Hochschule Bonn-Rhein-Sieg schließt Projekt in Nepal erfolgreich ab
Hierzulande sind Kranken- oder Unfallversicherung etwas
Selbstverständliches. Doch auch in Nepal gibt es ein beitragsfinanziertes
Sozialversicherungsprogramm. In diesem Zusammenhang war die Hochschule
Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) an einem Gemeinschaftsprojekt für die nepalesische
Regierung beteiligt.
Nur wenige Menschen vermuten, dass Nepal außer dem Tourismus
wirtschaftlich viel mehr zu bieten hat. Und doch gibt es in dem Staat im
Himalaya etwa 12 Millionen Erwerbstätige, bei etwa 29 Millionen
Einwohnern, davon etwa 16 Millionen im Erwerbsalter. Sie sind überwiegend
in der Landwirtschaft oder im Handwerk selbstständig tätig, aber es gibt
auch meist kleinere Unternehmen mit Beschäftigten. Und genau wie anderswo
verunglücken auch die Nepali, werden krank oder arbeitslos und sind
deshalb auf Hilfe angewiesen. Hierzulande sind Kranken- oder
Unfallversicherung etwas Selbstverständliches. Doch auch in Nepal gibt es
ein beitragsfinanziertes Sozialversicherungsprogramm. In diesem
Zusammenhang war die H-BRS an einem Gemeinschaftsprojekt für die
nepalesische Regierung beteiligt.
Prof. Dr. Johannes Mockenhaupt vom Fachbereich Sozialpolitik und Soziale
Sicherung der H-BRS erklärt, dass in Nepal gleich zwei staatliche
Organisationen der Krankenversicherung nebenher bestehen. Das Projekt
konzentrierte sich auf den Social Security Fund (SSF) Nepal, der erst vor
Kurzem gegründet wurde, um die gesetzlichen Bestimmungen eines
beitragsorientierten Sozialversicherungsprogramms umzusetzen. Der SSF
betreibt und verwaltet für die genannte Anzahl Arbeitgeber und
Beschäftigte des formellen Sektors fünf Systeme: Kranken-, Arbeitsunfall-
und Lebensversicherung sowie Leistungen bei Mutterschaft und
Altersvorsorge.
An dem Projekt waren als Partner die Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der der Regierung von Nepal
unterstellte Social Security Fund (SSF) und die H-BRS mit dem Fachbereich
Sozialpolitik und Soziale Sicherung beteiligt. Der SSF beabsichtigte,
zunächst die grundlegenden Prozesse (Standard Operating Procedures, SOP)
innerhalb der Arbeitsunfallversicherung für folgende Aufgabenbereiche zu
implementieren: Unfälle bei der Arbeit und auf dem Arbeitsweg, Unfälle
außerhalb der Arbeit und die Behandlung von Krankheiten, die durch die
Arbeitsbedingungen verursacht werden.
In Zusammenarbeit mit dem SSF und der GIZ entwickelten das Beraterteam der
Hochschule – Sozialversicherungsexperte Prof. Dr. Andreas Kranig und
Medizininformatiker Prof. Dr. Johannes Mockenhaupt – die SOP, ließen sie
anschließend von einer Firma in Nepal in der Open-Source-Software OpenIMIS
programmieren und entwickelten sie bis zur praktischen Implementierung im
SSF.-An der weltweiten Entwicklung von openIMIS sind IT-Unternehmen,
gemeinnützige Organisationen und Universitäten beteiligt. Aufgrund der
positiven Erfahrungen und Erkenntnisse wird die Regierung die Software
voraussichtlich zur Verwaltung der nationalen sozialen Krankenversicherung
des Health Insurance Board und auch für die verschiedenen
Versicherungszweige des SSF einsetzen.
Mehr Praxispartnerschaften im Ausland angestrebt
Die H-BRS beabsichtigt, sich ebenfalls stärker zu engagieren. „Für die
H-BRS und ihren Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung ist die
Digitalisierung ein zentrales Thema, das zunehmend in die Lehre und
Forschung integriert wird“, erklärt Professor Mockenhaupt. Dabei seien
Praxispartnerschaften im In- und Ausland von großer Bedeutung. „Wir haben
uns verstärkt mit elektronischen Verwaltungsprozessen, der konkreten
Umsetzung und ihren Auswirkungen beschäftigt und möchten als
Kompetenzzentrum in diesem Bereich wahrgenommen werden.“ Dem Fachbereich
sei es wichtig, auch das vorhandene Fachwissen in den Entwicklungsländern
stärker zu nutzen, denn keiner kennt die Bedarfe dort besser als die
Partner vor Ort. Insbesondere möchte sich die H-BRS in den Ländern stärker
engagieren, in denen der Fachbereich bereits Beziehungen auf
Universitätsebene aufgebaut hat. Dazu zählen beispielsweise in Afrika
Tansania oder Namibia und in Zusammenarbeit mit der GIZ Bangladesh.
Link zum Projekt:
https://socialprotection.org/c
fund
