Zum Hauptinhalt springen

Depressionen oder Schizophrenie können jeden treffen! Neuer Stiftungsfonds fördert psychologische Forschung

Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm  Elvira Eberhardt  Universität Ulm
Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm Elvira Eberhardt Universität Ulm
Pin It
Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm  Elvira Eberhardt  Universität Ulm
Dankbar für den neuen Stiftungsfonds (v.l.): Ellen Kamrad (Stiftung der Universität Ulm) und die Forschenden Prof. Anke Huckauf, Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Prof. Harald Baumeister und Prof. Olga Pollatos, Vizepräsidentin der Universität Ulm Elvira Eberhardt Universität Ulm

Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind weit verbreitet - trotzdem
erhalten nicht alle Betroffenen rechtzeitig Hilfe. Diese Erfahrung musste
eine Ulmer Familie machen, deren erkrankter Sohn sich das Leben genommen
hat. Um die psychologische Forschung zur Prävention, Früherkennung und
Behandlung solcher Krankheiten zu stärken, haben Mutter und Bruder des
Verstorbenen einen Stiftungsfonds an der Universität Ulm eingerichtet. Das
Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm ist in diesem
Forschungsfeld nämlich sehr aktiv. Künftig sollen aus dem
Stiftungsvermögen unter anderem Preise für exzellente Dissertationen und
Abschlussarbeiten vergeben werden.

An der Universität Ulm ist der Clemens Gabriel-Stiftungsfonds eingerichtet
worden. Stiftungszweck ist die Förderung von Forschungsprojekten zur
Prävention, Früherkennung und Therapie psychischer Erkrankungen. Die
Zuwendung an die Universität hat einen traurigen Hintergrund: Der Sohn der
Stifterin hat sich unerwartet das Leben genommen. Familie und Freunde
ahnten nicht, dass der Student schwer erkrankt war und psychologische
Hilfe in Anspruch nehmen wollte.

Bundesweit leidet etwa jeder vierte Erwachsene an einer psychischen
Störung. Doch nicht allen Betroffenen kann rechtzeitig geholfen werden.
Diese Erfahrung musste eine Ulmer Familie machen, deren Sohn tot
aufgefunden wurde. Wenige Tage zuvor hatte der 19-Jährige seine seelischen
Probleme offenbart. Den tatsächlichen Leidensdruck haben Familie, Freunde
und Ärzte jedoch nicht erahnt.

Um die Forschung zur Prävention, Früherkennung und Behandlung psychischer
Erkrankungen zu fördern, haben Mutter und Bruder des verstorbenen Uni-
Studenten einen Fonds bei der Stiftung der Universität Ulm eingerichtet.
Künftig sollen aus dem Stiftungsvermögen unter anderem Forschungspreise
für exzellente Dissertationen und Abschlussarbeiten aus der Psychologie
vergeben werden. Auch die fachgebundene Vergabe von Deutschlandstipendien
ist denkbar. „Der Tod unseres Sohnes hat die Familie in den Grundfesten
erschüttert. Mit dem Clemens Gabriel-Stiftungsfonds soll nun die
psychologische Forschung zur Diagnostik und Therapie solcher Erkrankungen
unterstützt werden und mehr Aufmerksamkeit bekommen“, betont die
Stifterin. Betroffene sollten sich trauen, Hilfe zu suchen, denn diese
Krankheiten können vielfältige Ursachen haben und jeden treffen.

Das Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm ist in
diesem Forschungsfeld bereits sehr aktiv: In Zukunft können diese und
weitere Projekte aus dem Stiftungsfonds unterstützt werden.
Im Zuge eines ERC Consolidator Grants ergründet zum Beispiel Professorin
Iris-Tatjana Kolassa (Leiterin Abteilung für Klinische und Biologische
Psychologie) die biologischen Ursachen von Depressionen, die sie als
systemische Energiemangelerkrankung betrachtet. Auslöser können psychische
Dauerbelastungen, Traumata, aber auch  Stressoren wie Infektionen oder
Antibiotikaeinnahme sein, die in Summe Veränderungen im Stoffwechsel sowie
in Entzündungsprozessen auslösen können. Individuelle genetische Faktoren
und Ernährungsfaktoren sind zusätzliche mögliche Risiko- aber auch
Resilienzfaktoren. Iris-Tatjana Kolassas Forschungsziel sind individuell
angepasste biologische Begleittherapien.

Die Prävention von psychischen und internistischen Erkrankungen steht
hingegen im Mittelpunkt des Projekts INFLAME HEALTH: Gemeinsam mit
Forschenden der Universitätsmedizin ergründen die Psychologie-
Professorinnen Cornelia Herbert, Iris-Tatjana Kolassa und Olga Pollatos
die Auswirkungen von Lebensstiländerungen auf die Krankheitsentstehung. Zu
nennen sind beispielsweise körperliche Aktivität oder
Entspannungstechniken.

Erkrankte müssen oft lange warten, bis sie eine Psychotherapie beginnen
können. Daher nimmt Professor Harald Baumeister Online-Interventionen als
Alternative und Ergänzung zur klassischen Präsenztherapie in den Blick. Im
Vorhaben PSYCHOnlineTHEARAPIE erforscht der Abteilungsleiter Klinische
Psychologie und Psychotherapie die Wirksamkeit einer Kombination aus
psychotherapeutischer Routineversorgung und Online-Modulen.

Ein Gütesiegel für das Ulmer Institut Psychologie und Pädagogik sei zudem
die Beteiligung an den entstehenden Deutschen Zentren für Psychische
Gesundheit (DZP) und Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ), betonte
Institutsleiterin sowie Prodekanin Professorin Anke Huckauf bei der
Einrichtungsfeier des Stiftungsfonds.
„Im Namen der Universität Ulm bedanke ich mich bei der Stifterin und ihrer
Familie für die großzügige Zuwendung, die unsere psychologische Forschung
in den Bereichen Diagnostik, Prävention und Therapie weiter voranbringt“,
sagte Professorin Olga Pollatos, Uni-Vizepräsidentin sowie Leiterin der
Abteilung Klinische und Gesundheitspsychologie.