DIVI fordert umgehend bundesweit einheitliche Maßnahmen zur größtmöglichen Kontaktbeschränkung
Die Lage in der Pandemie war aus Sicht der Intensiv- und Notfallmedizin
noch nie so bedrohlich und ernst wie heute. Schon vor Weihnachten werden
wir mehr als 6.000 Patienten mit COVID-19 auf den Intensivstationen
behandeln müssen – und damit wird das bisherige Allzeithoch des letzten
Jahres mit Sicherheit deutlich überschritten. Allein in der vergangenen
Woche haben wir mehr als 2.300 intensivpflichtige Patienten neu
aufgenommen. 886 Covid-19-Patienten sind verstorben.
Und die Situation setzt sich unverändert fort. Das Gesundheitssystem,
insbesondere die Intensivstationen, sind vielerorts bereits überlastet,
sodass erneut schwerstkranke Patienten von Ost nach West und Süd nach Nord
verlegt werden müssen. Aber auch diese Strategie verschafft uns nur
kurzfristig Zeit. Das ist keinesfalls eine Lösung.
Als Intensiv- und Notfallmediziner sehen wir keine andere Möglichkeit, als
sofort bundesweit einheitliche notbremsende Maßnahmen zur größtmöglichen
Kontaktbeschränkung zu fordern. Das kann – wenn notwendig – auch ein
zeitlich begrenzter Lockdown sein.
Wir brauchen konkrete Maßnahmen, um die aktuelle dramatische pandemische
Entwicklung umgehend zu stoppen. Als Grundlage hierfür muss die
epidemische Lage nationaler Tragweite als Gesetz reaktiviert werden, um
bundeseinheitliche Maßnahmen schnell durchsetzen zu können.
Um unsere Patienten und Mitarbeiter zu schützen und die Kliniken vor dem
Kollaps zu bewahren, müssen bzw. muss ebenfalls – insofern medizinisch
vertretbar – umgehend
1. alle bundesweit nicht dringend medizinisch notwendigen Eingriffe
und Behandlungen nicht mehr vorgenommen werden und das Personal in die
Intensiv- und Notfallbereiche umgesetzt werden.
2. mindestens 1 Million Impfungen und Booster-Impfungen pro Tag
verabreicht werden.
3. die Impfpflicht für alle Erwachsenen umgesetzt werden, um eine
sehr wahrscheinliche fünfte und sechste Welle verhindern zu können.
Hierbei gilt es, aus den Fehlern vorheriger Lockdowns zu lernen und vor
allem die vulnerablen Gruppen wie Kinder- und Jugendliche sowie
Hochbetagte fest im Blick zu behalten. Schließungen von Kitas und Schulen
sollten im Rahmen allgemeiner Maßnahmen weitestgehend vermieden sowie nur
angesichts besonders bedrohlicher Infektionslagen vorgenommen werden.
Angesichts der neu festgestellten Omikron-Variante – und in dem Wissen,
noch kaum Kenntnisse über diese zu besitzen – gilt es aber mehr denn je,
umsichtig und vorausschauend zu handeln.
Wir brauchen eine leistungsstarke Intensiv- und Notfallmedizin zur
Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit. Diese können wir aber nur
aufrechterhalten, wenn die Politik jetzt umgehend handelt! Hier braucht es
konkrete wie auch nachhaltige Maßnahmen.
