Mehr Wert für die Wissenschaft durch Management, Qualitätssicherung und Chancengleichheit
Deutschland investiert viel Geld in seine Wissenschaft. Dennoch bedeutet
Wissenschaftsmanagement in erster Linie Mangel-Management. Das liegt an
dem tatsächlich vorhandenen Mangel, aber auch an einer großen
Zurückhaltung der Wissenschaft gegenüber Management. Darum gilt es, für
die Qualitäten unserer Disziplin zu werben und Vorurteile abzubauen. Als
BWLerinnen und BWLer können wir zwar nicht mehr Geld, aber mehr Wert
schaffen. Und davon profitiert die deutsche Wissenschaft, die so im Rahmen
der gegebenen Struktur ihr Potential voll entfalten kann.
Prof Dr. Carola Jungwirth, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit
Schwerpunkt Governance an der Universität Passau, stellt zur
Professionalisierung der Wissenschaft verschiedene Aspekte vor.
Wissenschaft in Deutschland braucht Professionalisierung
Die deutsche Wissenschaft ragt im weltweiten Vergleich oft heraus. Das hat
sich zuletzt bei der Entwicklung von Impfstoffen gezeigt. Die Leistungen
sind auf tatkräftige, oft unternehmerisch und Gemeinwohl-orientiert
handelnde Personen zurückzuführen und sie erbringen sie oft nicht "wegen",
sondern "trotz" des Systems. Dies gilt nicht nur für die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch für deren
Management. Zur Professionalisierung in der Wissenschaft gehört die
Entwicklung einer klaren Vision, was mit ihr und durch sie erreicht werden
soll. Dazu gehört eine klare Umsetzungsstrategie. Die Heterogenität
unseres Wissenschaftssystems ist dabei von unschätzbarem Wert. Sie erlaubt
die Entwicklung eines klaren Profils für heterogene Anforderungen auf
institutioneller Ebene.
Qualitätssicherung ist ein zentraler strategischer Baustein
Die Qualitätssicherung in der deutschen Wissenschaft besteht aus einem
komplexen Bündel von Prestigeprojekten, Rankings, Evaluationen,
Begutachtungsverfahren und Akkreditierungen. Dieses Bündel dient dazu,
wissenschaftliche Ergebnisse glaubwürdig und nachvollziehbar sowie
(Bildungs-)Leistungen zertifizierbar und national und international
vergleichbar zu machen. Die globalen Standards zur Qualitätssicherung sind
nicht in jeder Ausprägung für jede Institution gleich wichtig. Auf
institutioneller Ebene ein passendes Qualitätssicherungsbündel zu
schnüren, ist jedoch eine zentrale Managementaufgabe.
Chancengleichheit mit Passung zwischen Begabung und Programm
Im Mittelpunkt stehen sollte die tatsächliche Begabung - unabhängig von
Geschlecht, Herkunft oder einem anderen Merkmal, das die gesuchte Begabung
gar nicht betrifft. Mit transparenten Zulassungs-, Berufungs- und
Begutachtungsverfahren, mit wirksamen und wertschätzend angewandten Fair-
Play-Regeln und mit einem klaren Profil sollten Wissenschaftseinrichtungen
eine Kultur der Chancengleichheit schaffen.
Frau Prof. Jungwirth ist eine von über 170 VHB experts des Verbands der
Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). Mit rund 2.800
Mitgliedern ist der Verband eine wachsende, lebendige Plattform für
wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und Nachwuchsförderung in allen
Bereichen der BWL und darüber hinaus.
