Statement – Durchgreifende Erholung in der Industrie lässt trotz Produktionsanstiegs auf sich warten
Dr. Nils Jannsen (https://www.ifw-kiel.de/de/ex
Leiter Konjunktur Deutschland am IfW Kiel, kommentiert die aktuellen
Zahlen zur Industrieproduktion des Statistischen Bundesamtes, wonach die
Industrieproduktion im Oktober um 3,2 Prozent zugelegt hat:
„Die deutsche Industrie leidet weiter massiv unter den derzeitigen
Lieferproblemen. Daran ändern auch die positiven Oktoberzahlen nichts.
Angesichts der schwachen Entwicklung zuvor ist der Produktionsanstieg im
Oktober eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die Industrieproduktion liegt gegenwärtig um etwa 10 Prozent unter dem
Niveau, das angesichts der eingehenden Auftragseingänge zu erwarten wäre.
Der Erwartungswert ergibt sich aus der historischen Korrelation beider
Größen seit der Wiedervereinigung.
Besonders schwerwiegend sind die Lieferengpässe weiterhin in der
Automobilindustrie. Hier hinkt die Produktion trotz des kräftigen Anstiegs
im Oktober den Auftragseingängen noch um fast 40 Prozent hinterher. Die
große Bedeutung der Automobilbranche für die deutsche Wirtschaft ist ein
Grund dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich besonders von
den Lieferengpässen betroffen ist.
Sehr groß ist die Diskrepanz zwischen Auftragseingängen und Produktion
auch in der Elektrotechnik und im Maschinenbau, wo die Lücke zwischen 10
und 20 Prozent beträgt. Deutlich geringer sind die Belastungen dagegen in
anderen Branchen wie der chemischen und der pharmazeutischen Industrie
oder dem Metallgewerbe, in denen die Produktion zuletzt kaum hinter den
Auftragseingängen zurück hing.
Eine durchgreifende Erholung der Industrieproduktion wird wohl noch einige
Zeit auf sich warten lassen. So hat sich der hohe Anteil an den weltweiten
Frachtkapazitäten, der sich vor großen Häfen aufgestaut hat, bis zuletzt
kaum verringert. Auch laut Unternehmensbefragungen ist für die nächsten
Monate noch keine nachhaltige Linderung in Sicht.
Sobald sich die Lieferengpässe lösen, wird die Produktion kräftig zulegen.
Die zuletzt deutlichen Rückgänge der Auftragseingänge ändern daran
zunächst einmal wenig, da sich die Auftragsbestände der Unternehmen auf
Rekordniveau befinden und es ohnehin längere Zeit in Anspruch nehmen wird,
sie abzuarbeiten. Insgesamt bleibt die Lage bei den internationalen
Lieferketten aber fragil, und Rückschläge beispielsweise aufgrund der
Verbreitung der neuen Omikron-Variante können die Lage weiter
verschärfen.“
Weitere Informationen zur Bedeutung der Lieferengpässe für die deutsche
Konjunktur:
• Beckmann, Gern, Jannsen: “Lieferengpässe bleiben Belastungsfaktor”
(https://www.ifw-kiel.de/de/ex
bleiben-belastungsfaktor-16784
• Jannsen, Beckmann: IfW Box: “Bedeutung von Lieferengpässen für die
laufende Produktion in Deutschland” (https://www.ifw-
kiel.de/de/publikationen/ifw-b
die-laufende-produktion-in-deu
