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Mythen um den brasilianischen Rassismus: ein Blick aus Sicht der Schwarzen Feministischen Theorie

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Dritte Berlin Southern Theory Lecture mit der brasilianischen Philosophin
Djamila Ribeiro am 9. Dezember 2021.

Von Brasilien aus wurde das Konstrukt der sogenannten „Rassendemokratie“
in zahlreiche internationale akademische Zentren exportiert.
Rassendemokratie ist die Vorstellung, dass es in dem Land eine Überwindung
der Rassenkonflikte und ein harmonisches Zusammenleben zwischen Weißen,
Schwarzen und Indigenen gibt. In ihrem Vortrag möchte Djamila Ribeiro
aufzeigen, wie schwarze brasilianische Feministinnen sowie andere
Denker*innen diese Theorie demontieren und dem Mythos der Rassendemokratie
trotzen. Ein Augenmerk legt sie dabei auf die Betrachtung der „Mulata“ als
soziale Gruppe sowie die theoretischen und kritischen Überlegungen in
Bezug auf die Figur der Schwarzen Mutter, die tief in der
Kolonialgeschichte verwurzelt ist. Ausgehend von der Konfrontation mit
diesen Mythen hat der Vortrag zum Ziel, kritische Reflexionen über die
historische Tradition solcher Kämpfe und die Beiträge brasilianischer
Schwarzer Feministinnen hierbei anzustellen.

Djamila Ribeiro ist Intellektuelle, Schriftstellerin und Philosophin,
Aktivistin für soziale Gerechtigkeit und eine der einflussreichsten
Stimmen in der afro-brasilianischen Frauenrechtsbewegung. Sie hat einen
Abschluss in Philosophie und einen Master in politischer Philosophie von
der Bundesuniversität von São Paulo. Sie ist außerdem Gastprofessorin am
Fachbereich Journalismus der Päpstlichen Katholischen Universität São
Paulo und Stipendiatin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie
wurde mit dem Prinz-Claus-Preis 2019 des Königreichs der Niederlande
ausgezeichnet und von der BBC als eine der 100 einflussreichsten Frauen
der Welt bezeichnet. Im Jahr 2020 erhielt sie den Jabuti-Preis, den
wichtigsten Preis der brasilianischen Literaturwelt. 2021 war sie die
erste Brasilianerin, die bei den BET Awards ausgezeichnet wurde.

Moderiert wird der Vortrag von den Sozial- und Kulturanthropolog*innen
Kristina Mashimi von der Freien Universität Berlin und Kai Kresse, der
neben seiner Professur an der Freien Universität stellvertretender
Direktor des Leibniz-Zentrum Moderner Orient ist. Diskutantin ist Juliana
Streva vom Forschungsprojekt „Beyond social cohesion – Global repertoires
of living together (RePLITO)“ am Lateinamerika-Institut an der Freien
Universität Berlin, gefördert von der Berlin University Alliance. In ihrer
Arbeit beschäftigt sich Streva seit langem mit feministischen Positionen
in Lateinamerika, Aspekten der Identitätspolitik sowie antirassistischen
und dekolonialen Bewegungen.

Ziel der seit 2019 jährlich stattfindenden Berlin Southern Theory Lecture
ist es, Beiträge zur Erkenntnistheorie aus dem Globalen Süden in den
Vordergrund zu rücken. Die Vortragsreihe soll zu einem globalen
Wissensaustausch beitragen und postkoloniale Asymmetrien aufzeigen, sodass
theoretische Debatten in den Sozial- und Geisteswissenschaften an Vielfalt
gewinnen. Den ersten Vortrag zum Auftakt hielt im Dezember 2019 Felwine
Sarr aus Senegal im Ethnologischen Museum. 2020 sprach die indische
Historikerin Prathama Banerjee vor einem großen (Online-)Publikum. Die
Veranstaltung wird vom Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der
Freien Universität Berlin und dem Leibniz-Zentrum Moderner Orient in
Zusammenarbeit mit dem Forschungscampus Dahlem und der Arbeitsgruppe
„co2libri“ organisiert, mit Unterstützung vom Berlin Center for Global
Engagement innerhalb der Berlin University Alliance.

Veranstaltung:
Myths around Brazilian Racism: a View through the Lens of Black Feminist
Theory
Donnerstag, 9. Dezember 2021, 17 Uhr
Der Vortrag findet online via Webex statt. Den Link zur Veranstaltung
finden Sie hier:
https://www.polsoz.fu-
berlin.de/ethnologie/forschung/Southern_Theory_Lecture/3rd_Berlin_Southern_Theory_Lecture/index.html