Der Puls des Toten Meeres
Forscher*innen aus einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des
Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben zusammen mit Kollegen aus
Hannover, Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang
zwischen der Abnahme des Wasserspiegels des Toten Meeres, der Verdunstung
und der Landabsenkung in der Region nachgewiesen. Sie berichten darüber in
der Fachzeitschrift Scientific Reports.
Das Tote Meer schrumpft. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Klimawandel
trägt ebenso dazu bei wie menschliche Übernutzung der Ressource Wasser.
Der sinkende Wasserspiegel hat eine ganze Reihe gefährlicher Folgen. So
führt nachfließendes süßes Grundwasser dazu, dass Salze im Boden gelöst
werden und dadurch Erdfälle („sink holes“) entstehen. Es kommt aber auch
zu großflächigeren Absenkungen der Landoberfläche. Forscher*innen aus
einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des Deutschen
GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt zusammen mit Kollegen aus Hannover,
Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen der
Abnahme des Wasserspiegels, der Verdunstung und der Landabsenkung
nachgewiesen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Scientific
Reports.
Das Team nutzte dabei ein breites Instrumentarium – von Messverfahren die
auf dem globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) beruhen über
Radarsatelliten bis hin zu Pegel- und Klimastationen vor Ort. Die
Forschenden zeigten, dass sich die feste Erde mit einer zeitlichen
Verzögerung von etwa acht Wochen synchron zu Schwankungen der
Wasseroberfläche und des Grundwasserspiegels auf und ab bewegt. Der Trend
geht dabei jedoch klar in eine Richtung: abwärts.
Rund ein Meter pro Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres, und rund
15 Zentimeter pro Jahr senkt sich das Land. Zuflüsse durch Regenfälle in
den umliegenden Bergen und über den Jordan verursachen kurzfristige
Erhöhungen des Seespiegels. Wasserentnahme aus den Zuflüssen für die
Landwirtschaft, Abpumpen des Salzwassers zur Gewinnung von Kalium und die
Verdunstung in der großen Hitze kehren die Bilanz jedoch ins dauerhaft
Negative.
Die Kopplung der Landabsenkung an das schwindende Wasser ist seit langem
klar. Dass aber die Bewegung der Landoberfläche mit den hydro-
meteorologischen Schwankungen so direkt zusammenhängt, ist neu. Diesen
Zusammenhang ermittelten die Forscher*innen innerhalb von drei Jahren. Für
die Landwirtschaft, den Tourismus und die Infrastruktur in der Region sind
die Landabsenkungen und der Wasserverlust sehr bedrohlich. Die Messungen
zeigen zum ersten Mal, wie eng Land, Wasser und Atmosphäre hier
miteinander verbunden sind.
