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Steinmeier: Gemeinsam umsteuern für Klimaschutz und Artenvielfalt Bundespräsident überreicht Deutschen Umweltpreis 2021

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Mit einem Appell an den Gemeinsinn aller hat
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier heute (Sonntag) im Kongresszentrum
darmstadtium in Darmstadt zu einem Umsteuern aufgerufen, um biologische
Vielfalt zu erhalten und die Erderwärmung zu stoppen. Beim Festakt zur
Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU) in Höhe von 500.000 Euro zu gleichen Teilen an Ökologin Prof. Dr.
Katrin Böhning-Gaese und Moorforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joosten
sagte der Bundespräsident, dass „nur aus Gemeinsamkeit Veränderung
entstehen kann“. Und: „Der ökologische Wandel verschafft uns mehr
Lebensqualität.“

Gewiss sei es unbequem und anstrengend, sich von liebgewonnenen Konsum-
und Ernährungsgewohnheiten zu verabschieden. Doch müsse man „mit dem
Irrtum aufräumen, Klima-, Arten- und Umweltschutz hätten vor allem mit
Verzicht, Enthaltsamkeit und Freudlosigkeit zu tun“. Im Gegenteil: Der
ökologische Wandel ermögliche mehr Freiheit durch Mobilität, die keine
Umweltressourcen verbraucht, und mache unabhängig vom konfliktträchtigen
Abbau fossiler Brennstoffe. „Er erspart uns Umweltkrankheiten und lässt
uns gesünder und länger leben; er öffnet uns und denen, die nach uns
kommen, eine gute Zukunft“, so der Bundespräsident. Er freue sich, „dass
wir heute eine Wissenschaftlerin und einen Wissenschaftler auszeichnen,
die auf dem weiten Feld des Klima- und Artenschutzes Herausragendes
geleistet haben. Beide wecken Bewusstsein dafür, was alles nötig ist, um
die biologische Vielfalt zu erhalten und die Erderwärmung zu stoppen.“

„Wir Menschen betreiben Raubbau an der Natur“

Böhning-Gaese hat laut Steinmeier dazu beigetragen, die Ursachen des
Artensterbens genauer zu verstehen und was dagegen zu tun ist. Etwa eine
Million Tier- und Pflanzenarten seien vom Aussterben bedroht, „weil wir
Menschen Raubbau an der Natur betreiben. Wir roden Wälder im Übermaß,
beuten Böden aus, setzen giftige Pflanzenschutzmittel ein, fangen zu viele
Fische, verschmutzen die Meere mit Plastikmüll“, so der Bundespräsident.
Joosten wiederum sei „ein großartiger Moorforscher“, der als einer der
Ersten darauf hingewiesen habe, „wie wichtig gesunde, nasse Moore für den
Klimaschutz sind, weil sie der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen und es
dauerhaft im Boden binden“. Er habe erkannt, wie schädlich Moor-
Entwässerung etwa durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung für Klima
und Biodiversität sei. Bei Warnungen habe Joosten es nicht belassen,
sondern vielmehr wegweisende Ideen für die landwirtschaftliche Nutzung von
Mooren entwickelt, ohne deren Schutz aufs Spiel zu setzen – und dafür den
Begriff „Paludikultur“ geprägt.

Große Transformation aller Lebensbereiche

Der Bundespräsident schwor in seiner Festrede Bürgerinnen und Bürger
darauf ein, Veränderungen gemeinsam in Angriff zu nehmen. „Was wir vor uns
haben, ist ein gesamtgesellschaftlicher Wandel, eine große
Transformationsaufgabe, die alle Bereiche unseres Lebens betrifft: die
Art, wie wir Energie erzeugen, Mobilität gestalten, Landwirtschaft
betreiben, industrielle Güter produzieren, Wohnungen bauen, Abfall
entsorgen, wie wir reisen, einkaufen und uns ernähren.“ Sich als
Gesellschaft gemeinsam auf den Weg in eine klimaneutrale Zukunft zu
machen, „ohne Zusammenhalt als Voraussetzung für Freiheit und Demokratie
zu gefährden“, sei „eine der größten politischen und gesellschaftlichen
Herausforderungen der kommenden Jahre“. Es gelte, sich dabei besonders
denen zuzuwenden, „die mit dem Wandel nicht so leicht Schritt halten
können“.

