Stillen – der beste Start in ein gesundes Leben
Stiftung Kindergesundheit informiert über die langfristigen Vorteile des
„Wundermittels“ Muttermilch.
In diesen Tagen wird weltweit die Muttermilch gefeiert. Menschen aus über
120 Ländern beteiligen sich jedes Jahr an der „Weltstillwoche“ mit dem
Ziel, das Stillen als die beste Ernährungsform für Babys aktiv zu fördern,
zu schützen und zu unterstützen. Die seit 30 Jahren veranstaltete Kampagne
findet in Deutschland immer in der 40. Kalenderwoche eines Jahres statt.
40 deshalb, weil eine normale Schwangerschaft ca. 40 Wochen dauert. Die
Schweiz begeht die Aktionswoche in diesem Jahr vom 18. bis zum 25.
September, in Österreich findet sie vom 1. bis zum 7. Oktober statt. Was
ist eigentlich das Besondere am Stillen, an dieser normalen, artgerechten
Ernährungsform für alle Babys, das sie weltweit in den Mittelpunkt rückt?
Das Stillen erweist sich als ein wahres „Wundermittel“ für die Gesundheit
eines Babys, lautet die Antwort der Stiftung Kindergesundheit anlässlich
der Weltstillwoche. Mit der Muttermilch werden gleich am Anfang des Lebens
mehrere Grundsteine für die spätere Gesundheit des Kindes gelegt,
erläutert Professor Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der
Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung
Kindergesundheit:
- Die Milch der Mutter verringert das Risiko des Kindes, mit gefährlichen
Krankheiten angesteckt zu werden. Sie enthält eine Reihe von
Abwehrstoffen, die miteinander zusammenwirken und Infektionen und
Entzündungen verhindern können. So kann das Risiko eines gestillten Babys,
an akuten Magen-Darm-Infekten zu erkranken, um bis zu einem Drittel
reduziert werden.
- Auch die Gefahr von schmerzhaften Mittelohrentzündungen wird durch das
Stillen verringert. So haben Studien aus Industrieländern gezeigt, dass
drei bis sechs Monate ausschließlich gestillte Kinder nur halb so häufig
unter einer akuten Otitis media erkranken als Kinder mit ausschließlicher
Flaschennahrung.
- Stillen senkt die Gefahr des gefürchteten plötzlichen Krippentodes SIDS
um 15 bis 36 Prozent.
- Bei Asthma werden zwei von hundert späteren Erkrankungen durch die
Muttermilch verhindert, bei der Neurodermitis bleibt etwa drei von hundert
Kindern die Krankheit erspart.
- Das Stillen fördert die seelische Bindung zwischen der Mutter und ihrem
Baby und vermittelt dem Kind emotionale Sicherheit und Geborgenheit.
- Für die stillende Mutter selbst sinkt das Risiko für Krebserkrankungen
der Brust, der Eierstöcke und der Gebärmutterschleimhaut sowie das
Erkrankungsrisiko für Diabetes Typ 2.
„Ein eindrucksvolles Beispiel für die langfristig prägenden Wirkungen der
Säuglingsernährung ist der schützende Effekt des Stillens hinsichtlich des
späteren Auftretens von Übergewicht und Adipositas“, hebt Professor
Koletzko hervor. „Stillen im Säuglingsalter hat sich in zahlreichen
Studien als ein wirksamer Schutzfaktor gegen Adipositas im späteren Leben
gezeigt. Im Vergleich zur konventionellen Flaschennahrung bewirkt Stillen
ein um etwa 12 bis 24 Prozent geringeres Risiko für eine spätere
Adipositas. Mehr noch: Das Risiko wird durch Teilstillen ebenso verringert
wie durch ausschließliches Stillen. Mit anderen Worten: Jedes Stillen
schützt! Diese Erkenntnisse ermutigen uns zum konsequenten Engagement für
die Förderung und den Schutz des Stillens“.
