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Aktualisierte und erweiterte Leitlinie „Neurologische Manifestationen bei COVID-19“

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Neurologische Manifestationen und Komplikationen von COVID-19 erfordern
eine rasche Diagnostik und Therapie als Notfallindikation.  Die
aktualisierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN),
Berlin,  „Neurologische Manifestationen bei COVID-19“ [1] gibt dabei klare
Anleitungen zum Vorgehen in der ambulanten und stationären Behandlung.
Auch Empfehlungen für Patientinnen und Patienten mit chronischen
neurologischen Erkrankungen mit und ohne COVID-19 sind enthalten. Neu
aufgenommen wurden Kapitel zum Post-COVID-Syndrom und zu den SARS-
CoV-2-Impfungen.

Bei COVID-19 handelt es sich um ein bisher unbekanntes Krankheitsbild, das
sowohl Gesunde als auch in besonderem Maße Menschen mit vorbestehenden
Risikofaktoren und chronischen Erkrankungen bedroht – dazu gehören
insbesondere auch neurologische Vorerkrankungen. Bei COVID-19 können
zahlreiche neurologische Manifestationen und Komplikationen auftreten. Am
häufigsten sind Enzephalopathien zu finden (auf Intensivstation bis zu
50%), die deutlich mit der Mortalität assoziiert sind, gefolgt von
Schlaganfällen, Enzephalitiden und neuromuskulären Symptomen.

Im August 2020 erschien die Erstveröffentlichung der Leitlinie zur
Diagnostik und Therapie der „Neurologischen Manifestationen bei COVID-19“,
deren über 100 Seiten umfassende Aktualisierung nun, wieder unter
Federführung von Prof. Dr. Peter Berlit, Berlin, heute publiziert wurde
(Entwicklungsstufe S1, Living Guideline – Version 3 [1]). Herausgeber ist
die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der
Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI), der
Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) und der Deutschen
Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC).

Die S1-Leitlinie richtet sich an alle Behandelnden von COVID-19-Erkrankten
und an alle weiteren an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen.
Enthalten sind Handlungsempfehlungen für den ambulanten und stationären
Bereich bei neurologischen COVID-19- Manifestationen und für chronisch-
neurologisch Erkrankte mit und ohne SARS-CoV-2-Infektion. Alle
Themenbereiche der Leitlinie wurden überarbeitet und teilweise erweitert.
Neu sind unter anderem die Kapitel zum Post-COVID-Syndrom und zum Umgang
mit möglichen Komplikationen nach SARS-CoV-2-Impfungen.

Long- und Post-COVID-19-Syndrom
Wenn Symptome länger als vier Wochen nach der COVID-19-Akutphase
persistieren, spricht man von Long-COVID. Ein spezielles Krankheitsbild
ist das Post-COVID-Syndrom, bei dem mehr als drei Monaten nach der
Infektion häufig neurologische Symptome wie Gedächtnisstörungen, Fatigue,
Riech- und Schmeckstörungen, Kopfschmerzen, Myalgien und/oder Neuropathien
bestehen. Das Auftreten scheint unabhängig von der Schwere der
Akutinfektion zu sein. Bei Post-COVID- Betroffenen sollte immer eine
umfassende Diagnostik erfolgen, um die Pathogenese zu klären und
ursächliche andere neurologische Krankheitsbilder abzugrenzen. Die
Pathogenese ist bislang nicht abschließend geklärt. Verschiedene
Hypothesen werden untersucht, von fortbestehenden Entzündungsprozessen bis
zu virusgetriggerten, immunvermittelten Mechanismen. Bei Hinweisen auf ein
autoimmunes Geschehen ist eine immunmodulatorische Behandlung möglich;
insgesamt wird eine interdisziplinäre Herangehensweise empfohlen.

COVID-19-Impfungen
Grundsätzlich wird die Impfung zum Schutz vor COVID-19 auch, bzw. gerade
bei vorbestehenden neurologischen Erkrankungen empfohlen – sie ist auch
unter laufenden Immuntherapie sinnvoll und sicher (wie beispielsweise bei
Multipler Sklerose). Für bestimmte Immunsuppressiva schlägt die aktuelle
Leitlinienfassung geeignete Impfstrategien vor (z. B. kürzere
Impfabstände).

Insgesamt wurde bislang milliardenfach gegen COVID-19 geimpft und
abgesehen von den typischen unspezifischen Impfreaktionen an den ersten
beiden Tagen sind die mRNA- und Vektorimpfstoffe nebenwirkungsarm. Im
Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen werden sehr selten neurologische bzw.
neuromuskuläre Nebenwirkungen oder Komplikationen beschrieben. Dazu
gehören etwa Fazialisparesen oder ein Guillain-Barré-Syndrom.
Eine Besonderheit stellt die sogenannte Vakzin-induzierte immun-
thrombotische Thrombozytopenie (VITT) dar, die sehr selten nach Gabe von
Vektorimpfstoffen auftreten und zu Hirnvenen- (bzw. Sinus-) Thrombosen
führen kann. Das Risiko ist etwa zehnmal  höher als bei mRNA-Impfstoffen,
aber wesentlich niedriger als die Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose durch
die COVID-19-Erkrankung zu erleiden. Die rechtzeitige Therapie einer VITT
kann Hirnvenenthrombosen verhindern; klinisch hinweisend sind starke
Kopfschmerzen, und eine erniedrigte Thrombozytenzahl (sowie die
spezifischen Plättchenfaktor-4-Antikörper).

„Wir sind sehr froh, allen Kolleginnen und Kollegen, die neurologisch
symptomatische COVID-19-Kranke behandeln, diese Leitlinie zur Seite
stellen zu können, zumal viele Aspekte der SARS-CoV-2-Infektion neu sind
und sich von früheren neuroinfektiologischen Erfahrungen unterscheiden“,
so Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, Berlin. „Für viele
Betroffene mit chronischen neurologischen Erkrankungen ist es wichtig, die
Fakten zur COVID-19-Erkrankung zu kennen, beispielsweise, dass bei fast
allen präexistenten neuroimmunologischen und neuromuskulären Erkrankungen
kein generell erhöhtes SARS-CoV-2-Infektionsrisiko besteht, wenn die
grundlegenden Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Darüber
hinaus ist es uns wichtig hervorzuheben, dass auch neurologische
Patientinnen und Patienten unter Immuntherapien von der Impfung
profitieren, hier gibt es seitens der Betroffenen und ihrer Betreuer noch
immer viele Vorbehalte und Unsicherheiten.“

Literatur
[1] Berlit P. et al., Neurologische Manifestationen, S1-Leitlinie, 2021,
in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für
Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien
(abgerufen am 20.12.2021).
https://dgn.org/leitlinien/neurologische-manifestationen-bei-covid-19/