Neue FVV-Kraftstoffstudie: Pkw-Bestand entscheidet über das Erreichen der Klimaziele
Strom, Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe: Welche Energieträger im
Straßenverkehr der Zukunft eingesetzt werden sollen, ist eine viel
diskutierte Frage. Eine neue Studie der Forschungsvereinigung FVV zeigt
nun: Wie schnell der Verkehr in Europa klimaneutral wird, hängt nicht
entscheidend vom Antrieb ab, sondern davon, wie rasch klimaneutrale
Energieträger für nachhaltige Mobilität zur Verfügung stehen.
Was passiert, wenn ab dem Jahr 2033 in Europa nur noch Pkw zugelassen
würden, die nicht mehr mit fossilen Kraftstoffen betankt werden und im
Betrieb vollständig CO2-neutral sind? Diese Frage beantwortet eine neue
Studie, die das Beratungsunternehmen Frontier Economics und das Institut
für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag der FVV
durchgeführt haben. Die Untersuchung unterscheidet sich von zahlreichen
anderen Studien vor allem dadurch, dass sie konsequent alle CO2-Emissionen
betrachtet, also nicht nur jene, die aus der Herstellung der Autos und
deren Nutzung resultieren, sondern auch all jene, die durch die Erzeugung
und Bereitstellung der Energieträger verursacht werden. Die Experten
verfolgen dabei einen Budgetansatz, das heißt, das nicht relative
Einsparungen, sondern nur die kumulierten Emissionen bis zum Jahr 2050
betrachtet werden – denn letztlich entscheidet die Gesamtmenge an
freigesetztem CO2 darüber, ob die in Paris definierten Klimaziele
eingehalten werden können.
Bei identischer Hochlaufgeschwindigkeit und einer angenommenen Haltedauer
von 17 Jahren pro Pkw zeigt sich: Die kumulierten CO2-Emissionen
unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Kombinationen von
Energieträgern und Antrieben lediglich um 14 Prozent. »Daraus kann man
schließen«, so FVV-Geschäftsführer Dietmar Goericke, »dass die
Antriebsform nur einen sehr geringen Anteil daran hat, ob die Klimaziele
erreicht werden. Vielmehr kommt es darauf an, wie schnell wir es schaffen,
aus der Nutzung fossiler Energieträger vollständig auszusteigen.«
Bestandsflotte entscheidend
Eine wesentliche Erkenntnis aus der FVV-Studie: Selbst wenn im Jahr 2033
nur noch klimaneutral betriebene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugelassen
werden, übersteigen die kumulierten Emissionen aus der Mobilität das
komplette CO2-Budget, das der Europäischen Union für das 1,5-Grad-Ziel
noch zur Verfügung steht – und zwar für alle Sektoren. Noch gravierender
ist, dass diese Überschreitung in allen modellierten Szenarien bereits in
den Jahren 2031 oder 2032 auftritt. Ursächlich dafür ist der hohe Anteil
der Bestandsflotte an den Gesamtemissionen. Goericke schließt daraus: »Wir
müssen Lösungen finden, die CO2-Emissionen der Bestandsflotte schnell zu
senken. Dies ist aus heutiger Sicht nur möglich, wenn es gelingt,
synthetische Kraftstoffe rasch in den Markt zu bringen.«
Die Studie betrachtet auch, was die Einführung synthetischer Kraftstoffe –
sogenannter E-Fuels – für die Energiewirtschaft bedeuten würde. Eine
hundertprozentige Umstellung der gesamten Pkw-Flotte auf synthetische
Kraftstoffe, würde demnach den Energiebedarf verglichen mit rein
batterieelektrischer Mobilität um das Drei- bis Vierfache erhöhen. Würden
die Kraftstoffe jedoch nicht in Europa, sondern in anderen, besonders
sonnen- und windreichen Regionen produziert, würde sich die
Erzeugungskapazität nur um den Faktor zwei bis drei erhöhen. »Ein 100
-Prozent-Szenario ist aber ohnehin nicht wünschenswert«, sagt Goericke.
»Vielmehr gilt es, mehrere Technologiepfade parallel zu verfolgen. Dann
haben wir eine Chance, die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig
individuelle Mobilität bezahlbar zu behalten.«
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dietmar Goericke, Geschäftsführer, FVV e. V., Frankfurt am Main
Originalpublikation:
https://www.fvv-net.de/medien/
das-erreichen-der-klimaziele-f
