Neues Faktenblatt der BAuA: Hohe emotionale Anforderungen bei der Arbeit an und mit Menschen
Etwa jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet mit oder an
Menschen. Sie sehen sich deutlich stärker emotionalen Anforderungen
ausgesetzt als andere Beschäftigte. Die Ausprägung anderer Faktoren
psychischer Belastung hängt vom Anforderungsniveau der personenbezogenen
Tätigkeiten ab. Dies ergab eine Auswertung der „Studie zur mentalen
Gesundheit bei der Arbeit“ (SMGA) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA). Diese und weitere Ergebnisse fasst das jetzt
veröffentlichte Faktenblatt „Psychische Belastung und mentale Gesundheit
bei personenbezogenen Tätigkeiten“ zusammen.
Rund zwölf Millionen Erwerbstätige in Deutschland arbeiten in Berufen, in
denen sie beispielsweise Menschen pflegen, retten, schützen, unterrichten
oder beraten. Diese Gruppe der Erwerbstätigen mit personenbezogenen
Tätigkeiten wurde auf Grundlage von Daten der „Studie zur mentalen
Gesundheit in der Arbeitswelt“ mit denen aus den anderen Berufen
verglichen. Die Analyse bezog sich auf die psychische Belastung und die
mentale Gesundheit. Zudem wurden die Beschäftigten mit personenbezogenen
Tätigkeiten anhand der erforderlichen Qualifikation in Gruppen mit
niedrigem und höherem Anforderungsniveau unterteilt.
Hinsichtlich der psychischen Belastung wurden folgende fünf zentrale
Faktoren untersucht: Arbeitstempo, überlange Arbeitszeit, geringer
Einfluss auf die Arbeit, geringe Führungsqualität und emotionale
Anforderungen. Hier zeigt sich in Abhängigkeit vom Anforderungsniveau ein
differenziertes Bild. So sehen sich die Gruppen der Erwerbstätigen mit
personenbezogenen Tätigkeiten deutlich stärker emotionalen Anforderungen
ausgesetzt (niedriges Anforderungsniveau 42 %, höheres Anforderungsniveau
59 %) als andere Erwerbstätige (15 %). Die geringer Qualifizierten
berichten zudem seltener über ein hohes Arbeitstempo und überlange
Arbeitszeiten, haben jedoch deutlich weniger Einfluss auf ihre Arbeit.
Hingegen gibt die Gruppe mit höher qualifizierten personenbezogenen
Tätigkeiten häufiger an, überlange Arbeitszeiten und einen größeren
Einfluss auf die Arbeit zu haben als die beiden anderen Gruppen. Über
geringe Führungsqualität berichtet mehr als jeder sechste Befragte. Hier
gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
Der Anteil von Personen mit depressiver Symptomatik (8%) und Burnout (11
bzw. 10 %) ist in allen Gruppen etwa gleich hoch. Jedoch sehen 15 Prozent
der Beschäftigten in der Gruppe mit niedrigem Anforderungsniveau ihre
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt, während es in den anderen beiden Gruppen
jeweils 11 Prozent sind.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass insbesondere in Berufen mit
personenbezogenen Tätigkeiten die emotionalen Anforderungen berücksichtigt
werden müssen, wenn Maßnahmen der Arbeitsgestaltung ergriffen werden. Um
möglichst passgenau zu sein, sollte auf die spezifischen
Belastungsfaktoren geachtet werden. Da ein beträchtlicher Teil der
Befragten befürchtet, seine Arbeit nicht mehr bewältigen zu können, sollte
die Prävention auf allen Ebenen gestärkt werden.
Das Faktenblatt „Psychische Belastung und mentale Gesundheit bei
personenbezogenen Tätigkeiten“ gibt es im PDF-Format im Internetangebot
der BAuA unter
<www.baua.de/dok/8866324>.
Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des
BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den
Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und
bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden
arbeiten über 750 Beschäftigte.
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