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Weltkatalog der Spinnentiere fördert grenzenlose Forschung

Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles  LIB, Nadine Dupérré
Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles LIB, Nadine Dupérré
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Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles  LIB, Nadine Dupérré
Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere ist jetzt eine neue internationale Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen, hier eine neue Spinnenart, Loxosceles LIB, Nadine Dupérré

Grenzenlose Spinnentierforschung: Mit dem Weltkatalog der Spinnentiere
(World Arachnid Catalog, WAC) ist jetzt eine neue internationale
Forschungsplattform für fast alle Spinnentiere an den Start gegangen.
Dieses interaktive Arbeitsmedium soll der weltweit verbundenen
arachnologischen Gemeinschaft als primäre Quelle zu taxonomischen Daten
sowie neuster Literatur dienen und deren Forschung fördern. Das Leibniz-
Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat als
Kooperationspartner einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der Plattform
geleistet.

Der World Arachnid Catalog (WAC) gründet auf dem im Internet frei
zugänglichen und 2014 neu aufgelegten Weltspinnenkatalog (World Spider
Catalog). Unter Leitung des Naturhistorischen Museums Bern (Schweiz) hatte
er einen Standard für taxonomische Kataloge gesetzt.

Mit dem Ausbau zum WAC bezieht die zugrunde liegende Datenbank erstmals
Informationen zu bisher wenig berücksichtigten weiteren Ordnungen der
Spinnentiere mit ein. Dank der kuratorischen Arbeit von Dr. Danilo Harms,
Kurator und Sektionsleiter Arachnologie am LIB, Hamburg, und seinen
Kolleginnen und Kollegen aus Perth (Australien) wird hier nun gebündelt
der Großteil der taxonomischen Literatur für Pseudoskorpione und weitere
Spinnentierordnungen wie beispielsweise Geißelspinnen und Geißelskorpione
bereitgestellt.

„Die neue Datenbank bietet damit einen großen Diversitätsgewinn und legt
die Grundlage zu einer vollständigen Erfassung aller Arten der
Spinnentiere“, betont Harms. Zudem listet der WAC auch die fossilen Arten
aus den einzelnen Spinnentierordnungen auf, so dass neben der heutigen
Vielfalt auch die Diversität über die Zeit abgeschätzt werden kann.
Basierend auf einer über 80-jährigen Tradition stellt der neue WAC
kuratierte Informationen kostenlos und leicht zugänglich bereit. Im Sinne
einer dynamischen, interaktiven und gemeinschaftlich gepflegten Datenbank
sind Rückmeldungen sowie Vorschläge von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern erwünscht. Kontinuierlich überprüfen Expertinnen und
Experten die Informationen und aktualisieren die Einträge. Zudem
gewährleistet ein wissenschaftlicher Beirat einen hohen akademischen
Standard. So soll der WAC fortlaufend auf hohem Niveau weiterentwickelt
werden. „Wir hoffen, dass der neue Katalog die grenzüberschreitende
Forschung sowie die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten und
Erkenntnisse für Arachnologen in aller Welt erleichtert“, betont Harms.

Im neuen Weltkatalog der Spinnentiere fließen internationale
Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahrhunderten zusammen.
Inhaltlich ist es ein Zusammenschluss bislang getrennt gepflegter
Kataloge: die des äußerst erfolgreichen World Spider Catalog, des
Pseudoscorpions of the World Catalog und der Smaller Arachnid Order
Catalogues. Die neue digitale Plattform bietet gebündelt alle verfügbaren
taxonomischen Informationen inklusive Literatur zu acht der aktuell zwölf
Spinnentierordnungen (Amblypygi, Araneae, Pseudoscorpiones, Ricinulei,
Palpigradi, Schizomida, Solifugae und Uropygi). Aktuelle Zählungen von
Familien, Gattungen und Arten werden zusammen mit der aktuellen Taxonomie
und der kompletten Nomenklatur für jede Ordnung angegeben.

Die Geschichte dieser Kataloge reicht in die erste Hälfe des 20.
Jahrhunderts zurück. Die Basis bildeten die Forscher Pierre Bonnet
(University of Toulouse, Frankreich), Carl Friedrich Roewer
(Überseemuseum, Bremen), und Norman Platnick (American Museum of Natural
History, New York). Bonnets von 1945 bis 1961 veröffentlichte Bände geben
einen detaillierten Überblick über die bis 1939 erschienene Literatur zu
allen Aspekten der Spinnenbiologie. Hier knüpft Roewers Spinnenkatalog an,
der das Spektrum der 1940 bis 1954 erschienenen taxonomischen Literatur
zur Arachnologie abdeckt. Ab Mitte der 1980er Jahre spielte Norman I.
Platnick vom American Museum of Natural History New York eine wichtige
Rolle in der Fortführung und stellte seinen World Spider Catalog 2000 frei
verfügbar ins damals noch neue Internet. 2014 schließlich übernahm das
Naturhistorische Museum Bern (Schweiz) die Federführung des
internationalen Spinnenkatalogs, der damals zu einer echten Datenbank
verbessert und jetzt zum WAC ausgebaut wurde.

Danilo Harms: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Daten
verschiedener Kataloge nun hier im WAC in aktualisierter Form für die
Forschung zugänglich zu machen. Der WAC wird die arachnologische Forschung
dynamisieren und insbesondere Forscherinnen und Forschern in weniger gut
ausgestatteten Institutionen Zugang zu Spezialliteratur und
wissenschaftlichen Daten ermöglichen. Dies ist insbesondere wichtig für
Spinnenforschende in den extrem biodiversen Tropen, wo auch die meisten
Arten vorkommen“.