erst vor zwei Wochen.

Es war erst der vierte Satellit weltweit, der an einer Universität gebaut
wurde. Am 17. Juli 1991 startete TUBSAT-A mit einer Ariane-4-Rakete vom
Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana. Er hatte an technischer
Ausstattung eine Sternenkamera zur Orientierung, Gallium-Arsenid-
Solarzellen sowie eine VHF-Funkanlage an Bord. Trotz der spartanischen
Ausstattung ergab sich für ihn bereits eine wichtige Aufgabe: als
Kommunikationsverbindung für eine Polarexpedition des Abenteurers Arved
Fuchs.

Konstruiert von einem Team um Professor Udo Renner, hatte TUBSAT-A zwei
Ziele: Einerseits die Demonstration von technologischen Neuentwicklungen,
die Konzepte von größeren Satelliten auf die noch neuen Mikrosatelliten
übertrugen. TUBSAT-A hatte nämlich nur die Größe einer Kiste Mineralwasser
und wog 35 Kilogramm; Instrumente für die Kontrolle der Fluglage und die
Kommunikationseinrichtung mussten darauf angepasst werden. Gleichzeitig
sollte der erste Satellit der TU Berlin – wie auch alle seine Nachfolger –
eine Möglichkeit für Student*innen bieten, an echten Weltraummissionen
mitarbeiten zu können. So können sie nicht nur Praxiserfahrung sammeln,
sondern werden auch zusätzlich für ihr Studium motiviert.

Mikrosatellit als Briefkasten
Zu den Alleinstellungsmerkmalen von TUBSAT-A gehörte, dass die
Kommunikation mit ihm über einen kleinen Funksender, nicht größer als ein
Walkie-Talkie, möglich war. So konnten zwei Personen an unterschiedlichen
Orten auf der Welt den Satelliten als Briefkasten für Text- oder auch
Sprachnachrichten benutzen. Die Kommunikation musste zeitversetzt
erfolgen, weil der Satellit nur zu unterschiedlichen Zeiten und für
wenigen Minuten für die Personen erreichbar war. Eine sehr nützliche
Funktion zu einer Zeit, in der sich Satelliten-Telefone noch in der
Entwicklung befanden. „Wir konnten so eine Expedition des Polarforschers
Arved Fuchs unterstützen“, erzählt Udo Renner. Der war im Zuge einer
Umseglung des Nordpols 1991 bis 1994 mit einem Sendeempfänger ausgestattet
worden. Auch die Expedition des Russen Mischa Malakow und des Kanadiers
Richard Weber hatte solch einen Handsender dabei. Die beiden legten den
Hin- und Rückweg zum Nordpol auf Skiern zurück und verließen sich auf
TUBSAT-A als einzige Kommunikation mit der Außenwelt.

Schnell lernen und umsetzen
„Wir wussten beim Start von TUBSAT-A noch gar nicht, dass wir die Sende-
Empfänger-Einheit auf solch ein kleines Maß werden reduzieren können“,
sagt der heute 81-jährige Renner. Das sei typisch gewesen für die
Arbeitsweise an einer Universität. Es habe eine große Freiheit gegeben, um
Dinge einfach auszuprobieren. Und durch die einfachere Bauweise der
Satelliten kleinere Innovationszyklen: „Wir konnten schnell lernen und
unsere Erfahrungen gleich beim nächsten Kleinsatelliten umsetzen.“

Lange Lebensdauer
TUBSAT-A blieb für die erstaunlich lange Zeit von 16 Jahren
funktionsfähig. Seine Kommunikationsfähigkeiten kamen auch beim Tracking
von Hirschen im Harz zum Einsatz, die ihre per GPS-Halsband ermittelten
Positionen an TUBSAT-A funkten, oder für das Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung, dessen Forschungsteams in der Antarktis
teilweise über den Satelliten miteinander kommunizierten.

Schwärme von Nanosatelliten
Nach der Erfolgsgeschichte von TUBSAT-A folgten weitere Satelliten, so
etwa DLR-TUBSAT, der erste Satellit des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR), der 1999 gestartet wurde, sowie der erste Satellit
Marokkos (MAROC-TUBSAT) 2001 und der erste Indonesiens 2007 (LAPAN-
TUBSAT). Sie alle wurden in Zusammenarbeit und mit Förderung der
jeweiligen Auftraggeber an der TU Berlin entworfen und gebaut. Später
unter Leitung von Professor Klaus Brieß gab es dann eine nochmalige
Miniaturisierung hin zu Nanosatelliten, die unter zehn Kilogramm wiegen.
Hier steht die Vision im Vordergrund, ganze Schwärme solcher Himmelskörper
auszusetzen, die verschiedene Daten gleichzeitig aufnehmen und
untereinander kommunizieren.

Reif für interdisziplinäre Zusammenarbeit
Am 30. Juni dieses Jahres startete der Mikrosatellit TUBIN. Neben der
Erprobung von technologischen Neuerungen wird er zur Beobachtung von
Großfeuern wie zum Beispiel Waldbränden eingesetzt werden. „Wir sind jetzt
soweit, dass wir auf andere Fachgebiete zugehen können und sagen ‚Wir
haben diese funktionierenden Satellitenplattformen, was können wir damit
zusammen erforschen?‘“, erklärt der seit Februar 2021 amtierende Leiter
des Fachgebiets Raumfahrttechnik, Professor Enrico Stoll. Gerade mit der
Erdbeobachtung und der Atmosphärenforschung ergäben sich hier vielfältige
Möglichkeiten für Kooperationen.

Die TU Berlin wird das Satellitenjubiläum in der kommenden Woche in einem
größeren Webfeature würdigen: https://www.tu.berlin/

TUBSAT-A:
https://www.raumfahrttechnik.tu-
berlin.de/menue/forschung/abgeschlossene_projekte/tubsat/v_menue4/tubsat/tubsat_a/

Mikrosatellit TUBIN:
https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/profil/pressemitteilungen-
nachrichten/2021/juli/tu-berlin-startet-erfolgreich-experimentellen-
satelliten/


TUBSAT-Missionen:
https://www.raumfahrttechnik.tu-berlin.de/tubsat/