Das Gute für möglich halten
Welche Rolle spielt Hoffnung in Krisenzeiten? In welchem Verhältnis steht
Hoffnung zu Angst und Mut, Wissen und Glauben? Und was verstehen wir unter
radikaler Hoffnung? Mit diesen Fragen befasst sich die Physikerin und
Philosophin Claudia Blöser in der jüngsten Ausgabe von „Forschung
Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität.
In Krisenzeiten suchen Menschen nach einem Zeichen der Hoffnung. Was genau
unter Hoffnung zu verstehen ist, untersucht die Physikerin und Philosophin
Claudia Blöser in ihrem Habilitationsprojekt an der Goethe-Universität.
Ihr Fazit: „Hoffnung ist ein schwer greifbares Phänomen, das uns in vielen
Formen begegnet. Doch die Philosophie kann Erhellendes über Natur und
Rationalität der Hoffnung sagen.“
Hoffnung, so erläutert Blöser, ist beispielsweise klar von Optimismus zu
unterscheiden, der das, was erwünscht ist, als wahrscheinlich ansieht.
Hoffnung bezieht sich dagegen auf die Möglichkeit von etwas. Auch Wissen
spielt für Hoffende eine Rolle, da sie die Sachlage kennen müssen, um
nicht auf Illusorisches zu hoffen. Andererseits gibt es keine Hoffnung
ohne Zweifel: Wer hofft, so Blöser, befinde sich grundsätzlich in
unsicherer Lage. Immanuel Kant gilt ihr als zentraler Gewährsmann in der
Philosophiegeschichte: „Was dürfen wir hoffen?“ ordnet Kant als eine der
zentralen Fragen der Philosophie ein. Er war es auch, der darauf hinwies,
dass Hoffnung dort ins Spiel kommt, wo der Mensch an die Grenzen seines
Wissens und Handelns stößt.
Auf den US-amerikanischen zeitgenössischen Philosophen Jonathan Lear
verweist Blöser, wenn sie das Konzept der „radikalen Hoffnung“ beschreibt
– eine krisengeprägte Hoffnung, die sich angesichts des Verlusts aller
bisheriger Lebensgrundlagen auf nichts mehr beziehen kann als darauf, das
Gute prinzipiell für möglich zu halten.
Das vollständige Interview ist in der neuen Ausgabe des
Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ zu finden, die diese Woche
erschienen ist. Weitere Beiträge gehen zum Beispiel folgenden Fragen nach:
Was wissen wir über die körperlichen Langzeitfolgen von COVID,
insbesondere bei kardiologischen Beschwerden? Wie können wir unser
Gesundheitssystem für künftige Pandemien besser aufstellen? Wie hat die
Coronapandemie unser Zusammenleben geprägt? Was wird im Schulalltag
übrigbleiben von Homeschooling und Distanzlernen? Und wie kann sich die
Wirtschaft für weitere Krisen besser wappnen? Ein Blick in die
Vergangenheit lehrt, wie im alten Athen Seuche und Exzess Hand in Hand
gingen, wie sich in Europa die Juristen in der Pestbekämpfung durchgesetzt
haben – und dass in China schon einmal die erfolgreiche Pandemiebekämpfung
den Status der Machthaber festigte – bei den mächtigen Kaisern der Qing-
Dynastie.
Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (1/2021) kann von
Journalisten kostenlos bestellt werden bei:
Alle Beiträge sind online verfügbar unter: www.forschung-frankfurt.uni-
frankfurt.de.
