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Wie Lieferketten widerstandsfähiger werden

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Lieferketten sind bei unvorhergesehenen Ereignissen störungsanfällig, das
hat die Corona-Krise deutlich gezeigt. Eines von vielen Beispielen für
gestörte Lieferketten ist die derzeitige Halbleiterknappheit, mit der
nicht nur die Autohersteller zu kämpfen haben. Was aber können Unternehmen
tun, um sich auf schwierige Situationen vorzubereiten? Wie können sie
eigene Schwächen frühzeitig erkennen? Forscher der WHU – Otto Beisheim
School of Management haben durch das Konsortialprojekt SPAICER eine
Antwort darauf gefunden. Das Konzept eines datengestützten
Resilienzindexes eröffnet die Möglichkeit, Schwächen in Lieferketten zu
simulieren, noch bevor diese überhaupt unterbrochen werden.

Resilienz – die Fähigkeit, bei Störungen Auswege zu finden und weiterhin
zu funktionieren – ist für Unternehmen der zentrale Faktor, um erfolgreich
in Krisensituationen bestehen zu können. Sie kann durch gute Vorbereitung,
gezielte Reaktionen auf Störungen und durch Anpassungsfähigkeit an neu
entstandene Situationen erhöht werden. Aber wie kann ein Unternehmen
erkennen, wie resilient es ist?

Diese Lücke könnte ein datengestützter Resilienzindex schließen. Das
Konzept eines simulationsbasierten Ansatzes des SPAICER-Projekts geht
darauf ein, wie gut ein Unternehmen mit möglichen Störungen umgehen kann.
Dabei kann der Index Aufschluss über die Resilienz eines Unternehmens
geben, indem er simuliert, inwiefern sich die Leistungsfähigkeit einer
Firma ändert, wenn sie mit speziellen, schwierigen Situationen
konfrontiert wird. Ist eine Firma resilient, wird sich ihre Leistung auch
bei Störungen von Lieferketten kaum verschlechtern. Wichtig ist dabei,
dass mit dem Resilienzindex nicht nur eine einmalige Einschätzung erfolgt,
sondern ein kontinuierlicher Prozess eingeleitet wird, der zum
Tagesgeschäft eines Unternehmens gehört und für den entsprechende
Ressourcen bereitgestellt werden sollten.

Der datengestützte Ansatz hat den entscheidenden Vorteil, objektiv und
präzise Schwachstellen identifizieren zu können und berücksichtigt dabei
auch die Individualität der Unternehmen. Darüber hinaus könnte dieser
Index effizienter als bisherige Indizes sein. Es werden kontinuierlich
große Datenmengen erhoben und ausgewertet, ohne dass dafür ein übermäßiger
Einsatz von Personal erforderlich wäre.

Schwierigkeiten sieht das SPAICER-Konsortium nur in der oft noch
eingeschränkten Verfügbarkeit von Daten. Um die Verfügbarkeit der Daten zu
verbessern, ist es für Unternehmen ratsam, in die eigene IT-Infrastruktur
zu investieren und ein einheitliches „Datenökosystem“ aufzubauen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Jan Sporkmann, Lehrstuhl für Logistikmanagement an der WHU:
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Originalpublikation:
Öksüz, N.; Bouschery, S.; Schlappa, M.; Unterberg, M.; Sporkmann, J.
(2021): Towards an Artificial Intelligence based Approach for
Manufacturing Resilience, in: 22. VDI-Kongress AUTOMATION 2021 -
Navigating towards resilient production. VDI Automatisierungskongress
(AUTOMATION-2021), 29./30. Juni 2021.