Konferenzen zum Schutz von Biodiversität und Klima in Kunming und Glasgow

Auch global sind Steinmeier zufolge „Zusammenarbeit und Solidarität über
Grenzen hinweg“ unabdingbar, um Klimakrise und Artenrückgang zu
bewältigen. Auf der morgen (Montag) im chinesischen Kunming beginnenden
Biodiversitätskonferenz sowie der Weltklimakonferenz in Glasgow
(Schottland) im November könne Politik zeigen, dass sie aus der Pandemie
gelernt habe und nicht zurückfalle „in nationale Egoismen. Das ist die
historische Aufgabe von Glasgow.“ Zum Hinweis des Bundespräsidenten auf
Kunming und Glasgow und den engen Zusammenhang von Klima und Biodiversität
sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Kampf gegen Erderwärmung und
verstärkter Artenschutz müssen Hand in Hand gehen. Das ist eine Zukunfts-
und Menschheitsfrage – und eine Lebensversicherung für uns und den
Planeten.“ Darauf haben Böhning-Gaese und Joosten laut Bonde „unermüdlich“
aufmerksam gemacht. „Diese Impulse der Wissenschaft müssen wir zügig wahr-
und vor allem ernst nehmen.“ Bonde: „Damit Glasgow gelingt, müssen in
Greifswald, Gladbach, Glückstadt und anderswo die angepeilten Gigatonnen
an Treibhausgas-Emissionen eingespart werden.“ Und mehr Artenschutz durch
die Kunming-Konferenz „klappt nur, wenn auch in Kulmbach, Kuppenheim und
Kusel Biodiversität erhalten wird“.

Besuch bei den Betroffenen der Flutkatastrophe: „Ihr seid nicht
vergessen!“

Es sei notwendig, schneller und entschlossener zu handeln, betonte
Steinmeier. „Wenn wir nicht konsequent umsteuern, würden wir die
Lebensbedingungen auf unserem Planeten unwiederbringlich zerstören.“ Der
Bundespräsident erinnerte an die Flutkatastrophe im Sommer dieses Jahres.
Er werde am Nachmittag die Betroffenen besuchen. „Ihr seid nicht
vergessen!“, sagte er an deren Adresse. Die Folgen des Klimawandels seien
„auch bei uns in Europa angekommen“. Doch sie träfen Menschen in den
ärmeren Ländern des Südens schon jetzt weitaus härter. „Und sie werden
zukünftige Generationen umso brutaler treffen, je weniger wir jetzt tun“,
so der Bundespräsident.

Steinmeier machte den Festakt-Gästen Mut für die Zukunft. „Wir haben allen
Grund zur Zuversicht“, so der Bundespräsident. Gerade in der Corona-
Pandemie habe die Gesellschaft die Kraft zum Umsteuern bewiesen. „Und wir
haben erfahren, wie viel Gemeinsinn in uns steckt.“ Böhning-Gaese und
Joosten hätten eines allen vor Augen geführt: „Es gibt keinen Grund, in
Angst zu erstarren und auf die Apokalypse zu warten. Klimawandel und
Artensterben sind nicht unser Schicksal.“ Preisträgerin und Preisträger
zeigen nach Steinmeiers Worten, „dass wir Lust auf Zukunft haben dürfen,
wenn wir jetzt mit neuer Anstrengung fortsetzen, was wir begonnen haben,
wenn wir entschiedener und rascher handeln, wenn wir in den kommenden
Jahren die Wende schaffen“. Dank wissenschaftlicher Forschung,
technologischer und wirtschaftlicher Innovationen und „unserer Fähigkeit,
umzulernen und unser Leben zu ändern“, stehe der gemeinsame Weg in eine
klimaneutrale und artenreiche Zukunft offen.

Hintergrund:

Mit dem 2021 zum 29. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden
Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Prämiert werden Projekte, Maßnahmen und
Lebensleistungen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU
vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und
Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände,
wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das
Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Expertinnen und
Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen
Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für
das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die Entscheidung.

Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis sowie https://www.dbu.de/umweltpreis-blog/