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Digitalen und demografischen Wandel am Arbeitsplatz aktiv gestalten Heidelberger Arbeitsforscher analysieren Bedürfnisse von Beschäftigten der Bundesbehörden

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Digitalen und demografischen Wandel am Arbeitsplatz aktiv gestalten
Heidelberger Arbeitsforscher analysieren Bedürfnisse von Beschäftigten der
Bundesbehörden

Ebenso wie viele Unternehmen steht auch die Bundesverwaltung vor der
Herausforderung, die digitale Transformation in der Arbeitswelt aktiv zu
gestalten und gleichzeitig dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen.
Welche Herausforderungen für den Bund als Arbeitgeber aus der
Digitalisierung und einer zunehmenden Flexibilisierung erwachsen, hat
Prof. Dr. Karlheinz Sonntag vom Psychologischen Institut der Universität
Heidelberg untersucht. Dazu wurden im Sommer dieses Jahres 3.380
Beschäftigte in den oberen und obersten Bundesbehörden befragt. Die
Online-Befragung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) geförderten Projektes „Maßnahmen und Empfehlungen für die
gesunde Arbeit von morgen“ (MEgA) und gibt Auskunft über die Anforderungen
an das Personal- und Gesundheitsmanagement, zum Beispiel bei der
Gestaltung orts- und zeitflexibler Arbeit oder bei der individuellen
Förderung von Veränderungs- und Lernbereitschaft.

Für eine gelingende digitale Transformation in der Bundesverwaltung nimmt
die informationstechnologische Infrastruktur eine zentrale Stellung ein,
ebenso wie eine professionelle Begleitung bei der Einleitung und Umsetzung
von Veränderungsprozessen, wie der Arbeits- und Organisationspsychologe
Karlheinz Sonntag erläutert. So wünscht sich ein Großteil der Befragten
eine neue Führungskultur, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt
in Veränderungsprozesse mit einbezieht. Zugleich sprechen sie sich für die
Einführung von orts- und zeitflexiblen Arbeitsformen wie etwa Homeoffice
oder Arbeitszeitkonten aus. Außerdem befürworten die Beschäftigten ein
effektives Wissensmanagement. Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die
in Rente gehen, sollten die Möglichkeit haben, Nachfolger anzulernen und
einzuführen.

Aus der Analyse der Befragung leiten die Wissenschaftler weitere
Gestaltungsfelder ab, damit Beschäftigte in Zukunft gesund, kompetent und
motiviert arbeiten können. Von großer Bedeutung ist nach den Worten von
Prof. Sonntag eine strategisch ausgerichtete Personalentwicklung, mit der
Arbeitnehmer gezielt gefördert werden und die zugleich für einen
Wissenstransfer sorgt. Ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement soll zudem
das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern.
Auch für das Homeoffice muss es eine IT-technische und ergonomische
Ausstattung geben, so ein weiteres Fazit der Befragung. „Um auch zukünftig
ausreichend qualifiziertes und motiviertes Personal gewinnen und binden zu
können, muss der Bund attraktivere und flexiblere Bedingungen für die
Beschäftigten schaffen“, betont Prof. Sonntag.

Seit 2015 untersuchen Prof. Sonntag und sein Team im Rahmen des Projekts
MEgA die Veränderungen der Arbeitswelt. Dafür wurden Arbeitnehmer, Fach-
und Führungskräfte aus Unternehmen unterschiedlicher Größe sowie
Beschäftigte von Behörden befragt. Ziel des Projektes ist es, mithilfe von
Experteninterviews und einer empirischen Grundlage aus den Online-
Befragungen gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, wie eine moderne und
gesunde Arbeit der Zukunft aussehen kann und wie dafür das Personal- und
Gesundheitsmanagement ausgestaltet werden muss.