KIT: Sportwissenschaft: Appell für einen Bewegungspakt
Schon vor der Corona-Pandemie haben sich die meisten Kinder und
Jugendlichen in Deutschland weniger bewegt als von der
Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Durch Schul- und
Vereinsschließungen während der Lockdowns konnten die gesunderhaltenden 60
Minuten körperlich-sportliche Aktivität über den Tag verteilt erst recht
nicht erreicht werden, da beispielsweise der tägliche Schulweg wegfiel.
Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) halten deshalb eine Qualitätsoffensive von Kommunal- und
Bundespolitik für eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung
Heranwachsender für notwendig.
Schon vor der Corona-Pandemie haben sich die meisten Kinder und
Jugendlichen in Deutschland weniger bewegt als von der
Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Durch Schul- und
Vereinsschließungen während der Lockdowns konnten die gesunderhaltenden 60
Minuten körperlich-sportliche Aktivität über den Tag verteilt erst recht
nicht erreicht werden, da beispielsweise der tägliche Schulweg wegfiel.
Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) halten deshalb eine Qualitätsoffensive von Kommunal- und
Bundespolitik für eine hochwertige Sport- und Bewegungsförderung
Heranwachsender für notwendig.
Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_202
bewegungspakt.php
„Wir haben die Sorge, dass die Pandemie eine Generation hinterlässt, der
es an Fitness fehlt, und sich dies langfristig negativ auf ihre Gesundheit
auswirkt“, sagt Sportwissenschaftler Professor Alexander Woll, Leiter des
Instituts für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) am KIT. Gemeinsam mit
Fachkolleginnen und -kollegen des deutschlandweit einzigen
interinstitutionellen Forschungszentrums für den Schulsport und den Sport
von Kindern und Jugendlichen (FoSS) – das vom KIT und der Pädagogischen
Hochschule Karlsruhe getragen wird – haben die Forscherinnen und Forscher
„5 Thesen und 11 Empfehlungen zur Bewegungs- und Sportförderung vor dem
Hintergrund der Corona-Pandemie“ veröffentlicht. Zum heutigen Tag der
Bildung (8. Dezember) weisen sie nachdrücklich darauf hin.
Das Papier betont die Bedeutung körperlicher Aktivität der Heranwachsenden
für lebenslange physische und seelische Gesundheit sowie soziales
Wohlbefinden. Es basiert auf Studiendaten der bundesweit repräsentativen
Motorik-Modul-Studie und des Fitnessbarometers der Kinderturnstiftung
Baden-Württemberg, die unter anderem zeigen, dass die körperliche
Alltagsaktivität und die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und
Jugendlichen im zweiten Lockdown im Vergleich zum ersten deutlich abnahm.
„Nicht nur in Mathe und Deutsch müssen Defizite aufgeholt werden, auch die
motorische Entwicklung ist unabdingbar für die ganzheitliche Bildung, und
wir sollten hier keine Kinder zurücklassen“, betont Dr. Claudia Niessner,
Projektleiterin der Motorik-Modulstudie.
Qualitätsoffensive für die sportpädagogische Ausbildung
Gemeinsame Anstrengungen, um Bewegungs- und Sportangebote in Schulen,
Vereinen und in der Freizeit zu sichern, seien auf Bundes-, Länder- und
Kommunalebene notwendig und sollten in einem Bewegungspakt umfangreich
finanziell gefördert werden, so Woll.
Auf kommunaler Ebene sei eine gute Vernetzung zwischen Sport- und
Bildungsinstitutionen (Kita/Schule) wichtig, damit Bewegungsangebote in
allen Settings (inklusive Schulsport und obligatorischem Sportunterricht)
qualitativ hochwertig sind und die Heranwachsenden davon nachhaltig
profitieren, sagt die Leiterin des FoSS Professorin Swantje Scharenberg.
„Es gibt in Deutschland eine flächendeckende Landschaft an
Sportorganisationen, die ein großes kreatives Potenzial und einen
Erfahrungsschatz haben, neue Formate und Konzepte zu erarbeiten“, so die
Expertin. „Der Pandemie geschuldet, haben diese viele gute Angebote
entwickelt, auch digital gestützt, und öffentlich bereitgestellt. Wir
sollten diese Ideen für das gesunde, aktive Aufwachsen der Kinder in einer
Qualitätsoffensive in der (sport)pädagogischen Aus- und Fortbildung
bündeln!“
Bewegungsflächen in den Städten
Städteplanerisch sei es wichtig, im nahen Wohnumfeld Flächen für Bewegung,
Spiel- und Sport zu schaffen, „besonders in eng bebauten Gebieten“, um
sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen, heißt es in
dem Papier. Kinder, die in mehrstöckigen Häusern in der Großstadt wohnen,
hätten sich während der Pandemie am wenigsten bewegt, erläutert Niessner.
Die Autorinnen und Autoren schlagen zudem vor, länderübergreifende
Konzepte für qualitativ hochwertige, digitale Bewegungsangebote
umzusetzen. „Während der Pandemie gab es erste gute Konzepte für
ergänzenden digitalen Kinder- und Jugendsport“, sagt Woll. Diese Ansätze
sollten gefördert und qualitätsgesichert weiterentwickelt in die
Gestaltung von Bildungsplänen einfließen.
Die Überlegungen der Autorinnen und Autoren basieren auf Erkenntnissen aus
der bundesweit repräsentativen Motorik-Modul-Studie (MoMo) zur Entwicklung
von Motorik und körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern und
Jugendlichen. „Ein deutschlandweites, langfristiges Monitoring der
motorischen Fähigkeiten und des Bewegungsverhaltens von Kindern und
Jugendlichen wird benötigt, um weiterhin die Folgen der Corona-Pandemie zu
beobachten, und die Datenbasis für Interventionen zu schaffen“, betonen
die Forschenden. Die seit 2003 laufende MoMo-Studie als Teil der Studie
zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) des
Robert Koch-Instituts (RKI) endet 2022. (afr)
Thesenpapier
Woll, A., Scharenberg, S., Klos, L., Opper, E., & Niessner, C. (2021).
Fünf Thesen und elf Empfehlungen zur Bewegungs- und Sportförderung für
Kinder und Jugendliche vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. „Es ist
bereits fünf nach Zwölf – wir fordern einen Bewegungspakt!“. KIT
Scientific Working Papers, 174.
https://doi.org/10.5445/IR/100
