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Bundestagswahl: Forschung empfiehlt eine nachhaltigere Gewässerpolitik

Die biologische Vielfalt von Binnengewässern, die Lebensgrundlage für das Leben von Natur und Mensch, ist stark bedroht.  Michael Roggo
Die biologische Vielfalt von Binnengewässern, die Lebensgrundlage für das Leben von Natur und Mensch, ist stark bedroht. Michael Roggo
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Die biologische Vielfalt von Binnengewässern, die Lebensgrundlage für das Leben von Natur und Mensch, ist stark bedroht.  Michael Roggo
Die biologische Vielfalt von Binnengewässern, die Lebensgrundlage für das Leben von Natur und Mensch, ist stark bedroht. Michael Roggo

Binnengewässer gehören in Deutschland zu den am stärksten genutzten und
bedrohten Ökosystemen. Der Klimawandel mit Wetterextremen wie Dürren und
Überflutungen verschärft die Situation zusätzlich. Die Folge ist u.a. ein
rasanter Rückgang der aquatischen Vielfalt, der nicht nur Pflanzen und
Tiere gefährdet, sondern auch die menschlichen Lebensgrundlagen. Darauf
weist das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB),
Deutschlands größtes Forschungszentrum für Binnengewässer, in einem
aktuellen Policy Brief hin.

Anlässlich der Bundestagswahl 2021 empfehlen die Wissenschaftler*innen der
Politik, dringend Maßnahmen gegen den massiven Rückgang der aquatischen
Biodiversität zu ergreifen und damit auch die vielen wichtigen
Ökosystemleistungen abzusichern, die Binnengewässer für den Menschen
erbringen, z.B. genügend und sauberes Trinkwasser, natürlicher
Hochwasserschutz, Schadstoffrückhalt und Erholungsräume. Die Forschenden
formulieren sieben Handlungsempfehlungen, mit denen in der nächsten
Legislaturperiode bedeutende Weichenstellungen für eine nachhaltigere
Gewässerpolitik möglich sind.

„Im Gegensatz zu Land- oder Meeresökosystemen steht der Verlust der
biologischen Vielfalt in Binnengewässern bisher kaum im öffentlichen und
politischen Fokus. Dabei drängt die Zeit, denn Binnengewässer können ihre
vielfältigen Funktionen als Lebensraum und Schlüsselressource nur
erfüllen, wenn sie konsequent geschützt, nachhaltig bewirtschaftet und
ökologisch verbessert werden“, erläutert IGB-Wissenschaftlerin Prof. Dr.
Sonja Jähnig, Co-Autorin des heute veröffentlichten IGB Policy Briefs. Der
aktuelle Zustand der Binnengewässer zeige laut der forschungsbasierten
Einschätzung jedoch, dass die Praxis davon noch weit entfernt sei.
„Entscheidend ist, dass jetzt ein Umdenken in Politik und Verwaltung
stattfindet“, betont auch IGB-Wissenschaftler und Mitautor Dr. Christian
Wolter und fügt hinzu: „Unser Leben und unsere Gesellschaft hängen von
Gewässern und ihrer biologischen Vielfalt ab. Gewässerpolitik ist keine
zusätzliche Bürde oder Luxus, sondern sollte als notwendige
Vorsorgepolitik zur nachhaltigen Zukunftssicherung für Mensch und Natur
begriffen werden.“

Damit das gelingt, empfehlen die Wissenschaftler*innen der Bundespolitik,
eine stärker gestaltende Rolle einzunehmen, Länder und Kommunen zu
unterstützen und auch international die gewässerbezogene
Biodiversitätspolitik voranzutreiben. Politik und Verwaltung müssten zudem
dringend dem großen Umsetzungsdefizit der europäischen Umweltgesetzgebung
in Deutschland begegnen.

Die sieben Handlungsempfehlungen der IGB-Forscher*innen lauten:

1.      Mehr Raum für Fließgewässer schaffen
2.      Fließgewässersysteme wieder durchgängig machen und vernetzen
3.      Gewässerbelastungen vermeiden, reduzieren und realistisch
bepreisen
4.      Eine integrative Strategie zur Gewässerbewirtschaftung entwickeln
5.      Entscheidungs- und Abwägungsverfahren für Zielkonflikte zwischen
Schutz und Nutzung etablieren
6.      Bestehende Umweltgesetzgebung besser umsetzen und den Schutz der
aquatischen Biodiversität ressortübergreifend als Ziel priorisieren
7.      Daten und Informationen zur Gewässerbiodiversität öffentlich
verfügbar machen

Diese Handlungsempfehlungen werden im IGB Policy Brief zur Bundestagswahl
2021 „Biologische Vielfalt in Binnengewässern – bedrohte Lebensgrundlagen
von Natur und Mensch besser schützen“ ausführlicher erläutert. Das
Dokument kann kostenfrei auf der IGB-Webseite heruntergeladen und auch
weiterverbreitet werden.

Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB):
„Forschen für die Zukunft unserer Gewässer“ ist der Leitspruch des
Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das IGB
ist das bundesweit größte und eines der international führenden
Forschungszentren für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und
Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät
Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements.
Forschungsschwerpunkte sind u. a. die Langzeitentwicklung von Seen,
Flüssen und Feuchtgebieten und die Auswirkungen des Klimawandels, die
Renaturierung von Ökosystemen, der Erhalt der aquatischen Biodiversität
sowie Technologien für eine nachhaltige Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen
in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der
Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum
Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von sieben natur-,
lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach
ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.
https://www.igb-berlin.de

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