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Statement – „Entscheidung für Bundesbankspitze kommt kurzfristig auch Befürwortern einer lockeren Geldpolitik entgegen“

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Prof. Dr. Stefan Kooths (https://www.ifw-kiel.de/de/experten/ifw/stefan-
kooths/
), Konjunkturchef und Vizepräsident des IfW Kiel, kommentiert die
Berufung von Joachim Nagel zum neuen Bundesbank-Präsidenten:

„Joachim Nagel ist bislang für einen stabilitätsorientierten Kurs in der
Geldpolitik eingetreten. Behält er das bei, wird er auch im Rat der
Europäischen Zentralbank zu jenen gehören, die Gegenargumente zur
gegenwärtig ultra-expansiven Geldpolitik vorbringen und wird auch
entsprechend in die Öffentlichkeit wirken. Gerade jenen, die für eine
lockerere Geldpolitik eintreten, sollte es entgegenkommen, wenn ein
Bundesbankchef geldpolitisch als so genannter Falke auftritt. Denn er
dämpft damit Erwartungen, dass die Inflation mittelfristig über das Ziel
hinausschießt. Und je länger die Erwartungen stabil bleiben, desto länger
kann die EZB ihre derzeitige Politik durchhalten. Gleichzeitig ändert sich
an den Mehrheitsverhältnissen im EZB-Rat mit der Berufung Nagels nichts.
Die Befürworter der lockeren Geldpolitik können also der neuen
Bundesbankspitze entspannt entgegensehen, erhalten sie doch kurzfristig
eher noch mehr Spielraum für ihren Kurs. Das ist freilich kein Grund zur
Sorglosigkeit. Ein Vertrauensvorschuss hält nicht ewig, sondern muss durch
glaubwürdiges Handeln unterlegt werden.“