Multimediale Zugänge zu Ausstellungsstücken herstellen: Trug Christus einen Cowboyhut?
Bachelorarbeit an FHWS: Jonas Roth entwickelt Handy-App für das Museum für
Franken, die Wissen und Spaß verbindet
„Kulturelle Bildung ist eine der besten Investitionen in die Zukunft
unseres Landes“. Diesem Statement der Enquete-Kommission „Kultur in
Deutschland“ ist nichts hinzuzufügen. Darum möchte das Museum für Franken
sein interaktives und digitales Vermittlungsangebot stets so erweitern,
dass die Menschen auch wirklich Spaß daran haben, Neues zu lernen.
Jonas Roth, Absolvent des Studiengangs „Geovisualisierung“ an der
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), weiß
aus persönlicher Erfahrung, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Oft
werden Museen von Jugendlichen als langweilig empfunden oder bieten keine
multimedialen Zugänge zu den Ausstellungsstücken. Gerade deshalb wollte er
sich in seiner Bachelorarbeit auf die Suche nach neuen Wegen der
Vermittlung machen.
Der erste Anstoß war vom Museum für Franken selbst gekommen. „Die
Museumspädagoginnen Juliane Gieb und Veronika Genslein wollten neue Wege
bei der Präsentation der Exponate gehen“, berichtet FHWS-Dozent Stefan
Sauer. Im Gespräch sei daraufhin die Idee einer Augmented-Reality-
Anwendung (AR) für Smartphone oder Tablet entstanden, bei der die reale
Welt mit computergenerierten Objekten, Audios und Filmen angereichert
wird.
„Erstellen einer AR-App für das Museum für Franken“ lautete der Titel der
im Dezember 2020 ausgeschriebenen Bachelorarbeit. Erklärtes Ziel war es,
„der jüngeren Generation auf zeitgemäße Art Kultur- und Geschichtswissen
zu vermitteln“ und dabei auszutesten, wie sich neue Technologien und
Museumspädagogik verbinden lassen. Zu Beginn der rund sechs Monate
dauernden Entwicklungsarbeit erstellte Jonas Roth ein Konzept und klopfte
die Rahmenbedingungen fest. Im zweiten Schritt wählte er sieben Exponate
aus und trug Informationen zusammen. Die Erstellung der Anwendung und die
Einbindung von Audios, Videos, Texten und 3D-Modelle war der aufwändigste
Teil der Arbeit; neben Programmier-Kenntnissen war hier ein hohes Maß an
Kreativität und Detailüberlegungen gefragt, denn: „Nur eine
anwenderfreundliche und abwechslungsreiche App wird am Ende auch von
Nutzerinnen und Nutzern akzeptiert“, resümiert Stefan Sauer. Im letzten
Schritt bereitete Roth die Anwendung für Android und IOS auf.
Die Nutzung ist denkbar einfach und kurzweilig zugleich: Per Smartphone
oder Tablet werden über am Objekt angebrachte Marker die hinterlegten
Infos abgerufen. Beim Ölbild „Streitende Kinder mit Puppe“ etwa fällt das
Streitobjekt beim Klick auf die Puppe herunter, und die kaum wahrnehmbare
Fliege – Symbol für die Vergänglichkeit des Augenblicks – beginnt
umherzufliegen. Für das „Maintal bei Miltenberg“ hat Roth den
Malerstandort ausfindig gemacht und zeigt eine aktuelle
Landschaftsaufnahme. Zum barocken Krummhornbläser ertönt Barockmusik, und
bei der verlorenen Kopfbedeckung des „Christus auf dem Palmesel“ kann man
zwischen 3D-Modellen wie Krone, Cowboyhut, Heiligenschein und Dornenkranz
wählen. Besonders angetan hat es Jonas Roth der Würzburger Ratstisch von
Tilman Riemenschneider: In der AR-App ist der Tisch wieder drehbar, die
Wappen dienen als Andockpunkte für historisches Wissen. „Hier habe ich
gemerkt, dass die Arbeit etwas mit mir gemacht hat“, sagt der 22-Jährige:
„Historische Dinge müssen nicht langweilen, sondern können hochinteressant
sein.“ Am meisten Spaß hatte er beim Umsetzen kreativer Spielereien und
dem Austesten der gebauten Funktionen.
Die beiden Betreuer, Stefan Sauer und Prof. Dr. habil. Mark Vetter, haben
die Arbeit mit 1,0 benotet. „Jonas Roth hat sich weit über das normale Maß
hinaus engagiert, viel Zeit und Mühe investiert und die Anwendung mit viel
Liebe zum Detail gestaltet“, begründet Sauer. Besonders hoch rechnet er
dem Absolventen an, dass er auch den Bedürfnissen der potenziellen Kunden
gerecht wurde. Für Roth bedeutete die Kooperation eine Bereicherung, weil
„auf diese Weise noch mehr Ideen auf den Tisch kamen“. Der erfolgreiche
Absolvent wird zunächst an einem Forschungsprojekt der FHWS mitarbeiten
und dann den neuen Masterstudiengang „Geodatentechnologie“ an der FHWS
absolvieren.
Das Museum für Franken zeigte sich vom Ergebnis begeistert. Ab Dezember
soll die App im Playstore erhältlich sein. Ob die Applikation ausgebaut
und erweitert wird, hängt von der Resonanz des Publikums ab. Doch da ist
Stefan Sauer zuversichtlich und visiert bereits die nächsten Projekte rund
um den Festungsberg an.
