AWMF fordert sofortige und konsequente Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung Vierte Welle lässt sich nur mit Kontaktbeschränkungen und intensiviertem Impfen brechen
Um die vierte Welle der Corona-Pandemie zu
bewältigen, fordert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) gemeinsam mit ihrer Task
Force „COVID-19 Leitlinien“ umgehend ein umfassendes Maßnahmenpaket in
allen Bundesländern umzusetzen – angepasst an das jeweilige
Infektionsgeschehen.
Dazu gehören Kontaktbeschränkungen, der sofortige Verzicht auf
Großveranstaltungen und das intensivierte Impfen, das auch in Impfzentren
sowie durch niederschwellige Angebote vorangetrieben werden muss. Darüber
hinaus halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angemessene
Schutzmaßnahmen mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für
notwendig. Außerdem fordern sie alle Bürgerinnen und Bürger auf,
Hygienemaßnahmen weiterhin konsequent einzuhalten.
„Die hohe Anzahl der schwer an COVID-19 Erkrankten und die aktuell sehr
hohe Hospitalisierungs¬rate können wir nur reduzieren, indem jetzt schnell
zielgenaue Maßnahmen umgesetzt werden“, sagt Professor Dr. med. Rolf-
Detlef Treede, Präsident der AWMF. Bereits zu Beginn der Pandemie hat die
AWMF eine Task-Force gegründet, die seitdem innerhalb kürzester Zeit
Leitlinien zu unterschiedlichen Infektionsaspekten wie beispielsweise zu
Schutzmaßnahmen oder auch der ambulanten oder stationären Behandlung von
Patientinnen und Patienten mit COVID-19 erarbeitet und aktualisiert.
Auf Basis dieses Wissens fordert die AWMF jetzt als zentralen Bestandteil
der Infektions-bekämpfung, Kontakte deutlich einzuschränken.
Wissenschaftliche Daten zeigen, dass vor allem der Verzicht auf
Großveranstaltungen einen effektiven Nutzen bringt, um das
Infektionsgeschehen einzudämmen. Auch Veranstaltungen in Innenräumen
beispielsweise in Clubs und Bars bergen ein hohes Infektionsrisiko,
weshalb die AWMF fordert, diese zu reduzieren, wenn Hygienekonzepte nicht
strikt eingehalten werden können. „Kontaktbeschränkungen sind ein dringend
notwendiger Schritt, zumal in vielen Bundesländern Infektionsketten
aufgrund der hohen Infektionsinzidenzen nicht mehr verfolgt werden
können“, so Treede. Die AWMF empfiehlt auch weiterhin 1,5 Meter Abstand zu
anderen Personen zu halten. Einen besonderen Stellenwert in der
Infektionsprävention nimmt aktuell außerdem das Tragen einer medizinischen
Mund-Nasen-Bedeckung ein. Die AWMF fordert, erneut Masken kostenfrei für
bestimmte Bevölkerungsgruppen zur Verfügung zu stellen, wie beispielsweise
ältere Menschen oder Personen mit Immunerkrankungen.
„Zentral für die Bewältigung der Pandemie ist das Impfen. Zum Brechen der
vierten Welle müssen neben der Erstimpfung auch die Booster-Impfungen von
bereits vollständig Geimpften vorangetrieben werden, weil dadurch
besonders schnell ein deutlich verbesserter Immunstatus erzielt werden
kann“, fordert Professor Dr. med. Dr. med. dent. Henning Schliephake,
stellvertretender Präsident der AWMF. Gleichzeitig müsse die
Durchimpfungsrate deutlich steigen, um weitere Ausbruchswellen zu
verhindern und das aktuelle Infektionsgeschehen zu verlangsamen. Damit das
Impfen der Menschen in Deutschland rasch vorangeht, fordern die
Fachgesellschaften daher die unverzügliche Reaktivierung der Impfzentren.
Als besonders wichtig sehen sie niederschwellige Impfangebote an, mit
denen man die Menschen unmittelbar in ihren Lebensbereichen erreicht.
„Schon bisher werden Hygienemaßnahmen in Schulen zuverlässig umgesetzt,
was einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
leistet“, betont der stellvertretende AWMF-Präsident Professor Dr. med.
Fred Zepp, der Kinder- und Jugendmediziner ist und verweist auf die
Empfehlungen der S3-Leitlinie zu Schulmaßnahmen unter anderem zu
Kontaktbeschränkungen, Maskentragen und zum Umgang mit Verdachtsfällen.
„Angesichts der aktuell hohen Infektionsraten sollten Schutzmaßnahmen
angemessen angepasst und aufgrund erwartbarer negativer psychosozialer
Auswirkungen für Kinder und Familien Schulschließungen unbedingt vermieden
werden“, sagt Zepp.
„Die vierte Welle werden wir nur mit schnell umgesetzten zielgenauen
Maßnahmen brechen“, so AWMF-Präsident Treede abschließend. 41
Fachgesellschaften aus der AWMF COVID-19 Task Force haben sich der
Stellungnahme angeschlossen.
Hier gelangen Sie zur aktuellen Stellungnahme der AWMF zu den
erforderlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung der vierten Welle:
https://www.awmf.org/fileadmin
