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Für eine verantwortungsvolle Forschung zu mariner Kohlendioxid-Entnahme

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Forschung zu marinen Methoden der Entnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der
Atmosphäre ist wichtig. Sollte aber nicht nur die Machbarkeit und
Wirksamkeit betrachten, sondern auch politische, soziale und rechtliche
Rahmenbedingungen in den Blick nehmen. Dies empfehlen zwei neue in den
Vereinigten Staaten von Amerika veröffentlichte Berichte, an deren
Entstehung Forscher des GEOMAR und der Deutschen Allianz Meeresforschung
beteiligt waren. Die Schlussfolgerungen sind von internationaler Relevanz.

Die Verringerung von Treibhausgasemissionen und die Begrenzung des
globalen Temperaturanstiegs sind die oberste Priorität der globalen
Klimapolitik. Da die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) jedoch noch immer
steigen, ist es mittlerweile fast unmöglich, die bei der
Weltklimakonferenz von Paris vereinbarten Klimaziele zu erreichen, ohne
zusätzlich zur massiven Reduzierung der Emissionen auch CO2 aus der
Atmosphäre zu entfernen. Der Ozean rückt als Teil neuer Methoden für die
Entnahme von Kohlendioxid immer mehr in den Fokus der nationalen und
internationalen Forschung: Er puffert nicht nur auf natürliche Weise einen
großen Teil der von Menschen verursachten CO2-Emissionen ab – sondern
liefert auch zusätzliche Optionen für eine verstärkte Reduzierung der
Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre.

Zwei jetzt erschienene Berichte der US-amerikanischen National Academies
of Sciences, Engineering and Medicine (NASEM) und des Aspen Institute
fassen das derzeitige Wissen über marine CO2-Entnahme-Methoden zusammen
und zeigen konkrete Wege für eine verantwortungsvolle Erforschung und
Entwicklung vielversprechender mariner CDR-Konzepte auf. „Eine wichtige
Botschaft des NASEM-Reports ist, dass Forschung nicht nur
naturwissenschaftliche Fragen zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen
verschiedener mariner CO2-Entnahme-Methoden untersucht, sondern auch
politische, soziale und rechtliche Rahmenbedingungen einbezieht“, betont
Professor Dr. Andreas Oschlies. Der Leiter der Abteilung Biogeochemische
Modellierung am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und
erster Sprecher der Mission „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur
Dekarbonisierung“ (CDRmare) der Deutschen Allianz Meeresforschung war als
einer von zwölf Wissenschaftler*innen an der Erstellung des Berichts
beteiligt.

„Die Empfehlungen der US-Amerikanischen Wissenschaftsakademien haben
internationale Relevanz“, so Professor Oschlies. „Wir alle stehen vor der
Frage, wie wir unsere Klimaziele einhalten können. Die Forschung kann hier
zur Entscheidungsfindung beitragen, indem sie sowohl biologische Methoden
wie etwa die Wiederherstellung von marinen Ökosystemen, Algenanbau, oder
auch Ozeandüngung, als auch chemische Methoden wie Alkalinisierung des
Meerwassers umfassend untersucht. Hier geht es nicht nur um die technische
und ökologische Machbarkeit, sondern auch um soziale, politische und
rechtliche Aspekte, Zielkonflikte und Synergien im Rahmen einer
nachhaltigen Nutzung des Ozeans.“

Parallel zum NASEM-Report veröffentlicht das Aspen Institut einen
Leitfaden für verantwortungsvolle Forschung und Innovation zu marinen CO2
-Entnahme-Methoden. Dr. David Keller, Erdsystemmodellierer am GEOMAR und
Teil des Expert*innengremiums für den Leitfaden erklärt: „Der Aspen-
Bericht bietet einige dringend benötigte Anhaltspunkte für eine
verantwortungsvolle Forschung und Entwicklung und ist ein wichtiger
Schritt zur Ausarbeitung eines umfassenden Verhaltenskodex für
Forschungsansätze zu marinen CO2-Entnahme-Methoden.“ Dr. Keller brachte
auch Erfahrungen aus dem von ihm koordinierten und von der Europäischen
Union geförderten Projekt Ocean-Based Negative Emission Technologies
(OceanNETs) ein. In dem Projekt arbeiten 14 Institutionen an der
Beantwortung wichtiger Fragen zu Potenzialen und Risiken ozean-basierter
CO2 Entnahme-Methoden.

Professorin Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR und Vorstandsmitglied
der Deutschen Allianz Meeresforschung begrüßt die Vorschläge für eine
integrative Ausrichtung der Forschung: „Der Ozean ist einerseits vom
Klimawandel betroffen und andererseits Teil der Lösung: Er bietet uns
Optionen, um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entnehmen und sicher zu
speichern. Dieses Potenzial zu quantifizieren, Chancen und Risiken zu
untersuchen und nachhaltige Ansätze einer möglichen Nutzung zu
identifizieren, ist ein wichtiger Teil unserer Forschung am GEOMAR und in
der Deutschen Allianz Meeresforschung. Es genügt aber nicht, gute
Wissenschaft zu machen. Wir müssen unsere Ergebnisse auch in die
Gesellschaft tragen und der Politik fundiertes Handlungswissen
bereitstellen.“

Publikationen:

National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, 2021: A
Research Strategy for Ocean-based Carbon Dioxide Removal and
Sequestration. Washington, DC: The National Academies Press.
https://doi.org/10.17226/26278.

The Aspen Institute Energy and Environment Program, 2021: Guidance for
Ocean-Based Carbon Dioxide Removal Projects: A Pathway to Developing a
Code of Conduct. https://bityl.co/9zrs

Hintergrundinformationen CDRmare:

In der Forschungsmission „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur
Dekarbonisierung“ – kurz: CDRmare – der Deutschen Allianz Meeresforschung
(DAM) untersuchen rund 200 Forschende in sechs Verbundprojekten, wie und
in welchem Umfang der Ozean eine nachhaltige Rolle bei der Entnahme und
der Speicherung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre spielen kann.
Übergreifend koordiniert wird CDRmare (CDR = Carbon Dioxide Removal =
Kohlendioxidentnahme) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
und am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die
Forschungsmission mit 27 Mio. Euro über eine erste Phase von drei Jahren
(1.8.2021 – 31.7.2024). Die Deutsche Allianz Meeresforschung erarbeitet
mit ihren 22 Mitgliedseinrichtungen lösungsorientiertes Wissen und
Handlungsoptionen für einen nachhaltigen Umgang mit den Küsten, Meeren und
Ozeanen.

Hintergrundinformationen OceanNETs:

In dem Projekt Ocean-based Negative Emission Technologies (OceanNETs)
beschäftigen sich Wissenschaftler*innen aus 14 Institutionen in sechs
Ländern mit Chancen und Risiken ozean-basierter Technologien für „negative
Emissionen“. Das Projekt wird von der EU im Rahmen des
Horizon2020-Programms (Bewilligungs-Nr. 869357) mit insgesamt 7,2
Millionen Euro gefördert und hat eine Laufzeit von 5 Jahren (01.07.2021 –
31.06.2025). Die Gesamtkoordination liegt beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum
für Ozeanforschung Kiel.

Originalpublikation:
National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, 2021: A
Research Strategy for Ocean-based Carbon Dioxide Removal and
Sequestration. Washington, DC: The National Academies Press.
https://doi.org/10.17226/26278.

The Aspen Institute Energy and Environment Program, 2021: Guidance for
Ocean-Based Carbon Dioxide Removal Projects: A Pathway to Developing a
Code of Conduct. https://bityl.co/9zrs