Qualität der Milch ändert sich je nach Bedarf des Babys:
Besonders faszinierend ist die Tatsache, dass die Zusammensetzung der
Muttermilch sich mit der Dauer der Stillzeit ändert. Der Nährstoffzufuhr
wird so an das jeweilige Entwicklungsstadium des Babys bedarfsgerecht
angepasst. Während der ersten etwa fünf Tage nach der Geburt bekommt das
Baby die gelbliche Vor- oder Frühmilch (Kolostrum). Sie entspricht mit
ihrem hohen Eiweißgehalt aufs Beste den Verdauungsbedingungen eines
Neugeborenen. Mit dem Kolostrum gehen auch wichtige Immunsubstanzen wie
Immunglobuline und Leukozyten auf das Baby über. So entsteht auch schon
bei einer relativ geringen Trinkmenge in den ersten Lebenstagen ein sehr
wertvoller Infektionsschutz.
Etwa ab dem sechsten Tag nach der Geburt wird die so genannte
transitorische Milch gebildet, wobei die Menge der Muttermilch deutlich
ansteigt. Von einer reifen Milch spricht man ab der dritten Woche. Im
Verlauf der Stillperiode gibt es weitere deutliche Änderungen in der
Zusammensetzung der Muttermilch: Ihr Gehalt an Eiweiß und Mineralien wird
geringer, während die Konzentration von Fetten deutlich zunimmt. Sogar im
Laufe jeder einzelnen Stillmahlzeit ändert sich die Zusammensetzung der
Milch. So steigt der Fettgehalt der Muttermilch während des kindlichen
Trinkens um etwa das 1,5- bis Dreifache, so dass das Baby bei Beginn der
Stillmahlzeit zunächst eine an Eiweiß, Mineralien und wasserlöslichen
Vitaminen reiche Milch aufnimmt, bei großem Hunger und hohem Saugbedürfnis
dann aber eine zunehmend Fett- und energiereichere Milch zu trinken
bekommt.
Stiftung Kindergesundheit begrüßt Regierungsstrategie zur Stillförderung:
In den letzten Wochen seiner zu Ende gehenden Amtszeit hat das
Bundeskabinett noch eine Nationale Stillstrategie vorgelegt, mit der die
Stillförderung in Deutschland nachhaltig gestärkt werden soll. Ziel der
Strategie ist es, die Rahmenbedingungen für das Stillen zu verbessern, die
Akzeptanz der Öffentlichkeit für das Stillen zu erhöhen, die
Stillmotivation in Deutschland zu steigern und Frauen nach ihrem
individuellen Bedarf beim Stillen zu unterstützen.
Professor Berthold Koletzko begrüßt die von drei Bundesministerien
gemeinsam getragene Aktion: „Es ist wichtig, die Öffentlichkeit in Sachen
Kindergesundheit gut zu informieren. Deshalb gehören die Unterstützung und
Förderung des Stillens seit der Gründung vor bald 25 Jahren zu den
wichtigsten Zielen der Stiftung Kindergesundheit“.
In eigener Sache:
Prof. Dr. Berthold Koletzko – globaler Spitzen-Forscher für Muttermilch
und Säuglings- und Kinderernährung!
Professor Berthold Koletzko, Stifter und Vorstandsvorsitzender der
Stiftung Kindergesundheit, wurde im Rahmen des Aktionsmonats
„Weltstillwoche“ vom klinischen US-Expertenportal „expertscape“ zum
weltweit führenden Experten für Stillen, Muttermilch und Säuglings- und
Kinderernährung erklärt.
Die unabhängige Initiative „expertscape“ erstellt regelmäßig Rankings der
weltweit besten Mediziner und Kliniken in spezifischen Bereichen der
Medizin, beruhend auf den wissenschaftlichen Veröffentlichungen im letzten
Jahrzehnten.
Mit der Veröffentlichung von insgesamt 44 Publikationen über Muttermilch
und 57 Publikationen zum Stillen in den letzten zehn Jahren gehört
Professor Koletzko laut „expertscape“ zu den besten 0,01 Prozent aller
weltweit im Bereich der Muttermilchforschung tätigen Wissenschaftler. Er
wurde zudem in den Gebieten Säuglingsernährung, Kinderernährung und
Kinderernährungsforschung auf dem ersten Platz aller Experten weltweit
platziert.
