Spielfeld mit endlosen Möglichkeiten
Im letzten Jahr feierte das Institut für Psychologie der Universität
Würzburg sein 125-jähriges Bestehen. Eine neue Ausstellung des Adolf-
Würth-Zentrums für Geschichte der Psychologie begleitet das Jubiläum.
Steigende Infektionszahlen, besorgniserregende Entwicklungen, eine nicht
enden wollende Baumaßnahme in den eigenen Museumsräumen und dann auch noch
ein 125-jähriges Jubiläum der Gründung des Instituts für Psychologie der
Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU): Ganz schön viele
Herausforderungen, denen sich das Adolf-Würth-Zentrum (AWZ) für Geschichte
der Psychologie im zweiten Jahr der Corona-Pandemie stellen musste.
Trotzdem ist es dem Team um AWZ-Leiter Professor Armin Stock gelungen,
auch unter diesen Bedingungen eine neue Ausstellung zu konzipieren und zu
realisieren. Ihr Titel: „Facetten aus der Geschichte des Institutes für
Psychologie“; zu sehen ist sie ab sofort.
„Es war ein großes Abenteuer, diese Ausstellung mal auf ganz andere Art
und Weise zu konzipieren“, berichtet Armin Stock. Vor allem drei Fragen
hätten ihn und sein Team dabei beschäftigt: Wie stellt man aus mit Blick
auf eine ungewisse Zukunft? Wie empfängt man die Besucher online? Und wie
fesselt man sie so für das Thema? Die Antwort sei relativ schnell gefunden
worden: auf dem Spielfeld der multimedialen endlosen Möglichkeiten.
Hürden und Herausforderungen
Doch zunächst musste die Gruppe ein geeignetes Format finden. „Wir wollten
nicht schon wieder so etwas, was man in den letzten anderthalb Jahren
schon zigmal gesehen hat, als überall pandemiebedingt Online-Alternativen
ausgeschöpft wurden“, erklärt Stock.
Die Entscheidung sei deshalb auf einen virtuellen Ausstellungsraum
gefallen, modern, lichtdurchflutet, detailverliebt, mit einem hellen
Innenhof und musikalischer Untermalung. Dadurch habe sich die
Ausstellungsfläche, die das Zentrum sonst zur Verfügung hat, plötzlich
vervielfacht – und damit auch die Möglichkeiten.
In der jetzt offiziell eröffneten Ausstellung wird der Besucher zu einem
multimedialen Entdecker: Hinter jedem Bild zeigt sich nicht nur ein
Infotext, oft ist es auch mit anderen Medien vernetzt, die die Online-
Ausstellung zu einem 3D-Erlebnis machen oder zu anderen interessanten
Projekten locken.
Wem das zu spielerisch und abenteuerlich ist, der kann sich auf eine
automatische Tour durch die große, 125-jährige Geschichte des
psychologischen Instituts mitnehmen lassen, um eine Zeitreise über dessen
Entwicklung von seinen Vorläufern über die weltberühmte Würzburger Schule
der Denkpsychologie unter Oswald Külpe und Karl Marbe, den Zusammenbruch
1945 und die Wiederaufbau- und Ausbaujahre bis hin zur aktuellen Forschung
zu erleben.
Neue Impulse durch Corona
So schlimm die Corona-Pandemie auch ist für kulturelle Einrichtung wie das
Adolf-Würth-Zentrum, das von Besucherinnen und Besuchern vor Ort und dem
spannenden Vermitteln von Wissenschaftsgeschichte lebt, so sehr hat die
Pandemie dennoch auch neue Impulse mit sich gebracht. Armin Stock und sein
Team haben die Umstände vor allem dazu angeregt, sich mit den neuesten
Technologien auseinanderzusetzen und die Digitalisierung voranzutreiben.
„Wir haben uns das Ziel gesetzt, ansprechende virtuelle Umgebungen zu
schaffen, in denen die Besucherinnen und Besucher leicht vergessen können,
dass sie eigentlich ‚nur‘ vor dem Laptop sitzen“, erzählt Stock. Dieser
Ansatz ist für ihn das neue Motto einer modernen, zukunftsorientierten
Kultureinrichtung, die solche Möglichkeiten als eine große Chance für
Museen oder universitäre Sammlungen begreift.
Eine zukunftsträchtige Entwicklung
Angesichts der jüngsten pandemischen Entwicklungen war es nach Stocks
Worten die richtige Entscheidung, tiefer in die virtuelle Welt
einzutauchen und auszuloten, was möglich ist. Auch nach der Pandemie werde
sich dieser Ansatz zügig weiterentwickeln, ist er sich sicher: „Künftige
technische Innovationen sind vielversprechend, bringen einem Museum oder
einer Sammlung Aufmerksamkeit, sind für ausländische Besucher ohne
Reisewege zugänglich und damit – Stichwort: Klimawandel –
ressourcenschonend oder lassen sich als wunderbare Parallele zu realen
Ausstellungsräumen begreifen“, so der Psychologe.
Dementsprechend lautet Stocks Tipp für alle Interessierten: „Kochen Sie
sich ruhig noch eine gute Tasse Tee, dann können Sie die Anfahrt bequem
vom eigenen Sessel aus dem Wohnzimmer in Angriff nehmen. Die
Öffnungszeiten sind vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen in der Woche –
egal ob Sie sich in Würzburg oder Ohio, auf den Malediven oder auf Island
befinden.“ Im virtuellen Ausstellungsraum des AWZ werden Besucherinnen und
Besuchern keine Corona-Maßnahmen begegnen, ein Besuch ist also definitiv
nicht ansteckend, höchstens „ansteckend an Begeisterung“.
