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Kreative Problemlösung als Schulwissen

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Am 8. Dezember ist Tag der Bildung, eine Initiative des Stifterverbands.
Das Thema Bildung soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt,
gesellschaftliche Diskussionen angeregt werden. Ein Interview mit
Entrepreneurship-Professor Dr. Sven Ripsas von der HWR Berlin.

Zur Person
Prof. Dr. Sven Ripsas ist Professor für Entrepreneurship an der Hochschule
für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Er setzt sich für mehr
ökonomische Bildung, vor allem für die Förderung des „entrepreneurial
mindsets“ in Schulen ein. Er plädiert für die Einführung eines Schulfachs
„Wirtschaft“ und Entrepreneurial Education.

Herr Prof. Ripsas, was genau fehlt in der Schule?

Deutschland gehört innerhalb der EU in Sachen Entrepreneurship Education
zu den Schlusslichtern, da es trotz der Erfolge der sozialen
Marktwirtschaft eine unerklärliche Skepsis unter Lehrer*innen gegenüber
Marktprozessen gibt. Es fehlt ein positives Narrativ. In Deutschland
denken viele beim Thema Entrepreneurship (auf Deutsch: Unternehmergeist),
nur an Geld und Männer. Dabei zielt die moderne Entrepreneurship Education
auf alle Schülerinnen und Schüler und hat das kreative Problemlösen als
Mittelpunkt. Ökonomie, Ökologie und Digitalisierung müssen vernetzt
gedacht werden. Sozial Unternehmer*innen sind genauso Vorbilder wie
Technologiegründer*innen.

Warum ist es wichtig, mehr Wirtschaft als bisher im Lehrplan zu verankern
und anders als im Fach „Wirtschaft, Arbeit, Technik“?

Ich möchte die jungen Menschen ertüchtigen, das Leben in die eigenen Hände
zu nehmen. Unabhängigkeit ist für uns alle ein wichtiges Lebensgefühl.
Nicht vom Staat oder dem Arbeitgeber abhängig zu sein, sondern das zu tun,
was ich besonders mag und gut kann, eröffnet mir eine positive
Lebenseinstellung und ein hohes Selbstwertgefühl. Entrepreneurship
Education ist Empowerment und ermöglicht reale Teilhabe.

Weshalb gehört das für Sie zum notwendigen Alltagswissen?

95 Prozent der deutschen Bildungspolitiker*innen und bestimmt auch 95
Prozent der Medienvertreter*innen und Eltern ist der Unterschied zwischen
Entrepreneur und Kapitalist unbekannt. Dabei sehen sie fast täglich, wie
Menschen mit Kreativität und Idealismus und wenig Kapital Unternehmen
gründen und Produkte und Dienstleistungen schaffen, von denen wir sehr
häufig profitieren. Eine Unternehmensgründung ist eine Herkulesaufgabe,
umso mehr, als die ökologische Nachhaltigkeit des neuen Unternehmens im
Jahr 2021 eine wichtige Rolle spielt.

Sie sind ehrenamtlicher Vorsitzender des Network for Teaching
Entrepreneurship in Deutschland. Was bringen Sie Lehrer*innen bei?

Wir helfen den Pädagog*innen, Entrepreneurship als Prozess des Entdeckens
zu verstehen. Es geht nicht um Kostenreduzierung und Ausbeutung, sondern
die kreative und sparsame Nutzung von Ressourcen und neuen Technologien,
darum, unseren Lebensstandard zu erhalten. Social Entrepreneurship ist
dabei eine fantastische Brücke, denn hier geht es vor allem um das
Gemeinwohl. Social Entrepreneurship ist genauso wichtig, wie das
gewinnorientierte Startup, das dann die Steuern zahlt, um
Sozialunternehmen zu ermöglichen.

Prof. Ripsas, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sylke Schumann, Pressesprecherin der Hochschule für
Wirtschaft und Recht Berlin.

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit über 11 500
Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften –
mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen
Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das
Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und
Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in über 60
Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin
unterhält 195 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen
Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for
Excellence“. Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bei der
internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen und im Dualen
Studium belegt die HWR Berlin Spitzenplätze in deutschlandweiten Rankings
und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Die HWR Berlin ist
einer der bedeutendsten und erfolgreichen Hochschulanbieter im
akademischen Weiterbildungsbereich und Gründungshochschule. Die HWR Berlin
unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene
Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

http://www.hwr-berlin.de