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Informationskompetenz ist in Zeiten von Fake News und Desinformation: Studie der Universität Hildesheim

Elke Montanari, Joachim Griesbaum, Daphné Çetta und Thomas Mandl von der Universität Hildesheim  M.Henschke, D.Kunzfeld, I.Lange
Elke Montanari, Joachim Griesbaum, Daphné Çetta und Thomas Mandl von der Universität Hildesheim M.Henschke, D.Kunzfeld, I.Lange
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Elke Montanari, Joachim Griesbaum, Daphné Çetta und Thomas Mandl von der Universität Hildesheim  M.Henschke, D.Kunzfeld, I.Lange
Elke Montanari, Joachim Griesbaum, Daphné Çetta und Thomas Mandl von der Universität Hildesheim M.Henschke, D.Kunzfeld, I.Lange

Die Bedeutung von Informationskompetenz ist in Zeiten von Fake News und
Desinformation aktueller denn je. In einer Studie befasst sich ein
Forschungsteam der Universität Hildesheim mit der Frage, wie
Informationskompetenz gefördert werden kann. Das Thema der
Informationskompetenz ist vor allem im Hinblick auf das Auftreten von Fake
News, Desinformation und Manipulationen sowie der Verschiebung
gesellschaftlicher Diskussionen in den digitalen Raum von großer
Bedeutung.

In einer Online-Befragung im Rahmen des Projekts „Informationskompetenz
und Demokratie“ erhebt ein Forschungsteam der Universität Hildesheim,
welche Probleme und Bedarfe Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf
Informationskompetenz sehen und wie Informationskompetenz gefördert werden
kann. Untersucht wird zum Beispiel, wie Bürgerinnen und Bürger die
Fähigkeit zum kritischen Denken einschätzen, wie sie sich Zugang zu
Informationen beschaffen, wie sie Informationen suchen und welche
Ressourcen sie zum Beispiel bei der Suche nach Informationen nutzen (etwa
Bibliothek, Blogs, Internetforen, Experten, Verwandte und Bekannte,
soziale Medien).

Das Thema der Informationskompetenz ist vor allem im Hinblick auf das
Auftreten von Fake News, Desinformation und Manipulationen sowie der
Verschiebung gesellschaftlicher Diskussionen in den digitalen Raum von
großer Bedeutung.

„In der Studie möchten wir erfahren, welche Berührungspunkte Menschen
unterschiedlicher Zielgruppen mit dem Thema Informationskompetenz haben,
welche Probleme sie wahrnehmen und welche Bedarfe sich daraus für die
zukünftige Förderung ergeben“, so Daphné Çetta, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut für Informationswissenschaft und
Sprachtechnologie.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Joachim Griesbaum, Prof. Dr. Thomas Mandl,
Prof. Dr. Elke Montanari und Daphné Çetta aus dem Institut
Informationswissenschaft und Sprachtechnologie und dem Institut für
deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim erhebt im Zuge
der Studie die Wahrnehmung, Probleme und Bedarfe der Zivilgesellschaft in
Bezug auf Informationskompetenz und ihre Förderung.

Bislang ist Informationskompetenz gerade in Deutschland eher als
Nischenthema zu betrachten und auf der Ebene von (wissenschaftlichen)
Bibliotheken verortet. Inhaltlich fokussiert sich das Thema meist auf die
Schulung von Kenntnissen zur kompetenten Durchführung von fachlichen
Recherchen. In Anbetracht dessen und vor dem Hintergrund der
gesellschaftlichen Relevanz von Informationskompetenz in einer durch neue
Technologien geprägten Umwelt möchte das Forschungsteam das Thema stärker
in der Öffentlichkeit positionieren und von verschieden Standpunkten aus
betrachten.

Insbesondere in Zeiten von Fake News und Desinformation ist das Thema
Informationskompetenz aktueller denn je.

Kontakt zum Forschungsteam:

Wer mehr Interesse an der Forschung hat, erreicht das Forschungsteam per
E-Mail unter infodem[at]uni-hildesheim.de.

WEITERE INFORMATIONEN:

Was genau ist Informationskompetenz?

Die Informationskompetenz befasst sich mit dem Erkennen, Suchen, Finden
und Bewerten von Informationen sowie dem Umgang mit ihnen.
Informationskompetenz wird als eine Schüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts
beschrieben und ist aus Expert*innensicht zu einer wichtigen
Kulturtechnik, wie dem Lesen, Schreiben und Rechnen geworden.

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
begreift die Informationskompetenz als eine notwendige Grundlage für das
Verständnis von unter anderem Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und
informiertes sowie verantwortungsbewusstes Handeln. Es sei unter anderem
erforderlich, so das Forschungsteam, Wissens- und Informationslücken zu
erkennen, geeignete Informationsressourcen zu identifizieren, geeignete
Informationen zur Schließung der Wissenslücke zu beschaffen sowie die
gefundene Information und Informationsquellen in ihrer Qualität zu
bewerten.

Herausforderungen im Zusammenhang mit Informationskompetenz:

Erste Ergebnisse aus einer Befragung mit Expert*innen ergeben, dass
Nutzer*innen die Informationssuche oftmals mit Google gleichsetzten. Da
eine Informationssuche mit Google immer Ergebnisse liefert, besteht auch
kein Bedarf an anderer Stelle weitere Informationsangebote einzuholen. Des
Weiteren bestehen oftmals Wissensdefizite in Bezug auf den
Informationsraum Internet (beispielsweise hinsichtlich der Funktionsweise
von Suchmaschinen und des Zustandekommens der Suchergebnislisten), so das
Forschungsteam. Auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Informationssuche
bestehen Wissensdefizite (beispielsweise in Bezug auf die Nutzung der
erweiterten Sucheinstellungen, Phrasensuche und Verwendung von
Operatoren).

Fake News, Desinformation, Verschwörungstheorien und Manipulationen
erschweren es, ein verlässliches Bild auf die Welt zu gewinnen, so das
Forschungsteam. Nutzer*innen selbst kommt eine doppelte Rolle zu: Sie
agieren sowohl als Konsument*innen als auch als Produzent*innen von
Informationen.

KURZINFORMATION:

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie: Bürger, Suchverfahren
und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung“

Informationen zu suchen und zu finden fällt heute sehr leicht, aber ein
müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem
selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen. Algorithmengesteuerte
Informationsbeschaffung und -bereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer
heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich
technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz
weisen auf erhebliche Defizite hin.

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ macht das Problem für
Niedersachsen stärker bewusst. Das Projekt wurde vom Niedersächsischen
Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der Ausschreibung
„Zukunftsdiskurse“ aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab gefördert.

Die Projektwebseite bietet unter anderem  viele Materialen und Artikel
rund um das Thema Informationskompetenz:

https://informationskompetenz.blog.uni-hildesheim.de/